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Erlenbach

Die geplante "Vinosphäre" in Erlenbach hat Vorzeigecharakter

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Die Gemeinde will Grundlagen schaffen für die Erweiterung des Weinguts Martin Schropp und der Josef-Schwarz-Schule. Deshalb wurde jetzt der Aufstellungsbeschluss für ein Bebauungsplanverfahren gefasst.

Im Vordergrund die Erweiterungsfläche des Erlenbacher Weinguts Martin Schropp. Der Stammsitz, das Anwesen hinter den parkenden Autos, bleibt bestehen. Das helle Gebäude rechts gehört zur Josef-Schwarz-Schule. Davor ist deren Erweiterungsfläche. Beide Vorhaben sind in einem Bebauungsplanverfahren vereint, das der Gemeinderat jetzt angestoßen hat.
Foto: Mario Berger
Im Vordergrund die Erweiterungsfläche des Erlenbacher Weinguts Martin Schropp. Der Stammsitz, das Anwesen hinter den parkenden Autos, bleibt bestehen. Das helle Gebäude rechts gehört zur Josef-Schwarz-Schule. Davor ist deren Erweiterungsfläche. Beide Vorhaben sind in einem Bebauungsplanverfahren vereint, das der Gemeinderat jetzt angestoßen hat. Foto: Mario Berger  Foto: Berger, Mario

Von einem "Leuchtturmprojekt" spricht Erlenbachs Bürgermeister Uwe Mosthaf. "Das ist sehr wichtig für uns als Weinort." Die Rede ist vom Weingut Martin Schropp, das unter dem Motto "Vinosphäre" Großes vorhat. Im Anschluss an den jetzigen Betrieb sind mehrere moderne Gebäude geplant. Sie gruppieren sich um einen Platz, der wie ein Amphitheater aussieht. Laut Juniorchef Felix Schropp ist das Vorhaben in dieser Dimension etwas Besonderes in der Region. Der Gemeinderat hat dafür nun ein Bebauungsplanverfahren in Gang gesetzt - aber nicht nur dafür. Auch der Erweiterung der Josef-Schwarz-Schule in unmittelbarer Nachbarschaft zum Weingut soll der Weg geebnet werden.

Ein Erlebnis drumherum stricken

"Es reicht nicht mehr, den Wein nur zu verkaufen. Man muss ein Erlebnis drumherum stricken." Weinverkauf mit Eventcharakter, mit dem gewissen Etwas - darum geht es für Felix Schropp bei dem Projekt, das er am Tag nach dem Aufstellungsbeschluss des Gemeinderats für das Planverfahren "Straßenäcker/Rainäcker" der Heilbronner Stimme vorstellt. Es soll den Familienbetrieb zukunftsfähig machen und dem Juniorchef - er ist die vierte Wengerter-Generation - eine Perspektive bieten. Ideen spuken ihm und Vater Martin, der Gemeinderat ist und deshalb beim Ratsbeschluss als befangen vom Tisch abrücken musste, schon seit ein paar Jahren im Kopf herum. Jetzt sind sie konkret.

Mehrere Gebäude gruppieren sich um einen runden Platz

Der Entwurf des österreichischen Architekturbüros Spitzbart und Partners für das Weingut mit etwa 13 Hektar Rebfläche sieht einen runden Platz mit Sitzstufen vor. Mit Blick auf den Sommerberg seien hier Veranstaltungen möglich, erläutert der 27 Jahre alte Juniorchef. Drumherum gruppieren sich mehrere Gebäude: eines für Gästezimmer ("Die Zahl ist noch unklar"), eines für den Verkauf ("etwa 100 Quadratmeter"), eines für die Traubenannahme, ein langgezogener Keller und schließlich ein Gebäude für Gastronomie. Diese wollen die Schropps selbst betreiben. Ihre Besenwirtschaft am bestehenden Betrieb auf der anderen Seite des asphaltierten Feldwegs haben sie bekanntlich seit ein paar Jahren als "Schnitzelhof" verpachtet. Ihn soll es auch weiterhin geben.

Die Fläche für das Erweiterungsvorhaben, die wegen der gastronomischen Nutzung als Sondergebiet ausgewiesen wird, gehört der Familie. Wie viel investiert sie in das Großvorhaben? Felix Schropp schweigt. Doch selbst für Laien ist leicht zu erahnen, dass ein solches Projekt mehrere Millionen Euro verschlingt. Wird ihm nicht bange angesichts der Dimension der "Vinosphäre"? Felix Schropp überlegt: "Man nähert sich der Aufgabe mit Respekt." Wenn es im Bebauungsplanverfahren keine Stolpersteine gibt, könnte "in etwa einem Jahr" Baustart sein, sagt der Winzer. Eineinhalb Jahre lang würde gebaut.

Noch in der Planungsphase

So konkret ist man einige Meter unterhalb nicht. "Wir sind noch in der Planungsphase", sagt Thomas Frenzel, Geschäftsführer von Phorms Baden-Württemberg. Phorms ist der Träger der Josef-Schwarz-Schule auf Erlenbacher Markung, die es seit 2012 gibt und an der bilingual errichtet wird. Zurzeit besuchen laut Thomas Frenzel etwa 500 Jungen und Mädchen von Klasse 1 bis Klasse 8 die private Bildungseinrichtung. 2022 sind die ersten in der gymnasialen Oberstufe angelangt. Für sie wäre die Erweiterung gedacht. Weil die Nachfrage so groß ist, startet die Josef-Schwarz-Schule, wie berichtet, im September 2020 auch in Heilbronn mit drei ersten Klassen.

Da die potenzielle Erweiterungsfläche in Erlenbach an eine Grünzäsur angrenzt - diese markiert das Ende einer möglichen Bebauung - sei der Rand des Gebietes an dieser Stelle "in viel Grün eingefasst", erläuterte Matthias Hofmann vom Büro Käser Ingenieure aus Untergruppenbach, das den Vorentwurf des Bebauungsplans erarbeitet hat.

Wegen Zufahrt mus L1101 umgestaltet werden

Teil des Plans ist auch die Zufahrt über den bestehenden Asphaltweg, der von der Landesstraße abzweigt. Weil befürchtet wird, dass diese Anbindung zum Unfallschwerpunkt werden könnte, muss die L1101 umgestaltet werden: Die direkte Zufahrt soll nur aus Richtung Neckarsulm möglich sein. Wer das Gebiet auf dem Weg verlässt, kann ebenfalls nur nach rechts abbiegen.

Historisches - und wie es weitergeht

Die Fläche zwischen dem Gewerbegebiet "Straßenäcker" und dem Weingut Martin Schropp ist in den vergangenen Jahren mehrfach überplant und bebaut worden. Den Start machte einst die "Schatzinsel", eine Betriebs-Kita der Schwarz-Gruppe. Zugleich ist deren Erweiterung um ein viertes Gebäude der jüngste Bau (2018). Die Josef-Schwarz-Schule startete 2012. Zudem gab es schon mehrere Überlegungen zur Erweiterung des Weingutes. Nachdem der Gemeinderat jetzt bei drei Gegenstimmen den Aufstellungsbeschluss für den Bebauungsplan "Straßenäcker/Rainäcker" gefasst hat, folgen die üblichen Verfahrensschritte. So können Behörden und Bürger ihre Meinung dazu sagen. Darüber wird dann wiederum im Gemeinderat diskutiert. Parallel ist der Flächennutzungsplan zu ändern. Bürgervertreter Uwe Bühler (FWV) betont: "Ich bin nicht gegen das, was Martin Schropp vorhat." Aber die Schule dehne sich "scheibchenweise immer mehr" aus.

So sieht der Entwurf für das aus, was das Weingut Martin Schropp vorhat. Alles gruppiert sich um einen runden Platz mit Sitzstufen.
Entwurf: Spitzbart und Partners
So sieht der Entwurf für das aus, was das Weingut Martin Schropp vorhat. Alles gruppiert sich um einen runden Platz mit Sitzstufen. Entwurf: Spitzbart und Partners
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