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Exil‑Iranerin aus Widdern kämpft online und vor Ort für Demokratie im Iran

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Die Proteste im Iran sind die heftigsten seit Jahren. Auch in Deutschland kämpfen Iraner für Freiheit und Menschenrechte. Sania Kohansal aus Widdern ist eine von ihnen. Gemeinsam mit vielen anderen jungen Menschen macht sie auf die Lage aufmerksam.


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Die aktuellen Proteste im Iran sind nicht die ersten der jüngeren Vergangenheit. Aber sie sind die bisher heftigsten und mit viel Hoffnung für die Menschen im Land, aber auch für die über 140.000 Exil-Iraner in Deutschland verbunden. Eine von ihnen ist Sania Kohansal. Die 22-Jährige kam vor zehn Jahren gemeinsam mit ihrem Vater nach Deutschland und wohnt mittlerweile mit ihm in Widdern. Ihre Mutter und ihr Bruder leben weiterhin in ihrem Heimatland. „Wir konnten kurz miteinander sprechen“, erzählt sie. Ihr älterer Bruder habe von vielen Toten berichtet. Der Kontakt sei allerdings schwer, das Internet ist vom Regime blockiert worden.

Junge Iraner machen auf Instagram auf die Lage im Land aufmerksam

Doch genau dort macht Sania Kohansal gemeinsam mit anderen jungen Menschen auf die Situation aufmerksam. „Wir möchten einen freien Iran, ohne Mullahs und ohne Monarchie“, sagt Nima Salem, der in Mannheim als Erzieher arbeitet. Das Land hat er noch nie gesehen, seine Eltern sind 1986 und damit vor seiner Geburt als politische Flüchtlinge nach Deutschland gekommen. Er kenne die Heimat seiner Familie nur aus Erzählungen. Urlaub in der seit 1979 bestehenden islamischen Republik? „Sie gehen aus Prinzip nicht zurück, weil sie ein Statement setzen möchten.“

In den Sozialen Medien klären Sania Kohansal und Nima Salem über die Lage im Iran auf und machen sich für einen langfristigen Wandel in dem Land stark.
In den Sozialen Medien klären Sania Kohansal und Nima Salem über die Lage im Iran auf und machen sich für einen langfristigen Wandel in dem Land stark.  Foto: Hofmann, Elfi

Die Erinnerungen der Eltern an die Zeit im Gefängnis hätten tiefe Narben hinterlassen, der Aktivismus treibe sie weiter an. Jeden Samstag betreiben sie einen Infostand in der Heidelberger Innenstadt, um über die Lage im Iran zu informieren. Auch Sania Kohansals Vater ist dort regelmäßig mit dabei. Die nächste Generation macht insbesondere über Instagram auf sich aufmerksam: Auf dem Account „Junge Stimmen Iran“ berichten Frauen und Männer über die aktuellen Proteste, die Unterdrückung der Bevölkerung und die Forderungen nach Freiheit und Menschenrechten. „Die Menschen im Iran haben die Nase voll, der Siedepunkt ist erreicht“, fasst Nima Salem zusammen. Sie wollten selbst über ihre Zukunft entscheiden.

Sania Kohansal und Nima Salem setzen sich für eine demokratische Republik ein

Die wenigsten möchten laut ihm allerdings die Wiederherstellung der Monarchie, die mit dem Sturz des Schahs 1979 endete. Dessen Sohn Reza Pahlavi hat sich in den vergangenen Wochen immer wieder aus den USA zu Wort gemeldet. „Aber was hat er denn für den Iran getan?“, fragt sich Nima Salem. Viele Menschen würden mit der Regierung des letzten Schahs etwas Gutes verbinden. Der Erzieher sieht allerdings vor allem viel Nostalgie in diesen Erinnerungen.

Gemeinsam mit weiteren Menschenrechtsaktivisten hat sich die Gruppe „Junge Stimmen für Irans Freiheit“ gegründet, die in den Sozialen Medien aktiv ist. „Wir wollen uns vernetzen und im Namen des Vereins mit Politikern sprechen“, sagt Sania Kohansal. Vertreter der Gruppe waren bereits im EU-Parlament zu Gast und werden unter anderem auch von Peter Altmaier unterstützt. Am 7. Februar ist in Berlin eine Demonstration geplant, um auf die Lage im Land aufmerksam zu machen. Das Datum ist bewusst gewählt: An diesem Tag wird seit 1979 der Sieg der „Islamischen Revolution“ im Iran gefeiert.

Er setzt sich genauso wie Sania Kohansal für eine demokratische Republik ein, in dem Staat und Religion getrennt sind, alle Geschlechter gleich behandelt werden, es keine Todesstrafe, aber Meinungsfreiheit gibt und in der die Ethnien gemeinsam leben können, ohne vor den Islamischen Revolutionsgarden Angst haben zu müssen.

Der lange Arm des Regimes reicht bis in die Schule

Wie repressiv das Regime vorgeht, hat die 22-Jährige bereits als Kind erfahren. Weil ihr Vater als junger Mann aus politischen Gründen im Gefängnis saß, stand sie in der Schule unter Beobachtung. „Eine Lehrerin wollte, dass ich andere Mädchen verrate, die ihr Kopftuch nicht korrekt tragen.“ Regelmäßig mussten die Kinder „Tod den USA“ rufen.

Eine militärische Unterstützung wie sie Donald Trump bereits hat anklingen lassen, lehnen sowohl Nima Salem als auch Sania Kohansal ab. „Keine Regierung kann helfen, es muss von innen kommen“, sagen sie. Stattdessen sprechen sie sich für stärkere Sanktionen und gegen Beschwichtigungspolitik aus. „Die Menschen im Iran“, sagt Sania Kohansal, „tun alles dafür, um in einem freien Land zu leben. Dafür opfern sie das Wertvollste: ihr Leben.“

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