Gundelsheims Bürgermeisterin Heike Schokatz vor der Wahl: "Ich bevorzuge das offene Visier"
Wenige Tage vor der Bürgermeisterwahl (23. April 2023) planen Unbekannte, in anonymen Mails auf die Wahl von Alleinkandidatin Heike Schokatz Einfluss zu nehmen. Aus Sicht der amtierenden Bürgermeisterin ist die Stadt entgegen der Vorwürfe nicht gespalten.

Auf dem Weg vom Rathaus zum Michaelsberg, beliebter Aussichtspunkt Gundelsheims, wird Bürgermeisterin Heike Schokatz mehrfach angehalten. Sie winkt, grüßt, steigt einmal aus dem Auto aus. Auf den Michaelsberg komme sie manchmal, um den Kopf freizubekommen oder den Ausblick zu genießen. Gundelsheim sei einfach ihre Stadt. Hier geht Heike Schokatz ins Schwimmbad und zum Friseur. Und die Stadt geht am Sonntag wählen. Heute, wenige Tage vor der Bürgermeisterwahl in Gundelsheim, zieht sie hier oben Zwischenbilanz.
Sie kandidieren erneut. Was ist Ihnen wichtig?
Heike Schokatz: Den eingeschlagenen Weg weiterzugehen und Gundelsheim für die Zukunft gut aufzustellen. Dafür bedarf es Kompetenz, Erfahrung und frischer Ideen. Klar ist, dass wir die Bürgerinnen und Bürger in Entscheidungsprozesse einbinden und für weitgehende Transparenz sorgen müssen. Eine funktionierende Bürgergesellschaft und gelebte Solidarität sind mir sehr wichtig. Ich habe zwei Amtszeiten mit aller Kraft für unsere Stadt gearbeitet. Voller Elan und Innovationsbereitschaft möchte ich das eine weitere Amtszeit tun.
In Gundelsheim gibt es Kritik. Manche sagen, 16 Jahre seien genug. Was treibt Sie an?
Schokatz: Ich kenne natürlich das Plakat und die anonymen E-Mails, auf die Sie anspielen. Ob das ein passender Stil für eine Bürgermeisterwahl ist, muss jeder für sich entscheiden. Aus meiner Sicht ist die Stadt nicht gespalten, es gibt unterschiedliche kommunalpolitische Interessen. Das ist überall so. Ich bevorzuge ehrliche Diskussionen und das offene Visier.
Was macht einen guten Wahlkampf aus?
Schokatz: Ich war viel unterwegs, um die Bürgerinnen und Bürger über die Ideen für die kommenden Jahre zu informieren - habe Prospekte selbst verteilt. Damit wollte ich zeigen, dass mir die Meinung der Menschen wichtig ist. Denn es sind die Gundelsheimer, für die wir arbeiten. Das gilt für mich, für die Verwaltung und für den Gemeinderat. Über die Arbeit einer Bürgermeisterin entscheidet im Übrigen nicht der Wahlkampf, sondern die Bilanz der zurückliegenden Amtszeit in Verbindung mit den Ideen für die Zukunft.
2015 entschieden Sie die Wahl mit knapper Mehrheit. Das Verwaltungsgericht entschied, dass die Wahl nicht wiederholt werden muss. Es wurde deutlich, dass Teile der Wahlhelfer und der Stadtverwaltung formale Fehler begangen haben.
Schokatz: Die Wahl 2015 haben wir aufgearbeitet und sichergestellt, dass jetzt alles glatt läuft.
Worauf stellen Sie sich bei der kommenden Wahl ein?
Schokatz: Die Gundelsheimer werden am Sonntag darüber entscheiden, ob sie mich als Mensch und als erfahrene Fachfrau weitere acht Jahre an der Spitze der Stadt sehen wollen. Ich habe für die kommenden acht Jahren viel vor, und gemeinsam werden wir auch vieles erreichen. Kommunalpolitik heißt für mich, dass eine starke Bürgermeisterin in der Diskussion mit einem starken Gemeinderat die besten Lösungen für die Stadt sucht.
Was konnten Sie in den vergangenen 16 Jahren erreichen?
Schokatz: Gemeinsam haben Gemeinderat und Stadtverwaltung viele für die Stadtentwicklung wichtige Projekte umgesetzt, beispielsweise den neuen B27-Anschluss oder den Ausbau von Bildung und Betreuung.
Was hätte anders laufen können?
Schokatz: Es hätte mich gefreut, wenn die Mehrheit des Gemeinderats meinem Antrag gefolgt wäre und einem Bürgerentscheid zur Steinbruch-Erweiterung zugestimmt hätte. Ich bin nach wie vor der Überzeugung, dass ein Thema dieser Tragweite für einen Bürgerentscheid geeignet war.
Wofür setzen Sie Ihre Energie künftig ein?
Schokatz: Unter anderem für die Themen Bildung und Betreuung. Gundelsheim soll noch familienfreundlicher werden. Daher plane ich, das Familienbüro mit Caritas und Landkreis weiterzuentwickeln, um weitere Angebote für Kinder, Jugendliche, Eltern und Senioren zu schaffen. Gesellschaftliche Gruppen wie Feuerwehr und Vereine leisten einen unverzichtbaren Dienst für unser Gemeinwesen. Dies müssen wir fördern und unterstützen. Wir brauchen rasch ein Klimaschutzkonzept, das uns hilft, Umwelt und Natur zu schützen, regenerative Energien auszubauen und Energie einzusparen. Im Rahmen unserer finanziellen Möglichkeiten möchte ich außerdem unsere Straßen und Wege sanieren, die E-Mobilität voranbringen und prüfen, ob wir einen Bürgerbus initiieren können.
Vor welchen Herausforderungen steht die Stadt?
Schokatz: Wir müssen das Stadtentwicklungskonzept fortschreiben. Fragen der Zukunft wie Klimaschutz, Nachhaltigkeit, Transformation, Finanzen, Krisenbewältigung oder Demographie möchte ich über einen Bürgerbeteiligungsprozess gemeinsam mit dem Gemeinderat anpacken.
Das ist den Bürgern der Stadt Gundelsheim besonders wichtig
Gemäß einer Umfrage der Stadt Gundelsheim nach den Prioritäten der Bürger rangieren auf den vorderen Plätzen die Themen Sanierung von Straßen, Plätzen und Wegen, Ansiedlung von Einzelhandel und der Hochwasserschutz. Anlässlich ihres Wahlkampfs hatte Alleinkandidatin Heike Schokatz die Bürger dazu aufgerufen, über wichtige Themen abzustimmen. Kommenden Sonntag, 23. April wird in Gundelsheim von 8 bis 18 Uhr der Bürgermeister gewählt.
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