Bühnenbilder malen mit dem Besenstiel
Der Künstler Nik Golder malt für die Wimpfener Faschingsgesellschaft die Bühnenbilder. Besenstiele sind dabei besonders wichtig.

Sechs Bühnenbilder, 24 Quadratmeter groß, 3,7 auf sechs Meter, sowie ein Märchenbuch mit zehn Seiten, zwei Meter hoch: "Das war eine Heidenarbeit", sagt Nik Golder, Künstler mit eigenem Atelier im Marktrain 15 in Bad Wimpfen. Seit fünf Jahren malt der 59-Jährige die Kulissen für die Prunksitzungen der Wimpfener Faschingsgesellschaft (WfG). "Ich bin ein skurriler Mensch mit skurrilem Humor. Das passt gut."
Golder skizziert mit dem Edding
Seine Skizzen fertigt er mit dickem Stift, etwa mit Edding, auf seinen zwei rollbaren Staffeleien. "Ich brauche dafür einen kräftigen Stift, wesentlich heftiger als ein Bleistift."
Dann folgt der schwierigere Teil. Das 24 Quadratmeter große Bühnenbild aus besonders dickem Papier liegt auf dem Boden seines zweiten Ateliers im Haus Fernblick, unweit des Kursaals. Weil es zu anstrengend ist, es auf den Knien zu bemalen, hat sich Golder etwas einfallen lassen. An Teleskop-Besenstielen befestigt er seine Stifte oder Pinsel. Damit kann er sowohl zeichnen, als auch malen. Der Vorteil: Der Abstand, den er zum Bild hat, lässt ihn dessen Wirkung auf der Bühne besser erahnen.
Auf den Knien zu malen ist zu anstrengend
"Mein Vorgänger Jürgen Dopp hat auf den Knien gemalt, aber das ist sehr unbequem, langsamer und man hat keinen Überblick." Weil er es vermeidet, mit den Füßen auf sein Werk zu treten, muss er das Bild auch noch von oben nach unten erarbeiten. Denn selbst die saubersten Pantoffel-Sohlen hinterlassen Abdrücke, wenn er mit ihnen über die getrocknete Acrylfarbe läuft.
Helfer hat er bei seiner Arbeit normalerweise nicht. Ausnahme: Die Idee, dieses Jahr ein Märchenbuch in die Show zu integrieren, kam so kurzfristig, dass Uwe Knobloch, Mitglied des Programm-Teams, mit Hand anlegen musste. "Er hat mir die Untermalung gemacht. Das war völliger Ausnahmezustand."
Überhaupt ist Uwe Knobloch sein wichtigster Ansprechpartner bei der WfG. "Wenn zu viele Menschen ihre Ideen einbringen, ist das nicht umsetzbar. Aber wir zwei, wir ticken gleich. Er liefert mir die Themen und redet, und ich mach parallel schon Kritzeleien."
Nach den Shows gehen "die Werke hops"
Immer wieder ist er überrascht, was da alles an Motiven auf ihn zukommt, von orientalischen Basaren bis zu James Bond, von der Queen bis zum bösen Wolf. Nach der letzten Prunksitzung ereilt die Werke allerdings ein trauriges Schicksal. "Die gehen hops", sagt Golder achselzuckend. "So lange sie für die Shows auf großen, schweren Metallrollen aufgerollt sind, passiert ihnen nichts. Aber wenn sie abgenommen werden, bekommen sie Falten und sind so sperrig und riesig, dass man sie nirgends aufbewahren kann."
Obwohl die Faschingszeit jetzt erst richtig Fahrt aufnimmt, sind für Nik Golder die WfG-Aufträge erstmal erledigt, und er kann sich anderen, lieb gewonnenen Projekten widmen. Seinem Landsknecht-Buch, dem Unterrichten seiner rund 40 Schüler und der Bildhauerei in seinem Lapidarium. "Ich klopfe die Steine wahnsinnig gern", sagt der Mann, der sich selbst als "total geschichtsbesessen" bezeichnet.
"In dem Sinn bin ich ein sehr glücklicher Mensch, weil mir die Arbeit Spaß macht." Kreativ zu sein, ist ihm ein Leichtes. "Das mag unpoetisch klingen, aber bei mir kommt die Inspiration auf Befehl. Ich sitze nicht depressiv zu Hause, bis mich die Muse küsst."
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