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Möckmühl

Jedes Messer ist etwas Besonderes

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In den Schmiedekursen der Messermanufaktur Ulbrich wird nicht nur Stahl ausgepowert. Es steckt viel Persönliches in der schweißtreibenden Arbeit.

Andreas Ulbrich schmiedet Messer mit viel Muskelkraft. Durch die Hammerschläge verbindet sich weicher und harter Stahl und es entstehen für jedes Werkstück charakteristische Muster.
Andreas Ulbrich schmiedet Messer mit viel Muskelkraft. Durch die Hammerschläge verbindet sich weicher und harter Stahl und es entstehen für jedes Werkstück charakteristische Muster.  Foto: Frank Wittmer

Mit reichlich Kraft bewegt Andreas Ulbrich den schweren Vorschlaghammer. Die wuchtigen Schläge zwingen bis zu 1700 Lagen harten Werkzeugstahl und weichen Nickelstahl zusammen. Aus dem Block entwickelt sich dann wieder ein langes, dünnes Stück.

Der so gefertigte Damaszener Stahl lässt eine Struktur erkennen, die Ulbrich durch das Ätzen in Orangensaft noch deutlicher hervorhebt. "Die milde Säure schafft eine individuelle Patina." Der weichere Stahl wird dunkel, der härtere bleibt hell: So entsteht ein unvergleichbares Muster. Aber nicht nur wegen der Optik setzt Ulbrich auf verschiedene Stahlsorten. "Dadurch wird die Klinge elastisch, zäh und lange schnitthaltig."

 


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Handwerksarbeit als Therapie

Als "Rohstoff" nimmt der Messerschmied aus Möckmühl gerne bewährte Fundstücke. "Eine alte Huffeile hat schon viel mitgemacht." Oder Werkzeugstahl von der Agria, die schon Jahrzehnte auf dem Buckel hat: "Das ist ein guter Stahl, der sehr hochwertig ist."

 Foto: Frank Wittmer

Nicht nur die Zutaten sind von der Vergangenheit geprägt, auch der Schmied packt einiges an Lebenserfahrung in seine Arbeit: Durch seine Erlebnisse als Sanitäter, bei der Bundeswehr im Auslandseinsatz, leide er unter posttraumatischen Belastungsstörungen, und auch aus dem persönlichen Umfeld und durch eine Behinderung gebe es einiges, das ihn aus der Bahn geworfen habe.

Eigenes Messer "mit Schmerz, Blut und Schweiß" geschmiedet

Mit reiner Muskelkraft zwingt Andreas Ulbrich den Stahl zusammen. "Das Schmieden ist wie eine Therapie für mich. Ich schlage meine Wut in den Stahl, und heraus kommt Kunst." Nach verschiedenen Stationen hat Ulbrich seit zwei Jahren seine Werkstatt im Waagerner Tal in Möckmühl. "Ich habe einige Jahre gebraucht, um wieder auf die Beine zu kommen. Nun habe ich zum Glauben gefunden, der mich trägt und mir Kraft gibt."

 


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Diese Erfahrungen teilt "Kämpferherz" Ulbrich in seinen Schmiedekursen. "Ich sehe einem Menschen an, wer ausgepowert ist." Wer dann sein eigenes Messer "mit Schmerz, Blut und Schweiß" geschmiedet hat, dem sehe man "den Stolz in den Augen an".

Selbst etwas zu erschaffen, bringe einen Gewinn an Sicherheit und verändere die Persönlichkeit. "Ganz oft sind daraus schon Freundschaften entstanden."

Großvater war noch "richtiger Hofschmied"

Ein "Wink des Schicksals" war es auch, der ihn an die Schmiede-Esse geführt hat. Durch eine verlorene Wette musste er mit der mobilen Feuerstelle auf seinen ersten Mittelaltermarkt. "Da habe ich an einem Wochenende mehr verdient als in einem ganzen Monat im Krankenhaus."

Gelernt hat Andreas Ulbrich bei seinem Großvater Roman. "Der war noch ein richtiger Hofschmied." Schon als kleiner Junge hat Andreas Ulbrich beim Opa das Feilen und vieles mehr gelernt. Besser zu sein als sein großes Vorbild ist ihm in fast allen Bereichen nie gelungen. "Der konnte alles. Nur Messer hat er nie gemacht."

 


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Jedes seiner Stücke ist für Ulbrich ein Kunstwerk. Er steckt viel Liebe in seine Arbeit. "Ich will nicht behaupten: Meine Messer sind die besten. Aber ein salonfähiges Produkt ist es allemal."

Zwischen 300 und 2400 Euro kostet ein Messer. Die meisten seiner Stücke sind Auftragsarbeiten wie ein Wabenmesser für die Honigmanufaktur Züttlingen. Die lebenslange Garantie auf den Schliff ist mit ein Grund, warum Ulbrich nicht "anonym im Internet" verkaufen will. "Ich kenne meine Kunden."

Auch das Holz für den Griff wird sorgfältig ausgewählt: Oliveiche, Moor-Esche oder Kaukasische Nuss. "Die haben eine ganz besondere Haptik." Den künftigen Eigentümern sollen die Messer gut in der Hand liegen.

Andreas Ulbrich ist Kommandant des Ritterorden zu Jagsthausen und Berlichingen. "Das ist die Leibwache des Götz von Berlichingen", erklärt der Gründer des Vereins. Als Schmied bei den Burgfestspielen Jagsthausen hat Ulbrich die Faust des Bühnen-Götz gefertigt. Der Fachmann durfte daraufhin sogar die originale Eiserne Hand in Augenschein nehmen. "Die habe ich restauriert und gereinigt." Der komplizierte Mechanismus, mit dem sich die einzelnen Finger durch Federn aus Bi-Metall bewegen lassen, war durch ein falsches Schmiermittel blockiert gewesen.

 
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