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Bad Wimpfen

Photovoltaik in Bad Wimpfen: Zwischen Denkmalschutz und Nachhaltigkeit

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Sollen in der historischen Altstadt von Bad Wimpfen Solaranlagen auf Dächern möglich sein? Ein Konsens wird gesucht. Landeskonservator Martin Hahn zeigt mögliche Ansätze auf.

von Julia Haaga
Der Blick auf den mittelalterlichen Stadtkern Bad Wimpfens. Ist dieser Anblick bald Geschichte? Landeskonservator Dr. Martin Hahn: "Auch Häuser in denkmalgeschützten Gesamtanlagen können einen zusätzlichen Beitrag zur Energiewende leisten."
Der Blick auf den mittelalterlichen Stadtkern Bad Wimpfens. Ist dieser Anblick bald Geschichte? Landeskonservator Dr. Martin Hahn: "Auch Häuser in denkmalgeschützten Gesamtanlagen können einen zusätzlichen Beitrag zur Energiewende leisten."  Foto: Julia Haaga

Die romantische Stadtsilhouette, geprägt von mittelalterlichen Türmen und Fachwerkhäusern, ermöglicht in Bad Wimpfen den Blick auf die Vergangenheit. Gegenwärtig steht die Kurstadt mit ihren rund 7000 Einwohnern vor einer Grundsatzentscheidung: Es geht um das Thema Photovoltaik.

Denkmalschutz vs. Energiewende in Bad Wimpfen

Wie lässt sich die historische Verpflichtung gegenüber dem jahrhundertealten Städtchen mit den modernen Anforderungen der Energiewende vereinbaren? Darüber hatte Anfang der Woche der Technische Ausschuss des Gemeinderats getagt. Im konkreten Fall ging es um ein Gebäude innerhalb der denkmalgeschützten Lage in Bad Wimpfen im Tal, allerdings ohne denkmalgeschützte Eigenschaft.

Wenn sich die PV-Module nicht ganz in schwarz gestalteten, wäre das wünschenswert, stimmten die Mitglieder des Technischen Ausschusses Bürgermeister Andreas Zaffran zu. Der Denkmalrat hatte der Aufrüstung aller Gebäude mit Photovoltaik zugestimmt, die nicht vom blauen Turm aus sichtbar sind, erklärte Zaffran später auf Stimme-Anfrage.

Bad Wimpfen ist eine historische Stadt mit kulturellem Erbe

"Bad Wimpfen ist einer der hochwertigsten und anschaulichsten historischen Stadtkerne im Land, so dass hier besondere Rücksicht auf das kulturelle Erbe genommen werden muss", sagt Dr. Martin Hahn, Referatsleiter Inventarisation vom Landesamt für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart. "Im Zuge des Klimawandels ist der Ausbau regenerativer Energiequellen gefragt."

Es sei unbestritten, "dass Kulturdenkmale aufgrund ihrer grauen Energie, die im Bestand gebunden ist, allein durch ihren Erhalt gute Klimaschützer sind", so der Landeskonservator. Gleichwohl gelte es, in der Denkmalpflege liegende Potenziale zu heben, so dass auch Häuser in denkmalgeschützten Gesamtanlagen einen zusätzlichen Beitrag zur Energiewende leisten könnten.

Mit der Suche nach Alternativstandorten für PV-Anlagen außerhalb der Altstadt, dem Ausloten von unkritischen Dachflächen innerhalb und mit der Entwicklung denkmalverträglicher Solarziegel müsse man Strategien entwickeln, damit Denkmalschutz und Klimaschutz gemeinsam erfolgreich werden, so der Landeskonservator.

Bürgermeister Andreas Zaffran über die historische Verpflichtung Rothenburgs

Andreas Zaffran, Bürgermeister der Stadt Bad Wimpfen, bei einer Begehung des Blauen Turmes im April.
Fotos: Julia Haaga
Andreas Zaffran, Bürgermeister der Stadt Bad Wimpfen, bei einer Begehung des Blauen Turmes im April. Fotos: Julia Haaga  Foto: Julia Haaga

In den künftigen Ratssitzungen soll es nun darum gehen, einen Einklang zwischen baukulturellem Erbe und moderner Technologie zu finden. Es stelle sich nicht nur die Frage nach dem Nutzen sondern auch nach der Umsetzung, findet Andreas Zaffran. "Haben die alten Häuser überhaupt die Traglast für Photovoltaik?" hat der Bürgermeister Zweifel.

Er könne sich nicht vorstellen, "dass man eine PV-Anlage ad hoc aufs Dach bauen kann". Er stehe bereits mit anderen Städten mit ähnlichem Hintergrund im Gespräch wie Rothenburg ob der Tauber. Die mittelfränkische Kleinstadt hat eine weitgehend erhaltene mittelalterliche Altstadt.

Rothenburg, so Zaffran, verfolge seine historische Verpflichtung mit einem konsequenten "Nein" zu erneuerbarer Energie und Photovoltaik auf Fachwerkhäusern. "Ich halte diesen Weg für erstrebenswert", sagt Bad Wimpfens Bürgermeister mit Nachdruck. In Rothenburg habe man einen Weg gefunden, Altstadtbewohnern ohne Photovoltaik einen finanziellen Ausgleich zu schaffen.

Auch in Bad Wimpfen hält Zaffran das für möglich, beispielsweise mit einer Freiflächen-PV-Anlage. "Das Modell ist noch völlig offen", betont er. Jetzt gehe es darum, die Sichtweise des Landesamts für Denkmalpflege in die Gespräche mit einzubinden, "um hoffentlich im Laufe des Jahres einen Grundsatzbeschluss zu finden".

 
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