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Möckmühl

Trotz Chirurgie überwiegt der Frust in Möckmühl

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Die Einwohner schmerzt der Verlust des Krankenhauses in Möckmühl. Neue Arztsitze sehen viele als "Notnagel".

Von Petra Müller-Kromer
Die Tage des Krankenhauses sind gezählt, der Bau des Gesundheitszentrums beginnt in voraussichtlich einem halben Jahr. Foto: Archiv/Mugler
Die Tage des Krankenhauses sind gezählt, der Bau des Gesundheitszentrums beginnt in voraussichtlich einem halben Jahr. Foto: Archiv/Mugler  Foto: Mugler

Grünes Licht für die chirurgisch-orthopädische Praxis im künftigen Gesundheitszentrum in Möckmühl − mit dieser Entscheidung des Zulassungsausschusses der kassenärztlichen Vereinigung (KV) lässt sich aus Sicht des Betreibers, der SLK Kliniken, weiterarbeiten.

Als "Ankerpraxis" bezeichnet SLK die Einrichtung mit ambulantem OP-Zentrum, bei dem die Patienten nach dem Eingriff nach Hause gehen. Bereits im jetzigen Krankenhausbau nehme sie ab 1. September ihren Betrieb auf.

Orthopädie zieht im Herbst in Möckmühl aus

Zufrieden ist Dr. Burkhard Schropp, derzeit Chefarzt im Möckmühler Krankenhaus, der mit drei Kollegen dort arbeiten wird. "Es ist sehr gut, dass sich die KV kooperativ gezeigt hat. In Möckmühl ist dann weiter der Bereich Chirurgie, Unfallchirurgie und Orthopädie abgedeckt."

Zudem hat er dann eine 50-Prozent-Stelle als Chefarzt im Klinikum am Plattenwald in Bad Friedrichshall inne. Die stationäre Abteilung für Orthopädie und Chirurgie zieht im Herbst von Möckmühl nach Bad Friedrichshall. Wer eine Operation plant, bei der er anschließend nicht nach Hause kann, wird erst in der Ambulanz Möckmühl vorstellig, und kann sich dann in Bad Friedrichshall operieren lassen.

HNO- und Frauenarztpraxis werden ins Gesundheitszentrum verlegt 

Auch die Notfallpraxis in Möckmühl nutzt weiter die Räumlichkeiten des Krankenhauses, um anschließend ins neue Gesundheitszentrum umzuziehen. Die geplante HNO- sowie die Frauenarztpraxis verlegen ihren Sitz aus der Stadt ins Gesundheitszentrum. Neu siedelt sich eine Zahnarztpraxis an, informiert SLK. Trotzdem sind die Rückmeldungen in Möckmühl eher negativ.

Noch immer schmerzt die Einwohner der Verlust des beliebten Krankenhauses. Größe und Entfernung zum Gesundbrunnen in Heilbronn schrecken viele ab. "Es ist besser als nichts", sagt ein Passant und zuckt die Schultern. "Aber das Krankenhaus war schon was anderes. Sauber, gutes Personal. Man hat sich wohl gefühlt. Und wenn man den Not-Knopf gedrückt hat, ist gleich jemand gekommen. In Heilbronn kommt vielleicht mal nach Stunden jemand."

"Es ist frustrierend, wenn ein funktionierendes Krankenhaus geschlossen wird"

Ein anderer stößt ins selbe Horn. "Bis ich von Lampoldshausen dahin gefahren bin, bin ich ja schon gestorben. Wir kleinen Leute sind enttäuscht." Auch Michael Siegl ist nicht glücklich mit der Entwicklung. "Es ist frustrierend, wenn ein funktionierendes Krankenhaus geschlossen wird. Als ich meinen Onkel im Gesundbrunnen besucht habe, hatte ich das Gefühl, ich brauche zwischendurch eine Kaffeepause, so groß waren die Entfernungen."

Ein Trost sei die neue Entwicklung nicht. "Wenn mit Frau Scharfenberg die Hausärztin aufhört und sich kein Nachfolger findet, kriegen wir einen Ärztemangel in Möckmühl." Er könne sich gar nicht vorstellen, dass sich genug Mediziner fürs Gesundheitszentrum finden. "Viel Hoffnung, dass sich ein Nachfolger findet", hat indes Maria Scharfenberg, die zum Ende des Jahres ihre Praxis schließt, wie sie sagt.

"Die Stadtmitte blutet aus"

"Das Zentrum ist wunderbar, aber es braucht mindestens ein, zwei Hausärzte, damit es sich für eine Apotheke lohnt", sagt Claudia Mundloch von der Burg-Apotheke. Eine Angestellte einer betroffenen Praxis möchte ihren Namen nicht in der Zeitung lesen. Aber: "Die Stadtmitte blutet noch mehr aus, wenn die Burg-Apotheke hoch zieht und die Praxis Scharfenberg schließt." Die internistische Seite fehle. "Es gibt keine Möglichkeit, Magen- und Darmspiegelung oder ein Langzeit-EKG zu machen. Das Krankenhaus ist tot, der Ersatz minimal."

Heiko Gieser, Ortsvorsteher in Bittelbronn, findet die Nachricht "grundsätzlich positiv". Sie sei aber nur ein Notnagel. "Das wurde als Voraussetzung präsentiert. Dass das noch gar nicht in trockenen Tüchern war, war der Bevölkerung gar nicht bewusst."

 

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