70 Jahre Freibad Ilsfeld: Badegäste erinnern sich an die Anfänge
Vor 70 Jahren war das Freibad in Ilsfeld eines der ersten im südlichen Landkreis. Viele Menschen aus der näheren Umgebung haben hier schwimmen gelernt.

Die Frühschwimmer haben es ins Rollen gebracht: Sie haben nicht nur eine Anzeige im Mitteilungsblatt geschaltet, sondern auch bei Sekt und Eistorte vor Ort auf den 70. Geburtstag des Ilsfelder Freibads angestoßen. "Daraufhin haben wir recherchiert, was wir über unser Bädle so wissen", sagt Bürgermeister Bernd Bordon. "Es war eines der ersten in unserer Raumschaft und wurde 1953 vor den Freibädern in Oberstenfeld, Lauffen und Untergruppenbach eröffnet." 400.000 bis 450.000 Euro im Jahr muss die finanziell klamme Gemeinde für den Freibadbetrieb drauflegen. Aber: "Für eine Schließung gibt es aktuell keinen politischen Willen", betont Bordon.
Das hören die Stammgäste gerne. "In der Schozach, aber vor allem im Freibad haben wir als Kinder schwimmen gelernt", erzählt Thomas Mayer. Der 63-Jährige gehört zu den rund 15 Frühschwimmern, die "morgens um 8 Uhr zum Aufschließen da sind". Bei Wind und Wetter. Das sei "Gaudi, Fitness und Wellness" zugleich. Zur Saisoneröffnung am 1. Mai 2023 hatte das solarbeheizte Wasser gerade mal 15,5 Grad. "Da bin ich nach drei Bahnen ausgestiegen", gibt Mayer zu.
Im Freibad-Kiosk gab's für 20 Pfennig ein Senfbrot
Als Bub sei er von Schozach mit dem Fahrrädle nach Ilsfeld gefahren. "Wenn man damals 20 Pfennig gehabt hat, hat das gerade für ein Senfbrot gereicht", erinnert sich der Wirt des Burgrestaurants Hohenbeilstein. Und als Jugendlicher habe er im Freibad "bussiert". Daneben befand sich damals ein Campingplatz. "In den Ferien hat man auf die nicht-schwäbischen Mädle gewartet", verrät Mayer schmunzelnd.
Auch Klaus Mezger (69) hat im Ilsfelder Bad Schwimmen gelernt. Heute sieht er das morgendliche Bahnen ziehen unter dem sportlichen Aspekt. Aber es sei auch immer gesellig: "Man kennt sich, man schwätzt miteinander, man geht schwimmen." Und die Wasserqualität sei stets hervorragend.
Wassertechnik im Freibad Ilsfeld ist top
"Die Wassertechnik ist auf dem neuesten Stand", betont die Meisterin für Bäderbetriebe, Tine Hoffmann. Die Becken werden ausschließlich mit Quellwasser gespeist, ergänzt Bauhofleiter Cornelis-Johannes Izelaar. 1976 wurde das Freibad für 1,6 Millionen Mark modernisiert, von 2010 bis 2012 für weitere 2,9 Millionen Euro.
Seitdem sei jedes Jahr sehr viel gemacht worden, wobei Bauhof- und Freibadteam Hand in Hand arbeiten. "Die Solar-Absorberanlage hat uns Sorge bereitet. Da haben wir zehn Kilometer Leitungen in Eigenleistung verlegt", nennt Izelaar ein Beispiel. Zuletzt wurde im Juni ein Sonnensegel im Kinderbereich angebracht.
Wahrzeichen des Freibads verschwunden
Als sie 2011 im Freibad angefangen habe, "war alles eine riesengroße Baustelle. Inzwischen wurde ein wundervoller Platz für die Menschen geschaffen", freut sich Tine Hoffmann. "70 Jahre viel Herz und Emotionen", weiß Bernd Bordon aus Erzählungen. Izelaar, seit 2002 im Ort, erinnert sich wehmütig an die jahrhundertealte Buche, die kurz vor Corona wegen eines Pilzes gefällt werden musste. "Sie war so etwas wie das Wahrzeichen des Freibads", bestätigt Tine Hoffmann.
Auch bei schlechtem Wetter öffnen sie und ihre drei Kollegen das Bädle. Die Ampel auf der Homepage der Gemeinde gibt Auskunft über die Zeiten. Stammgäste wissen: Gelb heißt von 8 bis 11 Uhr und von 17 bis 20 Uhr. Wie an diesem Tag. Tanja und Lutz Hagmann ziehen ab 17.30 Uhr mit ihren erwachsenen Söhnen André und René ihre Bahnen. "Es ist toll, wenn man am Wohnort so ein Freibad hat. Es ist sehr familiär", findet Lutz Hagmann. "Das Personal ist sehr nett", lobt Ehefrau Tanja. Auch ihre Eltern kämen fast jeden Vormittag, so die Auensteinerin, die "schon als Baby hier war".
Bei jedem Wetter im Freibad

Nicht anders war es bei Ursula Scheithauer. Außer bei Blitz und Donner ist die Neckarwestheimerin auch noch als Erwachsene "immer, wenn es sich einrichten lässt", zusammen mit ihrer Freundin im Ilsfelder Freibad. "Es ist sehr sauber und das Personal ist sehr freundlich."
Seit dieser Saison sitzt Gabi Klenk an der Kasse. Das Freibad kennt die Abstatterin aber schon lange: "Ich bin mit meinen Kindern immer hergekommen." Jetzt freut sich die 54-Jährige nach dem beruflichen Wiedereinstieg über den Kontakt zu Familien und Jugendlichen: "Das Freibad hat auch soziale Aspekte, etwa für Leute, die nicht in den Urlaub fahren können." Tumulte wie in Berliner Bädern gibt es in Ilsfeld nicht. Tine Hoffmann: "Davon sind wir bisher verschont."
Eigener Brunnen speist das Becken
Laut Ilsfelder Heimatbuch gab es bereits 1930 erste Planungen für ein Freibad. Aber erst nach der Währungsreform 1948 wurde es konkret. Eröffnung war im Sommer 1953. Das Bad verfügte von Anfang an über einen eigenen Brunnen, der die Becken auch heute noch speist. Ein Kinderbecken gehörte ebenfalls von Anfang an dazu.
In den Anfangsjahren reichte der Einzugsbereich für Badegäste bis in den Stuttgarter Raum - möglich war das auch dank der zwischenzeitlich stillgelegten Schmalspurbahn. Anfangs gab es noch einen Tennisplatz und einen Campingplatz auf dem heutigen Freibadgelände.
Seit 1. Mai 2023 waren 20.000 Besucher im Freibad. "Im Durchschnitt kommen pro Saison 40.000 bis 50.000", sagt Bauhofleiter Cornelis-Johannes Izelaar. Sie genießen die familiäre Atmosphäre, das Beach-Volleyballfeld, die große Wasserrutsche, den Kinderspiel- und -planschbereich sowie Speisen und Getränke vom Restaurant Dolce Vita, das auch den Freibadkiosk betreibt.




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