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Wüstenrot

Der Kindergarten auf dem Bauernhof in Oberheimbach startet

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In der Natur und in den Ställen finden die Drei- bis Sechsjährigen aus Wüstenrot genügend Möglichkeiten, sich zu beschäftigen. Zwölf Anmeldungen für die 20 Plätze liegen bereits vor. Die Erstausstattung kostet rund 115.000 Euro.

Heimelig sieht der Bauwagen auf der eingezäunten Weide aus. Links befindet sich das Toilettenhäuschen.
Heimelig sieht der Bauwagen auf der eingezäunten Weide aus. Links befindet sich das Toilettenhäuschen.  Foto: Friedrich, Sabine

Sie kommen regelmäßig vorbei", erzählt Landwirt Hubert Sinn schmunzelnd, fahren mit ihren Minischleppern vor, um sich ein Bild vom "Bau"-Fortschritt zu machen. "Sie haben schon gesagt, sie bräuchten einen extra Stellplatz." Die Rede ist von den Nachbarszwillingen, die es kaum erwarten können, bis auf dem Eckenberghof in Oberheimbach der Bauernhofkindergarten öffnet. Am heutigen Mittwoch ist es soweit. Mit sechs Kindern startet die neue Betreuungsform der Gemeinde Wüstenrot. "Wir freuen uns, das Angebot machen zu können, wir sind ja eine Gemeinde im Naturpark", sagt Bürgermeister Timo Wolf.

Überdachte Pergola

Der Bauwagen sieht heimelig aus mit hellem Holz und knallgrünen Fensterläden. Es gibt eine überdachte Pergola, so dass auch bei Regenwetter draußen gespielt werden kann. Hier stehen die Schuhregale. Drinnen sind Tische und Bänke aufgestellt, die sich zum Teil zusammenklappen lassen. So entsteht ruckzuck ein Bewegungsraum. Eine Küchenzeile, eine Komposttoilette und ein abgetrennter Garderobenbereich sind eingebaut. Regale und Schränke bieten Stauraum. Eine Toilette fürs Personal und eine weitere für die Kinder sind in einer extra Hütte untergebracht. Der Vorteil gegenüber einem Waldkindergarten: Es gibt Wasser-, Abwasser- und Stromanschluss.

Jasmin Weinmann trifft die letzten Vorbereitungen, bevor heute Morgen die ersten sechs Kinder gebracht werden. Weinmann und vier Kinder wechseln vom Kindergarten Kreuzle 2 nach Oberheimbach. Bis Sommer 2022 werden die aktuell zwölf angemeldeten Mädchen und Buben aufgenommen sein. Die Gruppe hat 20 Plätze.

Unter dem Wagen sind Schaufeln, Eimer, Schubkarren und Lupengläser sowie ein Bollerwagen verstaut. Möglichst wenig vorgefertigtes Material soll es geben. Ein paar Spiele, Puzzles und Bücher werden für Regentage angeschafft.

Auf den Baumstümpfen werden sich die Kinder zum Morgenkreis versammeln. Sandkasten und Balancierstange sind bereits aufgebaut. Fotos: Sabine Friedrich
Auf den Baumstümpfen werden sich die Kinder zum Morgenkreis versammeln. Sandkasten und Balancierstange sind bereits aufgebaut. Fotos: Sabine Friedrich  Foto: Friedrich, Sabine

Weide ist eingezäunt

45 Ar groß ist die Weide mit dem Bauwagen, die die Gemeinde von der Familie Sinn gepachtet hat. Sie ist aus Sicherheitsgründen eingezäunt. Fürs Bringen und Abholen sind fünf Parkplätze geschottert.

Kindern zeigen, woher die Lebensmittel kommen

"Wir sind neugierig, was auf uns zukommt und gespannt, wie alles wird", spricht Hubert Sinn für seine Familie. Den Kindern zeigen, wie Landwirtschaft funktioniert und woher Nahrungsmittel kommen: Das ist die Idee, die hinter der neuen Betreuungsform steckt.

Hasen, Kälber und Hühner

Der Bauernhof der Sinns hat viel zu bieten: "Wir haben extra zwei handzahme Hasen angeschafft, die die Kinder streicheln können." Das können sie auch bei den rund 150 Kälbern im Stall tun. Die Drei- bis Sechsjährigen dürfen beim Füttern mithelfen, den Jungtieren die Flasche geben. Beim Eiereinsammeln im Hühnerstall mit den 350 Tieren können die Sinns künftig mit auf kleine Hände setzen. Die Kinder werden in eigenen Beeten auch gärtnern.

Laura Wedekind (links), Jasmin Weinmann und Bürgermeister Timo Wolf zeigen, wie die Unterkunft im Inneren ausgestattet ist.
Laura Wedekind (links), Jasmin Weinmann und Bürgermeister Timo Wolf zeigen, wie die Unterkunft im Inneren ausgestattet ist.  Foto: Friedrich, Sabine

Mithelfen im Stall gehört zum Tagesablauf

"Hofarbeitszeit" heißt dieser Part im Tagesablauf, wie Laura Wedekind, stellvertretende fachliche Leiterin für die Kindertagesstätten, erläutert. Danach folgen Morgenkreis auf den Baumstümpfen, Freispielzeit und Exkursionen. "Erst müssen die Kinder das Gelände erkunden", sagt Weinmann. Unterhalb der Weide gibt es einen Bach, drumherum Wald und am Ortsausgang einen Spielplatz. Wedekind weist auf die Holzbaustelle hin, um grobmotorische Fähigkeiten zu schulen.

Die Natur ist die perfekte Pädagogin

Nur zum Aufwärmen will Weinmann den Bauwagen nutzen. "Sonst sind wir draußen." Das ist die Leiterin selbst am liebsten: "Ich bin ein kompletter Naturmensch." Es reizt sie, einen Kindergarten aufzubauen. "Die Natur ist die perfekte Pädagogin", meint Wedekind. Jedes Spielzeug sei einmal kaputt oder uninteressant. "Die Natur ist niemals erschöpft. Es gibt immer Dinge zu erforschen, und es stellen sich immer neue Fragen."

Daten und Fakten

Auf etwa 115.000 Euro schätzt Bürgermeister Timo Wolf die Kosten für die Erstausstattung des Bauernhofkindergartens. Allein der Bauwagen beläuft sich auf 90.000 Euro, 13.000 Euro kostete der Zaun. Die feste Unterkunft hat rund 36 Quadratmeter.

Der Kindergarten ist von 7.30 bis 13.30 Uhr geöffnet. 2,5 Stellen sind für den Betrieb dieser besonderen Betreuungsform notwendig, die sich auf zwei Voll- und zwei Teilzeitkräfte verteilen. Eine der Erzieherinnen hat eine Fortbildung zur Waldpädagogin. Personal zu finden, sei nicht sehr schwierig gewesen, sagt der Bürgermeister. Ein solch neues Angebot locke, und so habe man relativ schnell die Stellen besetzt. Mit diesem Kindergarten und dem Ausbau der Bärenbande in Wüstenrot kann die Gemeinde dem Bedarf an Plätzen nachkommen.

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