Sicherheitsgefühl
Interessanterweise sind junge Menschen für mehr Videoüberwachung und Kontrollen durch die Polizei. Auch Security an den Schulen könne dazu beitragen, dass sich die, „die dort auch hingehören“, sicherer fühlen.
Bei der Landesjugendkonferenz im Juli werden die Themen vorgetragen. In der Christian-Schmidt-Schule geht es um Zukunftsängste und aktives Engagement. Dabei gibt es manche Überraschung.

Josip Juratovic hat mit seinen 69 Jahren schon einiges an Lebenserfahrung. Der Bundestagsabgeordnete von 2005 bis 2025 hat aber nie vergessen, wo er herkommt: aus Gundelsheim und Neckarsulm. „Ich war von 1976 bis 1979 hier an der Christian-Schmidt-Schule.“
Am Montag ist Juratovic an seine alte Schule gekommen, um das zu tun, was er am liebsten tut: Über Politik und die Gesellschaft, in der wir leben wollen, zu diskutieren. Von den Ideen der 70 jungen Menschen ist er beeindruckt: „Die Politik kann nur besser werden durch euch!“
An der Christian-Schmidt-Schule (CSS) hat eine Jugendkonferenz stattgefunden. In zehn „Deep Cafes“ haben die mehrheitlich jungen Männer über Probleme und Lösungen nachgedacht. Dabei geht es um mehr Parkplätze an der Schule, aber auch besseren Nahverkehr, um das Sicherheitsgefühl, aber auch mentalen Stress.
Sehmus Samaras (18) und Serafina Sowinski (17) moderieren die Veranstaltung. Die Lehrer und auch Schulleiter Moritz Wald sind nur Gäste und hören zu, was die Schüler wollen. Dabei gibt es auch Kritik: Beim Thema Digitalisierung hängt die CSS hinterher: „Wir wollen eine moderne Ausstattung und nicht die alten Geräte.“ Auch ein digitales Feedback über den Unterricht wäre möglich – wenn das Wlan besser wäre.
Man müsse „Politik einfach machen!“, fordert einer der jungen Menschen. „Politiker schwingen gern große Reden, sollten aber mehr Lösungsvorschläge machen.“ Und – da ist der Nachwuchs durchaus selbstkritisch: „Wir sollten mehr Interesse entwickeln“, so einer der Vorschläge. Also konkret mehr das Gespräch mit Gemeinderäten, Kreisräten und Landes-Politikern suchen.
Schließlich wolle man nicht lamentieren, sondern selbst Vorschläge machen, wie es an der Schule, in der Kommune und im Land besser werden kann. Im Juli findet die Landesjugendkonferenz in Stuttgart statt, und auch die Neckarsulmer Ideen werden dort vertreten sein.
Rektor Moritz Wald ist vom Engagement der 70 von insgesamt 2500 Schülerinnen und Schülern aus dem ganzen Landkreis beeindruckt. Dass es dabei auch darum geht, dass „Aufklärung gegen Rassismus“ zum Pflichtfach werden sollte, überrascht ihn nicht: „Wir sind eine sehr diverse und multikulturelle Schule.“ Aus rund 50 Nationalitäten stammen die jungen Menschen, die die Schule besuchen.
Dass der Jugend oft unterstellt wird, sie seien nicht an der Gesellschaft interessiert, dieses Vorurteil ist nicht nur für Josip Juratovic ausgeräumt: „Wir erleben heute genau das Gegenteil.“ Aber es sei wichtig, dass junge Menschen sich für die Umwelt, das soziale Miteinander in der Gesellschaft und auch vor Ort engagieren. Das sehen die Jugendlichen auch so: „Wir sollten die Vereine unterstützen, sonst wären wir nicht hier, wo wir sind.“
Nicht erst, wenn es um die Rente geht, sollte man sich für die Gemeinschaft interessieren, findet Juratovic. Wichtig ist auch der Start ins Berufsleben. Hier gibt es noch Verbesserungsbedarf, finden die Teilnehmer der Jugendkonferenz in Neckarsulm: „Bildung und Weiterbildung für alle möglich machen“, ist einer der Slogans. Aber auch eine spezielle Landesförderung für junge Menschen, um an – unter Umständen auch renovierungsbedürftige – Wohnungen zu kommen, sei wichtig.
Eine der frei wählbaren Gruppen beschäftigte sich mit der mentalen Gesundheit. „Da kann es schnell um Leben gehen“, stellte eine der Schülerinnen fest. Mehr psychologische Beratung, „weil viele junge Leute Probleme haben“, aber auch weniger Stress, kürzere Unterrichtstage sowie mehr Sport und Freizeit können dazu beitragen, dass es dem Nachwuchs besser gelingt, erfolgreich einen Abschluss zu machen.
Sicherheitsgefühl
Interessanterweise sind junge Menschen für mehr Videoüberwachung und Kontrollen durch die Polizei. Auch Security an den Schulen könne dazu beitragen, dass sich die, „die dort auch hingehören“, sicherer fühlen.
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