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Tierheim restlos überfüllt

Kastrationspflicht für Freigänger-Katzen: Kommt die Regelung auch in Heilbronn?

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In Mannheim tritt die Regelung ab Oktober in Kraft. Tierschützer hoffen, dass die Verordnung auch für Heilbronn und den Landkreis kommt, denn zu viele Streunerkatzen werden noch im Tierheim abgegeben.

Unkastrierte Freigängerkatzen paaren sich oft mit Streunern. Die Folge: Die Population wächst. In Mannheim tritt ab Oktober eine Kastrationspflicht in Kraft, in Heilbronn werden derzeit die Weichen für eine solche Regelung gestellt.
Unkastrierte Freigängerkatzen paaren sich oft mit Streunern. Die Folge: Die Population wächst. In Mannheim tritt ab Oktober eine Kastrationspflicht in Kraft, in Heilbronn werden derzeit die Weichen für eine solche Regelung gestellt.  Foto: Leigh Prather

Rund 80 Kommunen in Baden-Württemberg haben laut Deutschem Tierschutzbund eine Kastrationspflicht für freilaufende Katzen erlassen. Die Stadt Mannheim hat im März ihre Katzenschutzverordnung um den betreffenden Absatz erweitert: Bis Oktober haben Besitzer Zeit, ihre Tiere kastrieren zu lassen, dann tritt die Regelung in Kraft. 

Tierschützer fordern schon länger eine generelle Kastrationspflicht für Freigänger-Hauskatzen, damit sich die Tiere nicht unkontrolliert vermehren. Dadurch könne auch Tierleid verhindert werden, sagen sie: Viele Streunerkatzen seien verletzt oder leiden an Krankheiten. Für die Tiere bedeutet das oft einen qualvollen Tod.

"Land unter" im Heilbronner Tierheim

Beim Heilbronner Tierheim werden fast täglich Streunerkatzen gemeldet oder abgegeben. Wie so oft ist die Tierschutzstelle restlos überfüllt. "Wir gehen unter", sagt die stellvertretende Vorsitzende des Tierschutzvereins Heilbronn und Umgebung, Anja Fischer. Jüngster Neuzugang bei den Katzen ist eine Streunerkatzenmutter mit ihren sechs jungen Kitten. Jährlich nehmen die Tierschützer über 1000 Katzen auf, sagt Anja Fischer, von diesen würden nur 20 Prozent beim Tierheim zur Weitervermittlung oder zur Pflege abgegeben werden. Der Rest sind Fundtiere.

Eine Katzenschutzverordnung inklusive einer Kastrationspflicht wie in Mannheim wünschen sich die Tierschützer auch für Heilbronn und den Landkreis. In der Stadt Heilbronn laufen die entsprechenden Vorbereitungen. Inzwischen sei die Prüfung der geltenden Katzenschutzverordnung abgeschlossen, teilt eine Sprecherin schriftlich mit. "Die Ergebnisse werden im Herbst in den Gemeinderat eingebracht."

In zwei Landkreiskommunen gilt die Kastrationspflicht schon

Mit Möckmühl und Weinsberg haben im Landkreis bisher zwei Kommunen eine Kastrationspflicht eingeführt. In Möckmühl gibt es die Regelung bereits seit 2022, in Weinsberg trat sie vor einem Jahr in Kraft. Seitdem gab es kaum Fälle, in denen die Stadt mit der Kastrationspflicht näher zu tun gehabt hätte, beantwortet die dortige Ordnungsamtsleiterin Daniela Wenninger die Frage nach dem Bürokratieaufwand. "In einem Fall haben wir einen Hinweis bekommen, dass eine Freigängerkatze nicht kastriert worden ist. Das wurde dann nachgeholt." Ein weiterer Fall werde derzeit geprüft. Für die Stadt Weinsberg, die eng mit dem Tierschutzverein zusammenarbeite, bedeute die Regelung aber bisher "keine große Veränderung", sagt Wenninger. Von Katzenhaltern habe es keine Beschwerden gegeben.

"Die Kommunen haben oft Angst, dass die Halter gegen die Kastrationspflicht klagen", erklärt Anja Fischer die Zurückhaltung von Behördenseite, eine Kastrationspflicht einzuführen. Auch Personalmangel werde von den Verwaltungen oft als Argument genannt, ebenso fürchten sie weitere Kosten. Dabei sei es eigentlich die "hoheitliche Aufgabe" der Kommunen, "sich um die Fundtiere zu kümmern", betont Anja Fischer. 

Kastrationspflicht kommt bei Tierschützern noch nicht an

Eine Veränderung durch die Kastrationspflicht in Möckmühl und Weinsberg spüren die Tierschützer bisher jedoch noch nicht. "Es sind gerade einmal zwei von 46 Kommunen, die eine solche Regelung haben", sagt Fischer. Um die Streunerkatzenpopulation einzudämmen, sei die Kastrationspflicht als längerfristiges Werkzeug zu sehen. "Aber man muss irgendwann anfangen."

Die Hoffnungen der Tierschützer sind groß, dass die Stadt Heilbronn die Verordnung bald umsetzt. "Wir bekommen positive Signale aus dem Rathaus", sagt Anja Fischer. Sie hofft, dass der Vorstoß der Stadt weitere Kommunen im Landkreis zum Nachziehen bewegen kann. 

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