Der Herr der Container auf dem Recyclinghof
Der Untergruppenbacher Recyclinghof zieht auf den Häckselplatz um. Wir haben zuvor Hubert Vogt an seinem Arbeitsplatz besucht. Der frühere Boxer im Halbschwergewicht ist seit 21 Jahren Platzwart der Anlage und ein absolutes Original.

Für wie viele Kinder er hier der Opa ist? Ein paar Hundert werden es schon sein, schätzt Hubert Vogt. Seit 21 Jahren ist er der Herr über die Container auf dem Untergruppenbacher Recyclinghof, tatkräftig unterstützt von seiner Frau Anna.
"Sehen Sie die Mutter da vorne?" Der 81-Jährige zeigt aus dem Fenster der kleinen Holzhütte, seinem Büro. "Die war als kleines Mädchen schon bei mir, jetzt kommt sie mit ihren Kindern her." Und alle dürfen den Mann mit dem festen Handschlag und den immer noch beachtlichen Muskeln unterm Poloshirt ihren Großvater nennen.
"95 Prozent der Kundschaft ist in Ordnung. Die habe ich so erzogen, dass sie alles richtig einwerfen", erzählt der frühere Boxer im Halbschwergewicht mit verschmitztem Augenzwinkern. Doch auch Müllsündern war er schon auf der Spur - gewissenhaft, wie bei allem, was er anfasst. "In den ganzen Jahren bin ich kein einziges Mal zu spät gekommen", erzählt er stolz.
Er gibt immer 100 Prozent
Ein bisschen wehmütig ist Vogt an diesem Tag Anfang Juni. Der Recyclinghof zieht nämlich um, zunächst auf den Häckselplatz. Denn am alten Standort wird der neue Edeka gebaut. Die Uhren und Spielsachen, die die Außenwand der Hütte früher zierten, sind deshalb verschwunden. "Ich habe alles in den Containern gefunden, gesäubert, repariert und aufgehängt. Wenn die Kinder gesagt haben, Opa das gefällt mir, dann durften sie es mitnehmen", erinnert er sich. Jetzt wird das Holzhäuschen umzugsfertig gemacht. "Ich hoffe, es übersteht alles", sagt Vogt, der drei Söhne und vier Enkel hat.
Jeden Morgen um sechs Uhr steht er auf, dann machen er und seine Frau sich an die Hausarbeit, jeder hat seinen Part. Auch auf dem Recyclinghof verstehen sich beide blind. "Wir sind seit 60 Jahren verheiratet und ergänzen uns perfekt", sagt Vogt. Er sei ein Gemütsmensch. "Und ich gebe immer 100 Prozent. Aber meine Frau ist noch besser. Wenn wir den Recyclinghof schon abgeschlossen haben und sie draußen noch ein Taschentuch herumfliegen sieht, macht sie das Tor wieder auf und entsorgt es korrekt."
Hubert und Anna Vogt gibt es nur im Doppelpack
Auch sonst ist alles ordentlich zwischen ihnen aufgeteilt. "Meine Frau kümmert sich um den unteren Bereich des Recyclinghofs. Da stehen die Container für die weicheren Sachen, Kunststoffe zum Beispiel. Ich habe den oberen Bereich mit Elektroschrott, den schwereren Gegenständen. Da weiß jeder, was er zu tun hat." Überhaupt gibt es beide nur im Doppelpack. "Die Untergruppenbacher wissen, dass wir alles zusammen machen." Einmal ist ein Mann beim Müllabladen ihr gegenüber anzüglich geworden. "Das ist der einzige Kunde, den ich je vor die Tür gesetzt habe, aber blitzschnell. Der ist nie wieder gekommen."
"Die Frau da vorne wirft die Folie falsch ein. Die gehört zu sonstige Kunststoffe!" Vogt hat das Gewusel auf dem Hof voll im Blick. Altmetall, Styropor, Aluminium, Kartonagen, Batterien, CDs. Für alles gibt es beschriftete Container und Tonnen. Auch am neuen Platz soll es so ordentlich weitergehen. "Bis ich 85 bin, will ich noch auf dem Recyclinghof arbeiten", sagt der ehemalige Außendienstler, dem sein Ruhestand ohne Arbeit einfach zu langweilig war.
Vogt überführt sogar Müllsünder
"Ich habe hier ein paar Schneeketten, die sind noch neu. Kannst du die verschenken?", ruft ein Mann zu Vogt herüber. Der schüttelt den Kopf: "So was braucht kein Mensch mehr, kannst du bei Altmetall einwerfen." Wie war das jetzt mit der Entlarvung des Müllsünders?
"Mit Handschuhen an den Fingern habe ich nach Beweisen gesucht", erinnert sich der Platzwart, immerhin gehe es bei der korrekten Entsorgung nicht nur um Wiederverwertung, sondern auch um Umweltschutz. Und siehe da: Der Übeltäter hatte tatsächlich eine Karte mit seiner Adresse darauf mitsamt dem Abfall abgeladen. Überführt.
Umzug und Öffnungszeiten
Der Recyclinghof zieht übergangsweise auf den Häckselplatz oberhalb der Schlossstraße, denn am bisherigen Standort am Mühlweg wird der neue Edeka gebaut. Die gemeinsamen Öffnungszeiten sind ab sofort: donnerstags 16.30 bis 19 Uhr, freitags 14.30 bis 17 Uhr, samstags 9 bis 14 Uhr.
Außerdem kann der Häckselplatz Abstatt angefahren werden. Er hat freitags von 14 bis 16.30 Uhr sowie samstags von 10 bis 16.30 Uhr geöffnet. Bis Mitte 2020 sollen dann Recyclinghof und Häckselplatz Untergruppenbach oberhalb des Park & Ride-Parkplatzes einen Neubau bekommen.
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