Kommt das Geld für den Umbau des Wanderheims in Neuhütten zusammen?
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Nur eine knappe Mehrheit der Naturfreunde Heilbronner Land stimmt für das Umbaukonzept. Die Kooperation und Fusion der Ortsgruppen in der Region Heilbronn ist ein Thema. Die Lauffener Ortsgruppe hat einen Käufer für die Botenheimer Heide.
Stattlich präsentiert sich das von Schnee eingezuckerte Naturfreundehaus Steinknickle. Der Umbau soll angepackt werden, und ab April ein inzwischen gefundenes Pächterduo für die Öffnung sorgen.
Foto: Christiana Kunz
Johannes Müllerschön und weitere Helfer sind fleißig an der Arbeit. Sie reißen die Holzverkleidungen im Naturfreundehaus Steinknickle herunter. Die Naturfreunde im Heilbronner Land erbringen schon mal Eigenleistungen, bevor Handwerker loslegen sollen. „Es geht weiter“ verkündete im Ticker-Stil das fünfköpfige Team „Steinknickle Zukunft“ um Müllerschön im Rundbrief-Spezial „Jahresrückblick 2024 – und Neuanfang 2025“ an Mitglieder und Unterstützer. Der Verkauf ist vom Tisch, der Umbau der Herberge soll angepackt werden. Nach mehr als drei Jahren ist ein Pächterduo gefunden. Und: Naturfreunde-Ortsgruppen wollen fusionieren.
Im vergangenen Jahr hatten Mitglieder und Förderer einmal monatlich das Wanderheim in Form eines Mini-Benefiz-Kiosks geöffnet. Die Winterpause dauert wohl bis Ende März. Dann soll das neue Pächterduo diesen Part übernehmen.
Aus Brandschutzgründen müssen die Holzverkleidungen in der Herberge beseitigt werden. Johannes Müllerschön (r.) und Heiko Bässler, Lilly Bieringer und Frank Jett (v.l.) übernehmen diese Arbeit.
Foto: Christiana Kunz
„Wunsch und Ziel ist es, dass das Naturfreundehaus jedes Wochenende geöffnet hat und voll nutzbar ist“, sagt Müllerschön, einer der drei Vorsitzenden. Müllerschön ist voller Zuversicht, was die Zukunft des Beherbergungsbetriebs mit 50 Betten, der wegen Corona drei Jahre geschlossen war, betrifft. Die außerordentliche Mitgliederversammlung habe den Vorstand beauftragt, das Umbaukonzept umzusetzen und einen Kostenvoranschlag fertigen zu lassen. Der Antrag zur Verpachtung und zum Konzept des Steinknickles wurde nur mit der knappsten Mehrheit angenommen.
Brandschutz muss modernisiert werden
Handwerker schauen sich derzeit im Gebäude um, um Angebote zu erstellen. Die Naturfreunde mit ihren rund 180 Mitgliedern müssen den Brandschutz modernisieren. Weil es daran mangelt, ist seit längerem das Dachgeschoss gesperrt. Dort soll eine Pächterwohnung eingebaut werden. Von Gesamtkosten von rund 250.000 Euro ist die Rede.
Noch fehlt den Naturfreunden der Rote Punkt, die Baufreigabe. Im Februar 2024 habe das Landratsamt für den Bauantrag eine Genehmigung in Aussicht gestellt, vorausgesetzt die Löschwasserversorgung ist gesichert. Die Gemeinde Wüstenrot sagt laut Bürgermeister Timo Wolf zu, diese Auflage zu erfüllen.
Land hat ein Förderprogramm für Wanderheime
Im Juni kann der Verein Landesmittel aus dem Förderprogramm Wander- und Sportheime beantragen. Müllerschön erwartet, dass damit die Hälfte der Umbaukosten gedeckt wird. Für Spenden und zusätzliche Geldquellen würden konstruktive Gespräche geführt. „Es sieht nicht schlecht aus“, meint der Funktionär.
So optimistisch ist hingegen Georg Dukiewicz nicht. Für ihn befindet sich das Steinknickle weiterhin in der Schwebe. Die Mitgliederversammlung habe noch nicht entschieden, das Geld freizugeben, meint der Naturfreund, der selbst knapp 20 Jahre Vorsitzender war und aktuell noch das Selbstversorgerhaus in Neckarmühlbach betreut. Das Steinknickle habe sich von Corona noch nicht erholt. Dem hält Müllerschön entgegen, dass es 2024 rund 350 Übernachtungen gegeben und der monatliche Kiosk ein Plus eingebracht habe, so dass die Fixkosten des Hauses bestritten werden konnten.
Unvollständiger Vorstand als Kritikpunkt
Dukiewicz kritisiert zudem, dass der Vorstand weitermache, obwohl er nach dem inzwischen dritten Rücktritt, er selbst war darunter, nicht mehr die satzungsmäßige Größe habe. „Das ist kein Zustand“, meint er. „Solange wir keinen gewählten Vorstand haben, so lange kann nichts passieren“, ist Dukiewicz′ Meinung. Müllerschön widerspricht: Das Trio sei geschäftsfähig und verweist auf einen einstimmigen Beschluss, dass der Vorstand im Amt bleiben solle. Für einen neuen Vorstand, der mangels Kandidaten bei der außerordentlichen Hauptversammlung nicht gewählt werden konnte, führe man bereits Gespräche, so Müllerschön. Spätestens bis März soll die Wahl erfolgt sein. Wenn man so ein Projekt anstoße, laufe man nicht davon, stellt Müllerschön für sein Engagement klar.
Auch die 35-köpfige Ortsgruppe in Lauffen schafft es seit vielen Jahren nicht mehr, ihr Naturfreundehaus Botenheimer Heide ehrenamtlich zu bewirten – aus Altersgründen, wie Hans Dinse vom Vorstand sagt. Deswegen wurde das Haus von 1964 mit rund 60 Sitzplätzen und 40 Betten für Veranstaltungen vermietet. Damit ist bald Schluss. Dinse ist froh, dass sich ein Interessent gefunden hat. Die Mitgliederversammlung muss dem Verkauf noch zustimmen. Dieser schmerzhafte, aber notwendige Schritt, so heißt es im Rundbrief Steinknickle Spezial, eröffne neue Finanzierungsmöglichkeiten für den Steinknickle-Umbau.
Ortsgruppe Lauffen plant Übergang nach Heilbronn
Neue Perspektiven für die Naturfreunde der Region tun sich durch eine mögliche Fusion auf. Die Mitglieder der Ortsgruppe Heilbronner Land haben den Vorstand damit beauftragt, einen Übergangsvertrag mit den kooperationswilligen Ortsgruppen vorzulegen. Dinse zufolge müssen die Lauffener Naturfreunde der geplanten Auflösung ihrer Ortsgruppe noch zustimmen. Laut Müllerschön wird auch ein Zusammenschluss mit Neckargartach und eventuell Böckingen anvisiert.
2024 hatten die Naturfreunde Heilbronn das Steinknickle noch zum Verkauf angeboten. 390.000 Euro waren damals in der Anzeige auf einer Online-Immobilien-Plattform angegeben. Das war Plan B. Plan A scheint nun aufzugehen mit der nach drei Jahren erfolgreichen Suche nach einem neuen Pächter. Zumindest den Plänen, die Baurechts- und Brandschutzauflagen zu erfüllen und im Dachgeschoss eine Pächterwohnung einzubauen, hat die außerordentliche Mitgliederversammlung zugestimmt.
Das Naturfreundehaus Steinknickle ist mehr als 110 Jahre alt. Die erste Schutzhütte im Gau Schwaben wurde 1953, in den 1980er Jahren und 2011 erweitert und komplett saniert. Die Herberge für Wanderer, Schulklassen oder Vereine verfügt über 50 Betten. Die Ortsgruppe betreibt einen weiteren Standort, das Selbstversorgerhaus in Haßmersheim-Neckarmühlbach mit 20 Betten.
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