Landkreis Heilbronn investiert in die ärztliche Versorgung
Mit der Vergabe von Stipendien will der Landkreis Heilbronn angehende Mediziner an die Region binden und dem zunehmenden Mangel an Landärzten entgegenwirken. Jetzt gibt es eine erste Stipendiatin.

Um junge engagierte Mediziner für eine allgemein- oder fachärztliche Tätigkeit im Landkreis Heilbronn zu gewinnen und damit die ärztliche Versorgung in der Region auch längerfristig sicherzustellen, hat der Kreistag im vergangenen Jahr beschlossen, jährlich bis zu vier Stipendien an Medizinstudierende zu vergeben. Jetzt hat Landrat Norbert Heuser mit Thedora Aras die erste Stipendiatin begrüßt. Mit der gegenseitigen Vereinbarung verpflichtet sich die 23-Jährige, auch nach dem Abschluss ihrer Ausbildung in der Region beruflich tätig zu werden.
Auf 1812 Landkreiseinwohner kommt ein Hausarzt
Denn was die ärztliche Versorgung betrifft, sieht die Zukunft auch im Landkreis Heilbronn nicht allzu rosig aus. Im vergangenen Jahr lag die Versorgungsdichte nach Angaben des Landesgesundheitsamts Baden-Württemberg bei 1812 Einwohnern je Hausarzt. 2020 lag diese Zahl noch bei 1631 Einwohnern, seither steigt sie kontinuierlich. Ein grundliegendes Problem ist dabei auch das hohe Durchschnittsalter der niedergelassenen Hausärzte. In wenigen Jahren ist deshalb eine deutliche Unterversorgung zu erwarten.
Schließlich ist von den 195 im Landkreis Heilbronn tätigen Hausärzten ein gutes Drittel bereits jetzt über 60 Jahre alt, 18 Prozent sind älter als 65, wie aus dem Versorgungsbericht der Kassenärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg (KVBW) hervorgeht,. Bei den Kinder- und Jugendärzten liegt der Versorgungsgrad im Landkreis derzeit bei knapp 110 Prozent, hier kommen auf jeden Arzt 2387 Kinder und Jugendliche. Stand Juli dieses Jahres sieht die Bedarfsplanung der KVBW für den Landkreis Heilbronn offene Sitze vor allem für Psychotherapeuten, HNO-Ärzte, Frauenärzte, Nervenärzte sowie Kinder- und Jugendärzte vor.
Monatliche Finanzspritze von 500 Euro
"Der Hausarztmangel ist eines der großen Themen", ist Landrat Norbert Heuser überzeugt. Die Ausschreibung der Stipendien sei ein kleiner Baustein, um hier effektiv gegenzusteuern. Es greift Medizinstudenten bis zu vier Jahre lang monatlich mit 500 Euro unter die Arme. Dafür hat der Kreis ein Budget von 100.000 Euro im Haushalt vorgesehen.
"Wir unterstützen sie darüber hinaus etwa bei der Vernetzung mit Akteuren im medizinischen Bereich sowie bei Fragen rund um den Alltag", ergänzt Tanja Göbel vom Gesundheitsamt des Landkreises. Im Gegenzug verpflichten sich die Stipendiaten, Teile ihrer Famulatur, des Praktischen Jahres sowie ihrer fachärztlichen Weiterbildung in der Region zu absolvieren. Auch nach Abschluss der Weiterbildung ist eine Tätigkeit im Landkreis vorgesehen – etwa im Rahmen der vertragsärztlichen Versorgung, in einem Akut-Krankenhaus oder im Gesundheitsamt.
Aus München zurück in die Region
Für Thedora Aras passt das perfekt: Die gebürtige Heilbronnerin, die bereits Auslandserfahrung als Famulantin in Thailand gesammelt hat und derzeit im neunten Semester Humanmedizin an der Ludwig-Maximilians-Universität in München studiert, ist fest entschlossen, nach dem Studium in ihre Heimatregion zurückzukehren. Sie plant, hier ihre weitere Ausbildung fortzusetzen. "Am SLK-Klinikum am Gesundbrunnen, wo ich ein Freiwilliges Soziales Jahr absolviert habe, hat es mir sehr gut gefallen", sagt Aras. Das Haus biete viele Möglichkeiten für junge Mediziner. Als bevorzugte Fachrichtungen nennt die 23-Jährige die Hausärztliche Versorgung, Gynäkologie und Pädiatrie.
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