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Weinsberg

Bürgermeisterin Birgit Hannemann ist nun offiziell in Amt und Würden

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Birgit Hannemann, die erste Frau an der Spitze der Stadt Weinsberg, ist am Dienstagabend vor 400 Gästen in der Hildthalle offiziell vereidigt und verpflichtet worden.So lief die Feier ab.

Nicht nur mit ihren Stimmen, sondern auch mit vollem Körpereinsatz bringen die Jungen und Mädchen des Grundschulchors Leben in die Hildthalle.
Nicht nur mit ihren Stimmen, sondern auch mit vollem Körpereinsatz bringen die Jungen und Mädchen des Grundschulchors Leben in die Hildthalle.  Foto: Seidel, Ralf

Im Rathaus arbeitet sie seit 1. Januar - und das ziemlich unermüdlich, wie man hört. Seit Dienstagabend ist Birgit Hannemann auch offiziell in Amt und Würden als Bürgermeisterin von Weinsberg. Vor 420 Gästen wurde sie in der Hildthalle vereidigt und verpflichtet. Der Anlass war feierlich, der Vollzug erfreulich erfrischend.

Der Grundschulchor ist der Star des Abends

Um es gleich vorwegzunehmen: Der Star des Abends ist nicht die erste Frau an der Spitze der Weibertreustadt, die zugleich die siebte Frau auf dem Chefsessel in einer der 46 Landkreiskommunen ist. Der Star ist der Grundschulchor. Was die Kinder tun würden, wenn sie "König von Weinsberg" wären, bringen sie auf die Melodie von Rio Reisers "König von Deutschland" so mitreißend rüber, dass der ganze Saal mitwippt. Und "Birgit Hannemann ist unsere Bürgermeisterin, weil sie"s kann", gesungen auf die Melodie von "Feliz Navidad", kommt so gut an, dass es die Kinder unter der Leitung von Rektor Levin Lüftner gleich nochmal singen müssen. "Ihr habt mich wirklich geflasht", freut sich die Rathauschefin, selbst Mutter von drei Kindern. Genauso freut sie sich über den Beitrag eines Violinenquartetts der Städtischen Musikschule.

Der Höhepunkt gleich zu Beginn

Der entscheidende Moment: Birgit Vollert (rechts) vereidigt und verpflichtet die neue Weinsberger Bürgermeisterin Birgit Hannemann.
Fotos: Ralf Seidel
Der entscheidende Moment: Birgit Vollert (rechts) vereidigt und verpflichtet die neue Weinsberger Bürgermeisterin Birgit Hannemann. Fotos: Ralf Seidel  Foto: Seidel, Ralf

Seinen zeremoniellen Höhepunkt erreicht der Abend gleich zu Beginn. Es ist mucksmäuschenstill, als Birgit Hannemann die Bühne betritt. Punkt 18.10 Uhr hebt die 44-Jährige die Hand und spricht vor den 420 Gästen, darunter Stadträte, Bürgermeisterkollegen und Landtagsabgeordnete, die Vereidigungs- und die Verpflichtungsformel nach, die die stellvertretende Bürgermeisterin Birgit Vollert vorher vorgelesen hat. "Ich gelobe Treue der Verfassung, Gehorsam den Gesetzen und gewissenhafte Erfüllung meiner Pflichten", lautet einer der feierlichen Sätze.

Ein neues Kapitel Stadtgeschichte

Birgit Vollert freut sich im Namen des Gemeinderats auf die Zusammenarbeit mit Birgit Hannemann, die schon auf acht Jahre Berufserfahrung als Bürgermeisterin von Erdmannhausen im Landkreis Ludwigsburg zurückblicken kann. "Wir stehen parat, um ein neues Kapitel Stadtgeschichte zu schreiben", sagt Vollert. Das vorherige ist erst ein paar Tage zuvor am selben Ort beendet worden, als Stefan Thoma nach fast 20 Jahren als Bürgermeister der 13.500-Einwohner-Stadt verabschiedet wurde.

"Eine reife Leistung"

Wurde am Freitag vorwiegend zurückgeblickt, schauen am Dienstagabend alle nach vorn. Norbert Heuser zum Beispiel. Der Landrat, in diesem Winter Dauergast im Weinsberger Tal bei all den Bürgermeister-Verabschiedungen und Einsetzungen, wünscht der studierten Wirtschaftspädagogin für die Zukunft "die Kraft und die Willensstärke, die 1140 jene Frauen an den Tag legten, die ihre Männer aus der Burg heraustrugen". Dass Birgit Hannemann am 19. November gleich auf Anhieb das Rennen gemacht hat, "ist eine reife Leistung und ein Vertrauensvorschuss."

Weinsberg bescheinigt Heuser, "eine wirklich besondere Stadt zu sein". Überreicht der Landrat bei den Verabschiedungen - Stephan Franczak kam in Eberstadt in den Genuss, Wolfgang Rapp in Ellhofen und am Freitag auch Stefan Thoma - stets einen Trolley mit Landkreis-Logo, bringt er zu den Einsetzungen gerne ein Landkreis-Puzzle mit. Auch Birgit Hannemann bekommt eines.

Leistung ist gefragt

"Die wird nicht viel puzzeln, Herr Heuser", meint Friedlinde Gurr-Hirsch (CDU). Denn auf Birgit Hannemann warte viel Arbeit. In der CDU, deren Mitglied ja auch Hannemann ist, sei politische Arbeit für eine Frau "kein g"mähtes Wiesle. Man muss durch Leistung überzeugen." Die frühere Landtagsabgeordnete und Staatssekretärin aus Untergruppenbach plaudert ein wenig aus dem Nähkästchen, kennt sie Hannemann, die im Teilort Donnbronn aufgewachsen ist, doch schon seit vielen Jahren.

Für die Mitarbeiter der Stadt und des GVV "Raum Weinsberg" ist Personalratsvorsitzende Kathrin Rogowski "sehr zuversichtlich, dass unsere Zusammenarbeit gut gelingen wird". Obersulms Bürgermeister Björn Steinbach nimmt die neue Kollegin herzlich in den Bürgermeister-Sprengel Weinsberger Tal auf. Er freut sich, dass "du dich mit deinen Ideen und Erfahrungen aus dem anderen Landkreis bei uns einbringen wirst".

Das letzte Wort hat die neue Stadtchefin

Das letzte Wort hat natürlich die neue Stadtchefin. Sie meint: Wie mancher in ihrer bisherigen 16-tägigen Amtszeit festgestellt haben dürfte: "Ich sage auch offen und ehrlich, wenn etwas nicht geht." Bisher hätten es ihr alle leicht gemacht, in Weinsberg anzukommen - so leicht, dass sie sich frage: "Wo ist der Haken bei der Sache?"

Gefunden hat Birgit Hannemann inzwischen tatsächlich einen Haken, einen Angelhaken nämlich. Es ist allerdings ein guter Haken, den ihr Vorgänger Thoma bewusst im Büro für sie hinterlassen hat. Der Angelhaken war 2004 das Geschenk, das der damalige Landrat Klaus Czernuska zu Thomas Einsetzung mitgebracht hatte. Dass die Frau ein Händchen dafür hat, Menschen mitzunehmen, unterstreicht sie mit ihren Schlusssätzen, für die sie viel Beifall bekommt: "Lassen Sie uns gemeinsam an der Zukunft Weinsbergs bauen. Ich freue mich darauf!"

Weitere Infos

Bei der Wahl am 19. November erlangte Birgit Hannemann mit 52,4 Prozent der Stimmen bei vier Mitbewerbern die erforderliche absolute Mehrheit. Hauptkonkurrent Tobias Kniel, Geschäftsführer des Zweckverbandes Breitenauer See, kam nur auf 29,7 Prozent. Wenig später gab Kniel in Löwenstein seine Bewerbung ab. Doch auch dort unterlag er. Als Sieger ging am vergangenen Sonntag Eberhard Birk aus der fünfköpfigen Bewerberriege hervor.

 
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