Der Ausbau der Kläranlage um eine vierte Reinigungsstufe für rund 25 Millionen Euro umfasst laut Zweckverbandschef Felix Pontow unter anderem ein neues Kombibecken, zwei neue Havariebecken und ein weiteres Gebäude. Die Vorgaben für eine vierte Reinigungsstufe seien hoch, dafür sei die Landesförderung mit bis zu 80 Prozent auch sehr gut. Das Vorhaben soll aus zuschusstechnischen Gründen in mehreren Abschnitten realisiert werden; die Förderanträge werden 2026, 2028 und 2031 gestellt. Außerdem soll ein Vorschlag „zur moderaten und gestaffelten Anpassung der Abwassergebühren“ für die Mitgliedskommunen erarbeitet werden.
Kläranlage verschlingt 25 Millionen Euro
Die Abwasserreinigung für 25.000 Menschen im Sulmtal muss für 25 Millionen Euro auf den neuesten Stand gebracht werden. Auf die Bürger kommen voraussichtlich höhere Gebühren zu.

Von Eichelberg bis Ellhofen: Das Abwasser von rund 25.000 Menschen wird in der Gruppenkläranlage Sulmtal gereinigt. Sie muss dringend erweitert werden. Baustart soll 2027 sein. 25 Millionen Euro stehen im Raum. Auf die Bürger kommen deshalb wohl höhere Gebühren zu. Wie hoch, hängt vom jeweiligen Wohnort ab.
Gruppenkläranlage Sulmtal: Die Erweiterung ist alternativlos
Das Thema ist schwere Kost. Felix Pontow versucht im Pressegespräch, das komplexe Millionenprojekt so leicht verdaulich wie möglich zu servieren. Was auf jeden Fall geschluckt werden muss: „Die Erweiterung der Kläranlage ist alternativlos“, sagt der Ellhofener Bürgermeister und Vorsitzender der Zweckverbandes Gruppenkläranlage Sulmtal. Denn momentan läuft der Betrieb laut Pontow ohne die notwendige wasserrechtliche Genehmigung des Landratsamtes Heilbronn. Das toleriere die Kreisbehörde für eine gewisse Zeit, und man sei in engem Austausch mit ihr, betont Pontow. Ein Dauerzustand ist es nicht. Das Landratsamt drängt, und irgendwann drohen hohe Strafzahlungen.
Kläranlage Sulmtal: Kreisbehörde toleriert Zustand eine gewisse Zeit
Wie alle Kläranlagen leitet die Verbandsanlage laut Pontow zu Spitzenlastzeiten ein Teil des – in aller Regel gereinigten –Schmutzwassers in ein Gewässer ein. In diesem Fall in die Sulm. Dafür braucht es besagte wasserrechtliche Genehmigung. Die bislang gültige lief Ende 2024 ab. Für eine neue ist eine sogenannte Schmutzfrachtberechnung notwendig – und diese kommt zu einem Ergebnis, das zu erwarten war, weil die Erweiterung der Kläranlage schon lange ein Thema ist: „Die Kläranlage reinigt nicht genug Abwasser“, sagt Pontow.
Damit das Landratsamt die wasserrechtliche Genehmigung erteilt, muss der Verband nachweisen, dass er willens ist, zu investieren, und er muss einen Zeitplan für das Großprojekt vorlegen.
Dafür hat die Verbandsversammlung nun die nötigen Beschlüsse gefasst. Die Anlage wird nicht bloß erweitert, sondern gleich mit einer sogenannten vierten Reinigungsstufe ausgestattet. Von ihr verspricht sich der Zweckverband, dass er langfristig nicht mehr nachsteuern muss, falls sich Richtlinien ändern. Außerdem gibt es dafür eine wesentlich höhere Förderung vom Land. Förderanträge werden gestellt.
Erweiterung der Kläranlage Sulmtal: Auf die Förderquote kommt es an
Die Bezuschussung und ihre Berechnung sind überhaupt der Knackpunkt. Jede Kommune muss sie für ihren Investitionsanteil separat beantragen, sagt Pontow. Grundlage ist die kombinierte Wasser- und Abwassergebühr der Bürger mehrerer zurückliegender Jahre in den jeweiligen Orten – und diese kann stark variieren. Die Höhe hängt vor allem davon ab, was eine Kommune in jüngerer Zeit in ihr Ortsnetz investiert hat, denn Investitionen werden über die Gebühren refinanziert.
Für die Förderung des Kläranlagen-Ausbaus gilt: „Je niedriger die Gebühr, desto schlechter die Förderquote.“ Im Umkehrschluss heißt das: Orte, die aktuell eine eher niedrige Gebühr erheben, weil sie länger nur wenig investiert haben, müssten ihren Bürgern im Zuge des Kläranlagenumbaus ab 2027 eine umso explosivere Erhöhung zumuten. Klar: Wo der Zuschuss niedriger ausfällt, erhöht sich der Eigenanteil.
Rat vom Verbandschef an die Kommunen: zeitnah ins Ortsnetz investieren
Deshalb rät Pontow den Mitgliedskommunen, „jetzt in ihr Ortsnetz zu investieren, damit die Gebühren zeitnah moderat erhöht werden können und dadurch die Förderquote für die Kläranlage steigt“. Grundsätzlich wird wohl keine Mitgliedskommune darauf verzichten können, ihren Bürgern eine höhere Gebühr aufzubrummen. Nur die Höhe variiert eben. Wo es wie viel sein sollte, wird nun kalkuliert.
Ein Trost für alle: Auf lange Sicht, wenn das Riesenprojekt in etlichen Jahren finanziell verdaut ist, werden die Gebühren voraussichtlich wieder sinken.
Zahlen, Fakten, Orte: Das sollte man über die Kläranlage wissen
Das Einzugsgebiet der Gruppenkläranlage Sulmtal umfasst Ellhofen, Lehrensteinsfeld, alle Ortsteile Obersulms, alle Stadtteile Löwensteins außer Hirrweiler, von Weinsberg die Teilorte Grantschen und Wimmental sowie das Gewerbegebiet „Holderbusch“, außerdem das gemeinsame Gewerbegebiet von Weinsberg und Ellhofen „Am Autobahnkreuz“. Summa summarum wird das Abwasser von rund 25 000 Menschen in der 50 Jahre alten Kläranlage aufbereitet, die seinerzeit 23 Millionen Mark kostete.Die jeweiligen Kommunen sind Mitglied im Zweckverband, dem der Ellhofener Bürgermeister Felix Pontow vorsteht. Der Zweckverband betreibt die Anlage im Erlenbacher Weg bei Ellhofen. Die Mitglieder zahlen anteilig eine jährliche Umlage an den Verband. Unabhängig davon ist jede Kommune in Sachen Abwasser für den Unterhalt ihres eigenen Ortsnetzes, als etwa für Abwasserkanäle, verantwortlich.
So viel Abwasser verursacht ein Vier-Personen-Haushalt
Ein Vier-Personen-Haushalt produziert rund 180 Kubikmeter Schmutzwasser im Jahr. Natürlich kommt nicht nur das Schmutzwasser von Privatleuten in der Gruppenkläranlage Sulmtal an. In der Schmutzfrachtberechnung der Bietigheimer Firma Rauschmaier Ingenieure vom Mai 2025 sind einige Großverbraucher und deren Schmutzwasserabflüsse gelistet. An erster Stelle steht Teusser Mineralbrunnen in Löwenstein mit rund 58.000 Kubikmetern pro Jahr. Es folgen die Evangelische Stiftung Lichtenstern in Löwenstein mit knapp 45.000 Kubikmetern, die Schlosskellerei Affaltrach (22.000 Kubikmeter), Multi Packaging Solutions in Willsbach (10.000 Kubikmeter) und die Genossenschaft Winzer vom Weinsberger Tal in Löwenstein (6600 Kubikmeter).
So leistungsfähig ist Kläranlage Sulmtal aktuell
Die Kläranlage kann aktuell 260 Liter Abwasser pro Sekunde aufnehmen und reinigen. 2020 kamen knapp vier Millionen Kubikmeter an. Zum Kläranlagensystem gehören im Verbandsgebiet auch 72 Regenüberlaufbecken, Regenüberläufe und Stauraumkanäle. Sie sollen die Kläranlage bei starken Niederschlägen entlasten.

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