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Neckarsulm

Partnerschaft in Zeiten der Krise

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So funktioniert die Beziehung zwischen Neckarsulm und seiner Partnerstadt Grenchen in der Schweiz. Für Stadtpräsident Scheidegger ist der Solidaritäs-Gedanke in der Schweiz verankert.

François Scheidegger ist Stadtpräsident in Grenchen.
Foto: privat
François Scheidegger ist Stadtpräsident in Grenchen. Foto: privat  Foto: François Scheidegger

Wie wirkt sich die Corona-Pandemie auf die Partnerstädte aus? In loser Reihenfolge berichten wir darüber. Dieses Mal berichtet François Scheidegger. Er ist der sogenannte Stadtpräsident der Neckarsulmer Partnerstadt Grenchen in der Schweiz.

Was hat sich in der Corona-Krise in Bezug auf diese Partnerschaft grundlegend verändert?

François Scheidegger: In dieser Zeit waren wir alle stark mit uns selber beschäftigt, für die Pflege der Partnerschaft blieb wenig Raum. Von grundlegenden Veränderungen kann indessen nicht die Rede sein.

 

Corona verhindert die persönlichen Beziehungen zwischen den Menschen. Wie pflegen Sie in diesen Zeiten den Städte-Austausch?

Scheidegger: Dank moderner Medien kann die Kommunikation ja trotzdem stattfinden. Mit OB Steffen Hertwig hatte ich relativ regen Kontakt, wir haben auch telefoniert. So hielten wir uns regelmäßig über die aktuelle Lage in unseren beiden Städten auf dem Laufenden.

2020 gibt es Einschränkungen bei Kontakten und Reisen. Welche gemeinsamen Projekte und Begegnungen hatten Sie geplant?

Scheidegger: Auf der Agenda stand der Besuch des Ganzhornfestes. Im Gegenzug hätten wir unsere Neckarsulmer Freunde gerne zu unserem Grenchner Fest unter dem Motto "Back to the Fifties" eingeladen. Daraus wurde nun leider nichts, und die weitere Planung ist auf Eis gelegt. Umso mehr freue ich mich nun auf den privaten Besuch von OB Steffen Hertwig mit Gemahlin.

 

Von der Pandemie könnte man lernen, den interkulturellen Austausch zu stärken. Wie ist es um die Solidarität der Städtepartnerschaften bestellt?

Scheidegger: Die Pandemie traf uns unvorbereitet und stellte uns alle vor neue Herausforderungen. Dies könnte unter Umständen auch zu einer Stärkung der Zusammenarbeit beitragen und neue Perspektiven eröffnen. Die Schweiz ist traditionell stark vom Gedanken der Solidarität geprägt – wenn es darauf ankommt, kann man auf uns zählen.

 

Gibt es Projekte, mit denen Sie sich gegenseitig in diesen schwierigen Zeiten unterstützen?

Scheidegger: Stand heute haben sich keine gemeinsamen Projekte ergeben - was nicht ist, kann aber noch werden.

 

Haben Sie schon einen Plan für die Zusammenarbeit in der Zeit nach der Krise?

Scheidegger: Nein, dies scheint mir verfrüht. Es kommt nun sehr darauf an, wie sich die Situation in unseren Ländern weiterentwickelt.

 

Hierzulande hat sich die Lage in vielen Bereichen wieder normalisiert. Wie ist die Situation bei Ihnen?

Scheidegger: Die Situation in der Schweiz ist vergleichbar mit jener in Deutschland. In Grenchen hatten wir zwar einige Verdachtsfälle, jedoch nur wenige Erkrankungen. Großveranstaltungen bleiben verboten. Noch kaum absehbar sind die mittel- bis langfristigen Folgen für Gewerbe, Industrie und die öffentlichen Haushalte.

 

Mit welchen Herausforderungen hat sich Ihre Kommune in der Corona-Pandemie konfrontiert gesehen?

Scheidegger: Schon im Februar wurde ein Sonderstab Corona ins Leben gerufen mit dem Ziel, sich auf die bevorstehende Pandemie vorzubereiten, die wichtigsten kommunalen Handlungsfelder zu koordinieren und die nötigen Entscheide zu treffen. Die größte Herausforderung bildete zu Beginn die Sicherstellung eines Minimalbetriebes sowie die Beschaffung von ausreichend Hygienematerial.

 

Wie ist die Lage in den Schulen und Kindergärten?

Scheidegger: Die Schulen haben die schwierige Situation vorbildlich gemeistert, vor allem die Lehrerschaft hat großartige Arbeit geleistet. Dank Homeschooling und rigorosen Zugangsbeschränkungen zu den Schulanlagen hatten wir die Situation jederzeit im Griff. Ein wenig Sorgen bereitet mir der Schulbeginn am 10. August.

 

Wir haben Ferienzeit. Welche Rolle spielt der Tourismus in Ihrer Region?

Scheidegger: Grenchen ist sehr industriell geprägt, der Tourismus spielt bei uns deshalb eine untergeordnete Rolle.

 

Hätten Sie sich im Rückblick auf den Lockdown andere Vorgehensweisen Ihrer Regierung gewünscht?

Scheidegger: Insgesamt kann ich den Bundes- und Kantonsbehörden ein ausgezeichnetes Zeugnis ausstellen. Zu kritisieren sind allenfalls die manchmal zu kurzen Umsetzungsfristen. Ferner war es im Rahmen der Lockerungen recht anspruchsvoll, den Überblick zu bewahren.

 

Ist das normale Leben wieder zurückgekehrt?

Scheidegger: Der Alltag ist wieder eingekehrt, von Normalität kann indes keine Rede sein. So gelten weiterhin strikte Hygiene- und Distanzregeln und das öffentliche Leben unterliegt nach wie vor starken Einschränkungen. Zahlreiche Industriebetriebe arbeiten seit Wochen reduziert und werden einige Zeit brauchen, um sich zu erholen. In der Bevölkerung ist unvermindert eine Verunsicherung spürbar, und die Angst vor einer zweiten Welle geht um.

 

Zur Person:
François Scheidegger ist seit 2014 Stadtpräsident Grenchens. Der studierte Jurist praktizierte als Anwalt von 1992 bis 2002, bevor er für die FDP 2002-2009 als Stadtschreiber fungierte. Von 2009 bis 2013 war der 58-Jährige Amtsgerichtspräsident in Solothurn-Lebern.

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