Historischer Bahnhof Kochendorf erwacht im Herbst zu neuem Leben
Im historischen Bahnhof in Kochendorf soll bald Gastronomie einziehen. Der Architekt, dem das Gebäude gehört, ist zuversichtlich, dass er die Sanierung bald abschließen kann. Mit möglichen Restaurant-Pächtern spricht er bereits.

Die Stille fasziniert: Sind die Fenster in den beiden oberen Etagen des historischen Bahnhofs in Bad Friedrichshall-Kochendorf geschlossen, hört man von der benachbarten Bundesstraße 27 so gut wie gar nichts mehr. Das Rauschen der Fahrzeuge wird zum Summen. Die Fenster hätten die Schallschutzklasse 4, sagt der Leingartener Marcus Dürrwang. "Viel besser geht es kaum."
Dem Architekten gehört das Gebäude, und die Sanierung biegt in die Zielgerade ein. Im September, so der Plan, ist alles fertig - dann soll es auch einen Pächter für die Gastronomie geben.
Im Keller wird Muschelkalk verarbeitet, sonst Sandstein

Noch mehr Überraschungen sind beim Rundgang durch das historische Gebäude zu erleben. Ist eigentlich Sandstein verbaut, kam beim Errichten des Kellers blau-schimmernder Muschelkalk zum Einsatz.
"Die Bahn hatte damals echt Geld", sagt Marcus Dürrwang über die Bauzeit um 1865. Diese Steine seien viel härter, die Bearbeitung sei viel schwerer als Sandstein, weiß er. Allerdings seien sie zugleich auch robuster.
Der Muschelkalk im Keller bleibt zu sehen, dafür verschwindet im Treppenhaus die einstige Bauweise wieder hinter Putz - wegen des Brandschutzes. Gern würde Marcus Dürrwang das Fachwerk, das mit Steinen verfüllt ist, der Nachwelt zugänglich lassen. "Das ist etwas Besonderes", betont er. "Das zu zeigen, wäre interessant." Zu sehen bleiben aber im Treppenhaus hinauf zu den Gästezimmern die besonderen, unter Denkmalschutz stehenden Türrahmen, die spielerisch mit Streben aufgelockert sind. Marcus Dürrwang greift das Motiv auf und nutzt es auf der massiven Brandschutztür.
Der Bahnhof hat schon zwei Erweiterungen erlebt
Ein einheitliches Erscheinungsbild im Inneren, klare Kontraste außen: Das Bahnhofsgebäude wurde in den vergangenen eineinhalb Jahrhunderten schon zwei Mal erweitert, der Leingartener setzt eine weitere Ergänzung hinzu. Allerdings hat er sich für eine komplette Verglasung entschieden. "Ich wollte keinen Fremdkörper machen", betont er. Es sollte nichts Massives angebaut werden - "drangeklebt werden", wie der Architekt es nennt. Gäste dürfte das freuen: Dieser Anbau ordnet sich dem historischen Gebäudeensemble unter.

Der Bahnhof soll zum Besuchermagneten werden, denn ins Erdgeschoss kommt eine Gastronomie. Bis zu 70 Gäste können innen Platz finden, im Außenbereich ist Raum für weitere 60. Besucher erleben Geschichte in mehrfacher Hinsicht: Sie blicken auf historische Gebäude des benachbarten Salzbergwerks. Im Gastraum selbst bleibt eine denkmalgeschützte, gusseiserne Säule als "zentrales Element" stehen. Außerdem sind weiterhin Sandsteinwände zu sehen.
Das war Marcus Dürrwang wichtig, damit man ein Gefühl des historischen Gebäudes habe. Wie viel er insgesamt investiert, will er nicht sagen. Nur so viel verrät er: Die Sandstein-Arbeiten hätten 100.000 Euro gekostet.
Die Stadt und der Gemeinderat stehen hinter dem Nutzungskonzept
Der Leingartener hat mit seinem Nutzungskonzept die Stadtverwaltung und den Gemeinderat hinter sich gebracht, denn am Ende eines Wettbewerbs ging das Anwesen an ihn. Der Vertrauensvorschuss ist für ihn Verpflichtung zugleich. "Da stehe ich in der Verantwortung." In den beiden oberen Etagen des historischen Anwesens sind zehn Gästezimmer mit Gemeinschaftsräumen eingerichtet, die vermietet werden.
Für den Gastrobereich sucht der Leingartener noch einen Restaurantbetreiber - nicht jeder x-beliebige darf kommen. Die Richtung ist für den Eigentümer klar: Gehobene bis Sterneküche soll es werden. Gespräche führt er mit Interessenten, entschieden ist noch nichts. "Ziel ist, dass ich im September fertig bin."
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