Im Schlosshotel Götzenburg soll Kontinuität einziehen
Nach der schwierigen Übernahme vor einem Jahr soll im Schlosshotel Götzenburg jetzt alles besser laufen. Silke Versin-Hickel ist die neue Direktorin.

Es war ein Wechsel mit Haken und Ösen: Ein Jahr ist es her, dass Bernd Gutjahr das Schlosshotel Götzenburg in Jagsthausen von der vorherigen Pächterfamile übernommen hat.
Kein Übergabegespräch, Möbel mitgenommen, Personal vergrault, ärgerte sich der neue Geschäftsführer im Februar 2017. Der ehemalige Pächter sah es anders. Gutjahr habe nicht genug fürs Inventar zahlen wollen, auch die anderen Anschuldigungen seien aus der Luft gegriffen, hatte er damals gegenüber unserer Zeitung gesagt.
Dann wurde es erstmal still. Zwar lief der Hotelbetrieb weiter, das Restaurant jedoch blieb ausgerechnet während der Burgfestspiele geschlossen.
Seit Herbst ist das Restaurant wieder geöffnet
"Das war brutal", räumt Gutjahr heute ein. "Aber langsam kommen wir in die Hufe." Sprich: Seit Herbst ist die Gastronomie wieder geöffnet, es gibt zwei neue Köche. Seit zwei Wochen ist außerdem Silke Versin-Hickel Direktorin des Schlosshotels. Ihr Vorgänger Kaan Delibas hatte im Sommer die Segel gestrichen. Ein Interimsmanager hielt in den vergangenen Monaten die Stellung. Kehrt jetzt Kontinuität ein?

"Die Götzenburg ist ein kleines Haus, das aber große Arbeit macht, vor allem während der Festspiele. Das unterschätzt vielleicht mancher", versucht Gutjahr den Weggang des vorherigen Direktors zu erklären. Silke Versin-Hickel jedenfalls ist hochmotiviert. "Bei meinem Einstellungsgespräch habe ich gesagt: Ihr könnt alles mit mir machen - außer mich in die Küche stellen", erinnert sie sich. "Aber ich glaube, das lerne ich hier auch noch."
Das Schlosshotel sei ein Wellengeschäft. Entweder sei viel los und zu wenig Personal da. Oder es gebe weniger Andrang und einen Mitarbeiterüberhang. Das bedürfe besonderen Einsatzes. "Bei uns im Team macht zwar nicht jeder alles. Aber wir arbeiten fließend."
Auch sie selbst wolle sich nicht nur auf das Betriebswirtschaftliche konzentrieren und mit Geschäftsführer Gutjahr im Austausch stehen, dessen Firmensitz in Frankfurt ist. "Ich bin auch effektiv am Gast." Damit das gelingen kann, wohnt sie zunächst in der Burg. Mittlerweile sei aber auch eine Wohnung in der Umgebung gefunden, sagt sie.
Zum Essen, für Urlaube, Tagungen oder Hochzeiten

Vor dem Wechsel nach Jagsthausen hat die Westfälin unter anderem für die Marriott Hotels und Flemming's gearbeitet. Zuletzt war die gelernte Hotelfachfrau Direktorin im Eurostrand Resort, bekannt für Partyurlaube. "Das war nicht meine Richtung", erklärt sie rückblickend. Sie wolle Ruhe und Kontinuität ins Jagsthausener Schlosshotel bringen. "In der Region Heilbronn-Stuttgart soll sich herumsprechen: Wir gehen wieder gerne in die Götzenburg. Zum Essen, für Urlaube, Tagungen oder Hochzeiten", sagt Gutjahr.
Im Mittelpunkt stehe immer der einmalige, authentische, historische Charakter des Hauses. Im vergangenen Jahr habe es eine durchschnittliche Auslastung von 40 Prozent im Schlosshotel gegeben. "Aber das sagt ja alles oder nichts", weiß Gutjahr. "2017 war vor allem wegen des fehlenden Personals die Hölle. 2018 wollen wir jetzt durchstarten."
Hochzeiten sind komplizierter
Während der Saison können Gäste Arrangements mit Übernachtung, Theaterkarten und Drei-Gang-Festspielmenü buchen. Im Biergarten gibt es Getränke und Kleinigkeiten. Auf der Karte des Restaurants steht sommers wie winters "gehobene gutbürgerliche Küche". Es gibt heimische Weine, dazu zum Beispiel Zwiebelrostbraten mit Spätzle. Das Restaurant ist jeden Tag geöffnet, vom Frühstück übers Mittag- bis zum Abendessen. Tagungsgäste wählen zwischen drei Veranstaltungsräumen: vom "Pallas" mit 60 Quadratmetern bis zum Rittersaal mit 225.
Mit den Hochzeiten ist es komplizierter. "Die sind ein großes Thema in Jagsthausen", weiß Gutjahr. Doch während der Festspiele in der Burg schwer zu realisieren. "Nach den Proben ist Schluss, im August geht es wieder los", sagt der Geschäftsführer. "Sonst machen die hier Halleluja mit Band, während auf der Bühne der Götz stirbt."
Unternehmensstruktur
Die Schlosshotel Götzenburg Betriebs-GmbH, eine Tochtergesellschaft der Alemannia Unternehmensberatung, deren Chef Bernd Gutjahr ist, hat Hotel und Restaurant gepachtet. Dazu gehören noch zwei Themenhotels in der Vulkaneifel, mit denen Gutjahr die Götzenburg im Paket vermarktet - ein Krimihotel und das Augustiner Kloster in Hillesheim. Das Jagsthausener Schlosshotel hat 28 Zimmer. Besitzer ist die Familie von Berlichingen.
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