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Bildung und Erziehung

Kann Stadt bei Kinderbetreuung sparen?

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Gemeinderat lässt pädagogisches Konzept weiter überprüfen - Neue Schwarz-Kita sorgt für Entlastung

Die Verwaltung prüft, ob im Bereich der Kinderbetreuung Sparpotenzial für den städtischen Haushalt steckt.
Die Verwaltung prüft, ob im Bereich der Kinderbetreuung Sparpotenzial für den städtischen Haushalt steckt.  Foto: RioPatuca Images

Die Stadt Bad Friedrichshall muss sparen, wo sie kann. Jetzt kamen sogar die Kosten für die Kinderbetreuung auf den Prüfstand. Die Haushaltsstrukturkommission hatte die Verwaltung beauftragt, das pädagogische Konzept der städtischen Kitas auszuwerten, um Sparpotenziale zu ermitteln. Heraus kam, dass das Konzept "Infans", nach dem die Einrichtungen seit 2010 arbeiten, beibehalten werden soll. Weiter entschied der Gemeinderat, dass die Kita Drachenfels, die künftige Schwarz-Kita auf dem Gelände des Projekt-Campus, in den städtischen Bedarfsplan aufgenommen wird und somit eine Förderung für die Kinder aus Bad Friedrichshall bekommt.

Kita-Leiterinnen sehen Sparvorhaben kritisch

"Wir sehen es als falschen Ansatzpunkt, an der Bildung und Erziehung der Kleinsten zu sparen, denn sie sind unsere Zukunft", schreiben Kita-Leiterinnen in einer Stellungnahme an die Stadt. Die Erzieherinnen arbeiteten gerne nach dem Infans-Konzept, da es eine hohe Qualität der pädagogischen Arbeit sicherstelle, eine Orientierung biete und eine enge Zusammenarbeit im Team erfordere. Sollte es zu einer Änderung des pädagogischen Konzepts kommen, würden mit großer Wahrscheinlichkeit einige Fachkräfte die städtischen Kitasverlassen, heißt es weiter. In der Stellungnahme wird zudem deutlich, dass nicht am Personal gespart werden könne, da die Stadt nicht ausschließlich aufgrund des Infans-Konzepts mehr Erzieherinnen anstelle als der Personalschlüssel vorsehe. Es gehe vielmehr darum, den Personalausfall durch Krankheiten, Urlaub, Fortbildungs- und Regenerationstage abzudecken und eine konstante Betreuungszeit zu garantieren. 

Der Verwaltungsausschuss hatte der Verwaltung trotzdem zusätzliche Prüfaufträge im Hinblick auf die Evaluation des Infans-Konzepts erteilt, die der Gemeinderat nun mit einem Beschluss bestätigte. Es soll zum einen die Schulfähigkeit der Kinder, die aus den städtischen Kitas kommen, unter die Lupe genommen werden. Zum anderen soll es eine Evaluation unter den pädagogischen Fachkräften geben.

"Uns geht es nicht darum, Stellen zu streichen", betonte Tim Härtel im Namen der Freien Wähler. Es gehe um die Beurteilung eines Konzepts, dass es bereits mehr als zehn Jahre gibt. In dieser Zeit habe sich viel verändert.

Werner Wally (CDU) gab zu bedenken, dass die Evaluation der pädagogischen Arbeit nicht so leicht sei wie in einem Unternehmen, bei dem man sich an Zahlen orientieren könne. "Eine Evaluation ist trotzdem sinnvoll." 

Lena Graf stellte für die SPD-Fraktion klar, dass sie für den Erhalt des Infans-Konzepts seien. Die Prüfung habe ergeben, dass durch eine Abkehr keine Kosten eingespart werden können.

Stadt zahlt 90.000 Euro für Bad Friedrichshaller Kinder 

Eine Kosteneinsparung bei der Kinderbetreuung gibt es indirekt aber trotzdem, wie die weiteren Beschlüsse in der Sitzung gezeigt haben. Dadurch, dass die Schwarz-Gruppe eine Kita beim Projekt-Campus baut, muss die Stadt nicht in zusätzliche Räume investieren, sagte Bürgermeister Timo Frey. Durch die Aufnahme der Einrichtung Drachenfels in die Bedarfsplanung müsse die Stadt lediglich 90 000 Euro im Jahr  für Bad Friedrichshaller Kinder bezahlen, die dort betreut werden. Das geht aus Berechnungen der Schwarz-Gruppe und des Kitabetreibers hervor, die in der Sitzung vorgestellt wurden. Voraussichtlich kämen 15 Prozent der künftigen Kita-Kinder aus Bad Friedrichshall. "Es ist für beide Seiten eine Win-Win-Situation".

Tina Urban von der Schwarz-Gruppe berichtete, dass in der Kita Drachenfels insgesamt 280 Plätze für Kinder unter und über drei Jahre entstehen. Wenn die Kita voll ausgelastet ist, seien 80 Mitarbeiter vorgesehen. Die Kita solle Ende 2025 in Betrieb gehen und nehme nur Kinder von Schwarz-Mitarbeitern auf. Gestartet werde aber langsam mit zehn Kindern pro Monat. Auch das Personal werde nach und nach aufgebaut. Um Fachkräfte zu bekommen, setze der Betreiber Phorms zum Beispiel auf eigene Ausbildung und hole Muttersprachler aus dem Ausland. Die Schwarz-Kitas sind bilingual.

Das Infans-Konzept, nach dem die städtischen Kitas arbeiten, soll durch regelmäßige Beobachtungen nachhaltiges Lernen ermöglichen, informiert die Stadt. Alles ziele darauf ab, die aktuellen Interessen und Wünsche des Kindes mit den Zielen der Eltern und der pädagogischen Fachkräfte sowie mit den Zielen des Trägers in Einklang zu bringen. Ohne die Formulierung von Zielen seien die Bildungsmöglichkeiten der Kinder dem Belieben derFachkräfte und dem Zufall ausgesetzt und somit nicht überprüfbar. Die Fachkräfte entwickeln individuelle Bildungsangebote für die einzelnen Kinder und die gesamte Kita-Gruppe, um die Lernziele zu erreichen. Die Schwarz-Kitas haben ein offenes Konzept, wie Franziska Klewin, Geschäftsführerin des Betreibers Phorms, informierte. Das heißt, dass sich die Kinder nach einem gemeinsamen Morgenritual ein Angebot aussuchen und mit einem  Pädagogen ihrer Wahl mitgehen. Es gebe keine festen Gruppen. Öffnungszeiten sind von 7 bis 18 Uhr.

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