Wie eine Wimpfenerin mit Ovid und Horaz glänzt
Sophia Gehrmann vom Hohenstaufen-Gymnasium Bad Wimpfen punktet mit einer Hausarbeit bei der Stiftung "Humanismus heute" der Universität Freiburg.

Antike Texte, philosophische Gedanken, lateinische Sprache: Was so manchem Schüler die Haare zu Berge stehen lässt, interessiert Sophia Gehrmann brennend. Bereits zum zweiten Mal stellt sie sich dem Landeswettbewerb "Alte Sprachen". Mitten im Abi-Stress. Die erste von drei Stufen des zum 42. Mal ausgeschrieben Wettbewerbs der Stiftung "Humanismus heute" der Universität Freiburg hat sie bereits gemeistert.
Am Mittwoch stand für die 17-jährige Hohenstädterin die zweite Runde an: eine viereinhalbstündige Klausur am Hohenstaufen-Gymnasium (HSG), bei der es um einen Textvergleich ging
Fasziniert von Inschriften in der Mauer
Dass es lateinische Inschriften auch in Bad Wimpfen, etwa an der Dominikanerkirche, gibt, hat früh ihr Interesse geweckt. "Als Latein in der achten Klasse vorgestellt wurde, habe ich mich dafür entschieden", erinnert sie sich. Bereut hat sie es keineswegs. Beim Ausflug nach Trier mit der kleinen Lateingruppe erste Inhalte lesen und verstehen zu können, sei schon toll gewesen.
"Nach der zehnten Klasse war klar, dass kein Leistungskurs zustande kommt", sagt Lateinlehrer Alexander Schmidt. "Um das Interesse nicht verkümmern zu lassen", bietet er damals einmal wöchentliches lateinisches "Lesen ohne Druck" an. Sophia Gehrmann ergreift als einzige die Möglichkeit. Lohnend: Den Vortrag, der 2022 als dritte Stufe des 41. Landeswettbewerbs angestanden hätte, hat sie schulintern gehalten. Ihn konnte sie sich als Seminarkurs und damit als Ersatz für eine mündliche Prüfung im Abitur anrechnen lassen.
Vergängliches Papier, unsterbliche Gedanken
In der Hausarbeit der ersten Runde zum 42. Landeswettbewerb hat sie sich jeweils einem markanten Abschnitt von Ovids "Amores" und Horaz "Oden" gewidmet. Auf zehn Seiten unter der Fragestellung nach ihrem "Fortleben in der Dichtung". Untersucht hat sie dazu biografischen Gegebenheiten, deren Einarbeitung in die Gedichte und die Frage, warum sie heute noch Bedeutung haben. Papier ist vergänglich, die Gedanken der Dichter aber unsterblich. So das Fazit ihrer Hausarbeit.
Deshalb ist die Antwort für Sophia Gehrmann eindeutig: "Es geht um Themen der Persönlichkeitsentwicklung, um Selbstreflexion." Ebenso darum, Einflüssen von außen sensibel zu begegnen und sich eine eigene Meinung zu bilden.
Mit Latein auf Zack
Auch wenn die Schülerin der Kursstufe II mit den Leistungskursen Deutsch, Mathe und Bio zukünftig Medizin studieren möchte und sich zudem auf den Medizinertest im Mai vorbereiten muss: Latein hat ihr schon viel gebracht. Etwa bei Begriffen der Anatomie. "Durch die Hausarbeiten hat sie gelernt, sich zu beschränken, ist viel präziser geworden", lobt Alexander Schmidt.
Wie er ist Rektor Josef Knoblauch stolz auf die Schülerin. Fürs Weiterkommen gab es von ihm eine Führung im Römermuseum Osterburken für die ganze Familie. Das Klausurergebnis der zweiten Runde steht vermutlich vor Pfingsten fest. Die dritte Runde mit Vortrag eines selbst gewählten Themas vor einer Fachjury hat sie fest im Blick. Immerhin lockt beim Sieg ein Stipendium der Stiftung "Humanismus heute" oder die Aufnahme in die Studienstiftung des deutschen Volkes.
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