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Autofahrer Nutzen

Verbotene Wege durch Wald und Weinberg

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Autofahrer nutzen häufig illegale Routen, vor allem zum Arbeitsplatz − Ordnungsämter und Polizei kontrollieren

Von unserem Redakteur Alexander Klug
Der Friedrichshaller Riedweg ist beliebt − und teils verboten.Foto: Alexander Klug
Der Friedrichshaller Riedweg ist beliebt − und teils verboten.Foto: Alexander Klug

Morgens und abends das gleiche Ritual: Tausende Angestellte machen sich auf den Weg zu ihren Arbeitsplätzen, auf Autobahnen, Straßen, an Kreuzungen und Kreisverkehren stauen sich Autos. Mancher meint, einen Ausweg gefunden zu haben: Auf zahlreichen Schleichwegen versuchen Autofahrer, dem Stau zu entgehen − meistens unerlaubt: Die Zufahrt zu Feldwegen ist in der Regel dem landwirtschaftlichen Verkehr vorbehalten.

So auch die Abzweigung von der Landesstraße zwischen Neckarsulm und Neuenstadt Richtung Süden. Ein Feldweg führt über den Berg durch die Weinberge, vorbei am Aquatoll bis zum Gewerbegebiet Stiftsberg. "Vor allem zwischen halb 7 und halb 9 Uhr morgens ist dort einiges los", sagt Steffen Knapp vom Neckarsulmer Ordnungsamt. Abwechselnd mit der Polizei kontrollieren er und seine Kollegen die Route, zirka drei Mal im Monat. "Die Reaktionen reichen von ,Ich muss dringend aufs Klo’ über ,Habt ihr nichts anderes zu tun?’ bis zum Kind, das man dringend abholen muss", erzählt er. Hilft aber nichts: Bezahlen und den Wagen wenden heißt die Devise. "Vielen scheint die Umfahrung des Staus das Geld wert", ergänzt Amtsleiter Bernd Pfitzenmaier. Die Landesstraße sei oft überlastet, "vor allem, wenn auf der Autobahn Stau ist. Und das kommt nicht gerade selten vor."

An Wald und Weinreben vorbei führt die unerlaubte Route zwischen Landesstraße nach Neuenstadt und Neckarsulmer Gewerbegebiet Stiftsberg.Foto: Matthias Bitsch
An Wald und Weinreben vorbei führt die unerlaubte Route zwischen Landesstraße nach Neuenstadt und Neckarsulmer Gewerbegebiet Stiftsberg.Foto: Matthias Bitsch

Dorn im Auge

"Bekannt und beliebt" sei er, der Riedweg, weiß ein Bad Friedrichshaller Polizist. Der Weg führt im Südosten von Kochendorf Richtung einiger Aussiedlerhöfe − und verspricht eine Abkürzung. Wer zu den Höfen will, darf passieren, für alle anderen ist die Durchfahrt über den Merzenbach verboten. "Den Anwohnern ist die Situation ein Dorn im Auge, wir kontrollieren dort immer wieder", sagt Bürgermeister Timo Frey. Vor allem, wenn auf der B 27 Stau ist, würden viele versuchen, so Zeit zu sparen. "Ich glaube aber nicht, dass das etwas bringt", sagt der Bürgermeister.

Wenn der Verkehr auf den Straßen normal fließe, gebe es keinen Grund, von Bad Wimpfen über Feldwege Richtung Unter- oder Obereisesheim oder Biberach zu fahren. "Das lohnt sich nicht", sagt der Bad Wimpfener Ordnungsamtsleiter Jochen Großkopf. Anders sieht es aus, wenn zentrale Straßen oder Kreuzungen gesperrt sind − zuletzt nicht gerade eine Seltenheit. "Ist eine Route blockiert, suchen sich die Autofahrer neue Wege. Das ist wie mit Wasser", sagt der Amtsleiter.

Auch in Heilbronn suchen sich Autofahrer manch verbotenen Weg − zum Beispiel eine Feldweg-Verbindung von der B 39 (zwischen Abzweig Böllinger Höfe und Frankenbach) und Neckargartach. "Schleichverkehr gibt es nicht nur in Neckargartach, sondern aufgrund der zunehmenden Verkehrsdichte auch in anderen Stadtteilen", schreibt ein Stadtsprecher. Die Stadt kontrolliere, so es personell möglich ist, an neuralgischen Punkten mindestens einmal im Monat.

Über diesen Weg erreichen Autofahrer illegal die A 81 bei Widdern.Foto: Landauer
Über diesen Weg erreichen Autofahrer illegal die A 81 bei Widdern.Foto: Landauer

Schneller zur A81

Nördlich der imposanten Brücke bei Widdern, über die die A 81 das Jagsttal überquert, liegt der gleichnamige Rasthof − auf beiden Seiten der Autobahn stehen Sprit, Schnitzel und Toiletten bereit. Asphaltierte Wege führen aus dem Tal hinauf zu den Parkplätzen der Rasthöfe. "Ich habe davon gehört, dass Autofahrer die Wege benutzen, um auf die Autobahn zu fahren", sagt Widderns Bürgermeister Jürgen Olma. Sie seien gut ausgebaut, würden von Rettungskräften bei Unfällen auf der Autobahn genutzt. "Das macht es offensichtlich für manche verlockend." Aber nicht jeder, der dort fährt, dürfe das nicht, ergänzt er: Seit den 1960er Jahren gebe es dort Aussiedlerhöfe − wer dort hin will, darf das natürlich. Wer aber trotz Verbot fährt, muss mit Kontrollen der Autobahnpolizei rechnen. "Es fahren dort regelmäßig Autofahrer von der oder auf die Autobahn", bestätigt Polizeisprecher Rainer Köller. Genaue Zahlen gebe es aber nicht.

Auch in Leingarten wird verboten abgekürzt. Zum Beispiel weiß Bürgermeister Ralf Steinbrenner von einer Feldweg-Route zwischen Wohngebiet Eichbott ob der Mühle und Sportheim "Paradies". "Da spart sich mancher den Weg durch den Ort", sagt der Bürgermeister. Das Ordnungsamt weiß noch mehr: Vom Kreisverkehr im Osten erreicht man über die Felder Böckingen, vor allem bei geschlossener Stadtbahn-Schranke und Stau eine beliebte Route. Die Wahrscheinlichkeit, erwischt zu werden, ist nicht ganz klein: Zwei drei Mal in der Woche kontrollieren Gemeindeangestellten die Routen.

 

 

 
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