Diese Firma hat die Gemeinde Ellhofen geprägt
Die Bauunternehmung Roland Schwarz wurde vor 100 Jahren gegründet. Kaum ein öffentliches Gebäude in Ellhofen, das nicht ihre Handschrift trägt.

Vermutlich hat kaum ein anderer Familienbetrieb die Gemeinde Ellhofen derart geprägt wie dieser. Gefühlt hat die Bauunternehmung Roland Schwarz den halben Ort hochgezogen - zumindest den öffentlichen. Auch wenn der Chef seit vier Jahren nicht mehr Schwarz heißt: Am Namen der Traditionsfirma hat sich nichts geändert. Nun wird der 100. Geburtstag gefeiert.
Die Frage hat sich gar nicht gestellt. "Es war keine Diskussion, dass ich das Geschäft weitermache", erinnert sich Roland Schwarz. "Ich war neun Jahre alt, als mir mein Vater das Maurern beigebracht hat." Der 65-Jährige weiß noch genau, dass er als Bub auf den Baustellen die Wände von Tankräumen mauern durfte. "Die waren nicht so hoch." Wenn er von der Schule heimkam, dann stieg er erstmal auf die Laderaupe. Alltag in einem Familienbetrieb in den 1960ern. "Da lebst du damit."
1922 hatte Albert Schwarz in Ellhofen die Bauunternehmung gegründet. "Mein Großvater war außerdem Metzger." So gab es auch in Schlechtwetterzeiten genug zu tun, bei Hausschlachtungen etwa.
Der erste Fuhrpark war sehr überschaubar
Auf die Frage nach dem ersten Fuhrpark der Firma lacht Roland Schwarz: "Eine Schubkarre wird es wohl gewesen sein." Dazu Schaufel und Eimer, das war's. "Mörtel zum Beispiel rührte man damals mit der Hand an." Das Gerüst machte man selbst - mit Holzstangen aus dem Wald.

Eines der ersten Häuser, das Albert Schwarz baute, war das Haus Schilpp in Löwenstein. Im Magazin zum 100. Firmengeburtstag ist beschrieben, dass der Firmengründer mit dem Fahrrad hoch nach Löwenstein fuhr. "Das Schalmaterial haben die damals mit dem Handkarren auf die Baustelle gebracht." Heute sind zwei Lkw, vier Transporter, vier Kräne, ein Mietkran und drei Minibagger im Einsatz.
Die Aussegnungshalle war schwierig zu bauen
Die meisten Baustellen in der 100-jährigen Firmengeschichte waren in Ellhofen und zehn Kilometer drumherum. Viele Gebäude in der Gemeinde tragen die Rohbau-Handschrift des Betriebs. Roland Schwarz zählt auf: Grundschule, Sporthalle, Volksbank, Umbau der evangelischen Kirche, Erweiterung der Kläranlage, Pflegeheim...

Mit Unbehagen erinnert sich Schwarz an die Aussegnungshalle beim neuen Friedhof. "Das war das schwierigste Projekt." Zu bauen war ein ungleichseitiges Sechseck mit einem versetzten Dachmittelpunkt. "Das hat mich viele Stunden in der Nacht gekostet." Die Berechnungen mussten bis auf vier Stellen hinter dem Komma genau sein.
Ein aktuelles Großprojekt ist E1. Der Komplex mit 29 Wohneinheiten, einer Kinderarztpraxis und Fläche für ein Café/eine Backstube an der Hauptstraße läuft nicht mehr unter der Federführung von Roland Schwarz. 2018 verkaufte der dreifache Vater und vierfache Opa sein Baugeschäft an Frank Seiter. Keines seiner Kinder hatte Interesse einzusteigen. Außerdem wurde bei Roland Schwarz vor ein paar Jahren Parkinson diagnostiziert.
Der wichtigste Mitarbeiter
Dereinst hatte Schwarz Seiters Haus gebaut. Der Bauunternehmer und der Architekt kannten sich also, und als der eine dem anderen eine Rechnung vorbeibrachte, nahmen vage Ideen konkrete Formen an. Der Inhaber des Ellhofener Büros S-Projekt und seine Frau Birke Seiter-Dietz überlegten gründlich, sie sprachen mit den Schwarz-Mitarbeitern - aktuell sind es knapp 20 - und wurden schließlich mit Roland Schwarz handelseinig. An Seiters Seite ist Günter Leibham. Er stand schon Roland Schwarz treu zur Seite.

Der Bauleiter sei "der wichtigste und beste Mitarbeiter", sagt der frühere Inhaber, der jetzt, da er nicht mehr im Geschäft ist, öfter mit seinem Wohnmobil deutsche Mittelgebirge bereist. Daheim ist auch immer was zu richten. All die Jahre kümmerte er sich um die Häuser der anderen. Jetzt ist das eigene dran.
Auf der Suche nach einem neuen Firmensitz
Auch wenn Roland Schwarz nicht mehr der Chef ist - der Name bleibt. Er bürge für Qualität, sagt Frank Seiter, der seinen künftigen Schwerpunkt als Bauträger und Investor sieht. Was auf Dauer nicht bleiben soll, ist der Firmensitz in der Eulenbergstraße. Der Standort inmitten von Wohnbebauung sei nicht ideal. Die Suche nach einem Grundstück läuft.
Plagen Seiter in diesen unsicheren Zeiten Zukunftsängste? Der 50-Jährige überlegt kurz und schüttelt den Kopf. Wegen der Inflation werde der Markt für Ein- und Zweifamilienhäuser womöglich einknicken. Aber eher nicht für den Geschosswohnungsbau. "Der Bedarf dafür ist da." Ideen gibt es bereits für Vorhaben in Ilsfeld, Eberstadt und Obersulm-Affaltrach.
Am 1. Januar 1922 lässt sich Albert Schwarz als Gewerbetreibender des Gewerbebetriebs Maurer einschreiben. Sohn Otto wird 1923 geboren und lernt ab 1937 das Maurerhandwerk. Nach der Rückkehr aus russischer Kriegsgefangenschaft im Winter 1948/49 besucht Otto Schwarz die Meisterschule. Eine Zeitlang heißt die Firma Schwarz und Rank; Kompagnon ist ein Vetter. Roland Schwarz übernimmt das Geschäft 1992 im Alter von 35 Jahren von seinem Vater. 2018 steigt Frank Seiter ein. An diesem Samstag wird das 100. Firmenjubiläum gefeiert. Es gibt noch zwei weitere Anlässe zum Feiern: Seiters Architekturbüro S-Projekt besteht seit 20 Jahren, die Seiter Design-Werkstatt seiner Frau Birke Seiter-Dietz seit 25 Jahren.


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