Neckarsulm: Was denken die Bürger über die Innenstadt?
Für die Neckarsulmer Innenstadt gibt es viel Lob, aber auch Kritik und Anregungen. Gut weg kommt die Gastronomie, in Sachen Handel fehlt manchen etwas.

Bereits im vergangenen Jahr hat der Gemeinderat von Neckarsulm einen Zehn-Punkte-Plan zur Belebung der Innenstadt verabschiedet. Teil davon ist ein "Runder Tisch" mit verschiedenen Akteuren, nach dessen ersten Treffen nun das Projekt "Aufbruch Innenstadt Neckarsulm" steht, das im Herbst startet. Was halten eigentlich die Besucher von der City, was braucht es ihrer Meinung nach für mehr Leben? Die Heilbronner Stimme hat sich am Samstag auf dem Marktplatz umgehört.
Schöner als Heilbronn?
"Ich finde es hier viel schöner als in Heilbronn, ich gehe lieber nach Neckarsulm zum Einkaufen", erzählt Christa Schneider. Die Neckargartacherin lobt die kompakte Struktur mit zentralen Parkmöglichkeiten und das Angebot. Optiker, Drogeriemarkt, Bekleidungsgeschäfte und vieles mehr, alles nah beieinander. "Eigentlich fehlt hier auch nichts. Es gibt ausreichend Sitzmöglichkeiten, ein Eiscafé und das schöne Fleckchen unter den Bäumen", hebt sie weitere positive Merkmale hervor.
Der Wunsch nach mehr Kunst
Auch Jutta Klee kann nur Positives äußern. "Man gibt sich hier wirklich viel Mühe, es ist belebt, auch mit der Gastronomie und den Blumenkübeln. Einfach eine schöne Atmosphäre", lobt die Bad Wimpfenerin, die immer mal wieder in die Stadt kommt.
Als Künstlerin hat sie dennoch eine Anregung: "Es wäre schön, wenn es eine Möglichkeit geben würde, Kunst oder Kunsthandwerk, gerne auch kombiniert, zu präsentieren", meint Klee. Das müsse auch nicht gleich eine Galerie sein, aber vielleicht ein Raum mit Wechselausstellungen. Am besten an der Haupttrasse, nicht in den Nebengassen. "Ich habe die Erfahrung gemacht, dass die Kunst da einfach viel besser wahrgenommen wird." Viele regionale Künstler würden sich über eine solche Möglichkeit freuen, die auch belebt. "Es wäre aus städtischer Sicht absolut sinnvoll, so etwas zu integrieren."
Lob für viele Veranstaltungen
Emil Springer freut sich, dass in letzter Zeit so viele Veranstaltungen in der Stadt waren, auch wenn er sie selbst ob seines Alters nicht mehr immer besuchen kann. "In jungen Jahren war ich da überall dabei, als ich noch in der WG geschafft habe", erzählt der Obereisesheimer. Springer findet es zwar schade, dass so manche alten Häuser wie auch die Gaststätte Hitzfelder abgerissen werden, aber glücklicherweise gebe es noch ein paar Möglichkeiten, in Ruhe mal ein Bier zu trinken.
Lob für den Wochenmarkt - Kritik: zu viele Brillengeschäften
Sylvia Sexer liebt ihre Heimatstadt, doch für die Innenstadt hat sie nur wenig gute Worte. "Soll ich ehrlich sein? Leider ist sie tot, es fehlt an einem attraktiven Punkt", bedauert die Neckarsulmerin. Früher habe es hier alles gegeben; jetzt nichts mehr außer Brillen, Brillen und nochmals Brillen. "Das einzig wirklich positive ist der Markt mittwochs und samstags, da kann man einkaufen, aber sonst zieht einen hier nichts mehr hin."
Früher seien die Leute mit dem Bus ins Städtle gefahren, das passiere heute nicht mehr. Sexer fehlt zum Beispiel ein Laden für alltägliche Haushaltsdinge wie Messer oder auch Geschenke, die für einen bestellt werden wie früher beim Eisen-Heck. "Aber die geben sich hier rundum viel Mühe und halten unsere Stadt am Leben", findet sie doch noch lobende Worte.
Schönes Ambiente trotz fehlender Herrengeschäfte
Mirjam Feil fehlt ein Bekleidungsgeschäft, in dem man schön bummeln kann. "Das ist zwar alles schön hier, aber halt nicht der Diemer", bedauert die Untereisesheimerin die Schließung. Gerade für Herren gebe es nichts. Dafür sei die Gastronomie toll, die Anzahl der Optiker erstaunlich und auch das Ambiente sei wirklich sehr schön, vor allem bei "Donnerstags in die City".
Was ist der Runde Tisch?
Der Runde Tisch Innenstadt tagte erstmals am 21. Juni im Rahmen eines Strategie-Workshops. Beteiligt waren rund 25 Personen aus Einzelhandel, Gastronomie, Handwerk, Kultur, Tourismus, der Stadtverwaltung und der Kommunalpolitik. Als Ergebnis wurde eine große Projektplanung für die weiteren Schritte zur Umsetzung einer neuen Strategie für die Innenstadt und das Innenstadtmarketing erstellt.
Mit dem Projekt "Aufbruch Innenstadt Neckarsulm" sollen nun die notwendigen Details für ein neues Miteinander ausgearbeitet werden. Weitere Ziele umfassen ein Anreiz- und Verpflichtungssystem, um ein aktives Leerstandsmanagement aufbauen zu können sowie die Schaffung von Anreizen und Verpflichtung für mehr Qualität von Ladenlokalen.
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