Kurze Zwangspause bei den Frühkartoffeln
Nasser Boden sorgt für eine Unterbrechung der Auspflanzung. Die landwirtschaftlichen Betriebe in Lauffen und Umgebung hoffen darauf, die ersten Frühkartoffeln ab Mitte Mai regional zu vermarkten.

Wie sehr das Wetter die Spielregeln in der Landwirtschaft bestimmt, hat sich an diesem Montag eindrucksvoll gezeigt. Zwar hat die Saison mit der Auspflanzung der Frühkartoffeln der Sorte Annabelle bei den Familien Schiefer und Hirschmüller in Lauffen bereits vor einer Woche begonnen, doch der offizielle Start kam ein wenig ins Stottern. Der Grund: Durch die Niederschläge am Freitag und Samstag war der Boden zu nass und dadurch verdichtet, sodass die Pflanzen nicht optimal wachsen können. „Wir sind aber zuversichtlich, dass wir spätestens am Mittwoch weitermachen können“, sagt Landwirt Heiner Schiefer. Und deshalb freut er sich auf den Wind aus dem Nordosten, sprich aus Heilbronn.
Klima und Böden für frühe Pflanzung ideal
„Temperaturen, Sonne und Wind müssen zusammenspielen“, sagt Florian Dambacher vom Landwirtschaftlichen Beratungsdienst Kartoffelanbau Heilbronn, einem Verein von Landwirten und Beratern, der seinen Sitz im Landratsamt hat. Es sind die klimatischen Gegebenheiten und die Lösslehmböden, die die idealen Voraussetzungen für die frühe Pflanzung vor allem in Lauffen und Brackenheim-Hausen, aber auch in Schwaigern, Neckarwestheim, Hardthausen-Gochsen, Walheim und Gemmrigheim bieten.
Rund zweieinhalb bis drei Monate nach der Auspflanzung beginnt die Vermarktung der ersten losschaligen Knollen, also ab Mitte Mai. Das geschieht über Hofläden und Wochenmärkte. Ab Mitte Juni sind dann auch Frühkartoffeln in schalenfester Qualität zu bekommen. Regionale Vermarkter sind die Firma Wild aus Eppingen und Kartoffel Stahl mit Hauptsitz in Neckarwestheim.
In der Produktion steckt viel Logistik und Planung
Ein wesentliches Ziel ist, die Kundschaft 365 Tage im Jahr mit Kartoffeln zu versorgen. Deshalb steckt eine Menge Logistik und Planung vor allem in der Produktion von Frühkartoffeln. Im Dezember werden die Pflanzkartoffeln vorgekeimt. Sie werden zunächst von Pflanzguthändlern angeliefert. Das Pflanzgut wird in weiße Kisten gefüllt, um eine gute Keimqualität zu erreichen.
In jeder Kiste sind rund zehn Kilo Kartoffeln. In zwei hohen Hallen, in denen unterschiedliche Temperaturen zwischen vier und acht Grad herrschen, lagert Heiner Schiefer die Knollen. Sobald sich die ersten Keime gebildet haben, wird die Beleuchtung auf zwölf bis 18 Stunden pro Tag eingestellt, damit sich einige grüne Lichtkeime bilden können.
Wenige Tage vor dem Pflanztermin werden die Knollen zur Anpassung an die Bodentemperatur an die frische Luft gestellt. Die grüne Färbung macht die Knollen widerstandsfähig gegen Bodenpilze. Das Vorkeimen bringt einen Wuchsvorsprung von zwei Wochen.
Recycelbare Lochfolie sorgt für den Gewächshauseffekt
Anschließend werden die Kartoffeln gepflanzt und mit einer mehrfach verwendbaren und recycelbaren Lochfolie abgedeckt. Der Gewächshauseffekt verschafft den Pflanzen einen weiteren zeitlichen Vorsprung von bis zu zwei Wochen. „Deshalb können diese Sorten etwa vier Wochen vor der normalen frühen Freilandkartoffel geerntet werden“, sagt Florian Dambacher und schiebt nach: „Wenn alles gut läuft, könnten zum Muttertag am 11. Mai die ersten Frühkartoffeln auf dem Tisch landen.“
Und welches Wetter wünschen sich die Landwirte für die Zeit bis zur Kartoffelernte? „Ideal wäre ein sonnenreiches Frühjahr mit sporadischem Regen“, sagt Fachberater Thorsten Roth.
Kommentare öffnen
Stimme.de
Kommentare