An der Jagst liegen 67 Städte und Gemeinden. Die Flussgebietsbehörde des Regierungspräsidiums Stuttgart bewertet den ökologischen Zustand der 190 Kilometer langen Jagst als unbefriedigend, den Bereich ab Seckach bis zur Mündung im Neckar als mäßig. Die Fischhegegemeinschaft Jagst ist ein seit 2002 bestehender freiwilliger Zusammenschluss von 26 Vereinen mit über 4000 Mitgliedern und Gemeinden entlang der Jagst von Neckar bis Crailsheim. Die Hegegemeinschaft verfolgt das Ziel, die Fischbestände in der Jagst gemeinsam zu hegen und zu fördern.
Zu wenig Wasser in Jagst: Angler fordern Landratsamt Heilbronn auf, zu handeln
Kraftwerksbetreiber soll zu viel Jagstwasser ableiten. Der widerspricht und erklärt, er habe das Stauwehr in der Jagst nicht erhöht. Das Landratsamt Heilbronn ist seit August informiert und prüft.

Direkt neben der Jagstbrücke in Jagsthausen ist ein beeindruckendes Wehr gebaut. Es hält die Jagst zurück. Das Wasser wird über einen Kanal zu einer Turbine umgeleitet. Die Turbine erzeugt Strom. So weit so gut. Der örtliche Fischereiverein ist sich jedoch sicher, dass der Betreiber das Wehr unerlaubt erhöht hat und somit mehr Strom erzeugen möchte.
Dadurch, so der Verein, fließe bei niedrigem Pegelstand nicht mehr genügend Wasser über das Stauwehr. Fische und Kleinstlebewesen verendeten qualvoll im darunterliegenden Jagstbett, das dann mehr einer Ansammlung größerer Pfützen gleiche, so der Verein. Der Betreiber des Wasserkraftwerks sagt, dass er nur Wehrdielen ausgetauscht habe. An der Höhe des Wehrs habe das nichts geändert.

Das sieht Marcus Götz, Gewässerwart des Fischereivereins, anders. Es sei deutlich zu sehen. Die neuen Dielen seien mindestens fünf Zentimeter höher als die alte. Was nach wenig klingt, bedeute über die Wehrlänge einen Unterschied von mehreren Kubikmetern Wasser. Und es bedeutet unter Umständen, dass die Jagst zu wenig Wasser führt. „Etwa 50 Meter nach dem Wehr kommt ein Fischbrutgebiet. Wenn der Wasserstand sinkt, wandern Fische ab und das Futter geht kaputt.“ Im August habe Götz die Erhöhung dem Landratsamt Heilbronn gemeldet. Seitdem immer mal wieder, wenn die Jagst wenig Wasser führte und die Unterschiede eklatant gewesen seien. „Es ist eine Katastrophe. Die Behörde reagiert nicht“, sagt der 58-Jährige.
Rückendeckung erhält der Fischereiverein von Markus Hannemann. Er ist Vorsitzender der Fischhegegemeinschaft Jagst, zu der 26 Vereine mit insgesamt 4000 Mitgliedern gehören. Führe die Jagst zu wenig Wasser, sei das für Fische und Kleinstlebewesen verheerend. An jedem Wasserkraftwerk gebe es einen Staumarker, der den Wasserstand oberhalb eines Wehrs anzeigt. „Und der ist einzuhalten.“ Nach Hannemanns Angaben müssen über das Wehr mindestens 800 Liter Wasser pro Sekunde fließen. Aus seiner Sicht seien die Unteren Naturschutzbehörden der Landratsämter mit den Überprüfungen trotz der Hinweise überfordert. „Sie müssten sofort verlangen, dass die Mindestwassermenge eingehalten werden muss“, sagt der 56-Jährige aus Dörzbach. Wenn ein Vergehen festgestellt wird, müsse es auch geahndet werden.
Kraftwerksbetreiber bessere immer wieder Wehrdielen aus
Betreiber der Wehranlage ist Markus Dörr aus Möckmühl. „Bei Hochwasser reißt es regelmäßig Wehrdielen weg“, sagt er. Er bessere immer wieder welche aus. Eine Erhöhung sei gar nicht möglich, meint er. „Ich bin verpflichtet, den Stau zu halten.“ Über die Nachfrage sei er verwundert. Bislang sei niemand auf ihn zugekommen.
Landratsamt gibt vor, mehrmals an der Anlage gewesen zu sein
Das zumindest erklärt das Landratsamt Heilbronn anders. Man habe das Wehr der Wasserkraftanlage in Jagsthausen mehrmals vor Ort besichtigt. Mit dem Betreiber des Wehrs habe man Kontakt aufgenommen, teilt ein Sprecher mit. Grund sei eine wechselhafte Überstauung gewesen, die man teilweise festgestellt habe, teilweise auch nicht. Der Betreiber sei im Oktober aufgefordert worden, die genehmigte Stauhöhe nicht zu überschreiten. Bei örtlichen Terminen haben man im Unterwasser – also dem Bereich nach dem Wehr – unterschiedliche Wasserstände beobachtet. Für das Landratsamt sei fraglich, ob eine Wehrerhöhung vorlag. Eine Aussage zur derzeitigen Höhe sei gesichert nur durch eine genaue Vermessung feststellbar.
Fischbestände seien aufgrund des Klimawandels eh schon schlecht
Darüber sind die Angler und Naturschützer enttäuscht. Die Fischbestände der Flüsse seien wegen des Klimawandels laut Hannemann mitunter erbärmlich. Fische, Pflanzen und Kleinstlebewesen litten eh schon. Er fordert, dass der Betreiber die Mindesteinstiegsmenge von 800 Litern Wasser pro Sekunde einhalte. Und dass er einen Plan für einen Fischaufstieg und Fischabstieg erstelle. Er gönne ihm die Stromproduktion: „Wir appellieren an den Menschen, darauf zu achten, dass die Natur nicht darunter leidet.“
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