Rennlegenden und ihre Motorräder im Zweirad- und NSU-Museum
Das Neckarsulmer Zweirad- und NSU-Museum zeigt in einer neuen Ausstellung 24 seltene Maschinen. Erstmals ist die Schau ergänzt durch ein umfangreiches Digital-Angebot.

Das Rennsport- und Motorrad-Fan-Herz schlägt beim Anblick der neuen Sonderausstellung im Deutschen Zweirad- und NSU-Museum in Neckarsulm höher. Die Ausstellung mit dem Titel "Rennlegenden 1960 - 85" bildet den ersten von drei Teilen der Serie "Meister aller Klassen". "Es ist die wertvollste Ausstellung bisher", berichtet Museumsleiterin Natalie Walz.
Eigentlich stehe sie bereits seit vier Wochen in den Startlöchern. Durch die Corona-Krise konnten aber keine Besucher empfangen werden. So kam es, dass das Zweiradmuseum erstmals die komplette Ausstellung digital erfahrbar machte. Die 360-Grad-Ansichten könnten den Museumsbesuch aber nicht ersetzen, betont Walz. Sie seien vielmehr da, um dem Besucher Lust auf die Ausstellung zu machen. Denn inzwischen sind die Museumstüren wieder geöffnet.
Rennmodelle aus einer denkwürdigen Epoche
Zu sehen sind in der Sonderausstellung 24 seltene Rennmodelle aus einer denkwürdigen Epoche für den Motorradrennsport, fasst Walz zusammen. Darunter seien ungewöhnliche Eigenkonstruktionen von Technikern, Ingenieuren und technisch versierten Fahrern. Die Exponate stammten alle aus einer Privatsammlung.
Der Ausstellungsrundgang beginnt mit einer Maschine Marke Eigenbau von Karl Reese. dem früheren Ehrenpräsidenten des Veteranen-Fahrzeug-Verbandes, der 1956 in Neckarsulm gegründet wurde. Reese war immer eng mit dem NSU-Museum verbunden, bis er im vergangenen Jahr starb. Die Ausstellung finde auch im Gedenken an ihn statt, so Walz.
Motorräder von mehrfachen Weltmeistern
Zu den technischen Zeitzeugen, die es zu bewundern gibt, gehört eine originale Vierzylinder-Honda aus dem Jahr 1964, die einst Rennlegende und sechsfacher Weltmeister Jim Redman fuhr. Daneben gibt es den allerersten Yamaha TD-Production Racer, der jemals ein Rennen in Europa gewann, sowie eine Kawasaki KR 250, wie sie der fünffache Weltmeister Toni Mang hatte.

Wer sich ganz genau für die Technik interessiert, kann sich an Museumsmitarbeiter Sven Heimberger wenden. Er stellt auch auf Facebook einzelne Maschinen der Ausstellung vor. Teilweise kann man denen sogar unter die Verkleidung schauen. Wie bei einem experimentellen Rennmotorrad der Marke Honda, das joystick-artige Hebel als Lenker hat. "Das ist sehr ungewöhnlich", sagt Heimberger. Die drei Auspuffrohre des Motorrads sind fast kunstvoll gebogen. Da es auf Langstreckenrennen eingesetzt wurde, bei denen es auf schnelle Reifenwechsel ankam, wurde auch eine spezielle Radaufhängung gebaut, erläutert Heimberger. Die Räder seien mit nur einer Schraube befestigt.
Filme mit Originalsound und historische Fotos an den Wänden versetzen den Ausstellungsbesucher zusätzlich zurück in die Rennsportepoche zwischen 1960 und 1985.
Besonderes Trio als Ergänzung der Sonderausstellung
Ein ganz besonderes Trio der Motorrad-Geschichte ist im ersten Stock auf einer Sonderausstellungsfläche zu sehen. Zu den zwei "Megolas", die auch sonst im Zweirad-Museum zu sehen sind, gesellt sich dort nun ein Rennmodell. "So schließt sich der Bogen zur Ausstellung unten", verdeutlicht Museumsleiterin Walz.

Denn in die Epoche der Sonderausstellung passen die Maschinen nicht. Sie wurden in den 1020er Jahren gebaut. Das Rennmodell, das nun erstmals zu sehen ist, sei bei der ersten deutschen Straßenmeisterschaft 1924 am Start gewesen. Seit den 1960er Jahren galt es als verschollen und wurde vor ein paar Jahren wiedergefunden, sagt Walz. Ein Privatmann kaufte sie und stellt sie nun dem Museum zur Verfügung. "Für die Fachwelt sind diese drei Exponate etwas ganz besonderes", hebt die Museumschefin hervor.
Damit die Besucher auch zu Hause noch was von der Ausstellung haben, hat das Museumsteam neben dem digitalen Angebot eine Broschüre zur Sonderausstellung gefertigt. Darin sind alle Motorräder mit Bildern und technischen Details aufgelistet.
Hoffnung auf Besucher nach Corona-Lockerungen
Durch die Lockerungen der Corona-Regeln dürfen jetzt auch wieder Museen unter bestimmten Voraussetzungen öffnen. Im Deutschen Zweirad- und NSU-Museums gilt deshalb laut Natalie Walz nun Mundschutzpflicht. Zudem müssen die Besucher ihre Hände am Eingang desinfizieren, Laufwege sind markiert, und es ist eine Besucher-Obergrenze definiert.
Walz hofft nun, dass sich die Menschen in der Region auf die Ausflugsziele in der Nähe besinnen. Denn: "Jede Eintrittskarte ist wichtig." Neben den üblichen Öffnungszeiten hat das Museum auch an den kommenden Feiertagen immer von 10 bis 17 Uhr geöffnet.
Wer sich einen Vorgeschmack zur Ausstellung holen möchte, kann unter www.zweiradmuseum360.de einen virtuellen Rundgang machen.
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