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Putins Werbebotschafter aus der Ortenau halten Vortrag in Jagsthausen

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„Druschba-Global“ will Freundschaft mit Russen pflegen. Die vermeintlichen Friedensfahrten nach Russland entpuppen sich als prorussische Propagandareisen.


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Wer am vergangenen Sonntag zufällig in den Nebenraum des Limes Café im Leuterstal bei Jagsthausen (Landkreis Heilbronn) stolpert und gemeinsam mit 30 Gästen dem Vortrag von Reinhold Groß und Inge Moser lauscht, dem mag beim ersten Hinhören nichts merkwürdig vorkommen. Freundschaften pflegen mit Menschen in Russland, wer kann dagegen etwas einzuwenden haben?

Das Paar aus dem Ortenaukreis betont – auch vielleicht mit dem Wissen, dass ein Pressevertreter mit im Raum sitzt – dass einem die Politik egal sei. Es gehe ihnen um die Menschen. Ihre Autofahrten nach und durch Russland führten sie im Sinne der „Volksdiplomatie“ durch. Sie bestehen darauf, dass keine Tonaufnahmen gefertigt werden dürfen. Für einen verabredeten Interviewtermin zwei Tage nach ihrem Vortrag im Leuterstal sind sie nicht mehr erreichbar.

In Jagsthausen halten Putins Werbebotschafter aus der Ortenau einen Vortrag und negieren den Krieg

Groß und Moser sind die Gesichter des „Fördervereins zum bewussten Umgang mit Mensch und Umwelt“, über den die „Druschba-Fahrten“ organisiert werden. Der stellvertretende bayrische AfD-Vorsitzende Rainer Rothfuß (54) hatte mit den Russlandfahrten 2016 begonnen. Diese Reisen organisiert nun das Paar aus der Ortenau.

Rothfuß legte sein Abitur in Sinsheim ab und promovierte in Tübingen. 2024 traf er Putins Vertrauten Dmitri Medwedew im russischen Sotschi. Medwedew wird als Scharfmacher bezeichnet und drohte Deutschland mit Raketenangriffen. Rothfuß gehörte zu jenen AfD-Politikern, die die Parteivorsitzende Alice Weidel (47) wegen deren Russland-Nähe im November zurückgepfiffen hatte. Eine Anfrage an ihn bleibt bis Freitag (13. Februar) unbeantwortet.

Ein Teilnehmer einer AfD-Kundgebung im Jahr 2023 hält ein Schild in den Farben von Russland mit der Aufschrift „Druschba!!! - Freundschaft“. Der stellvertretende bayerische AfD-Vorsitzende Rainer Rothfuß gründete den Verein „Druschba-Global“. Foto: dpa
Ein Teilnehmer einer AfD-Kundgebung im Jahr 2023 hält ein Schild in den Farben von Russland mit der Aufschrift „Druschba!!! - Freundschaft“. Der stellvertretende bayerische AfD-Vorsitzende Rainer Rothfuß gründete den Verein „Druschba-Global“. Foto: dpa  Foto: Heiko Rebsch

CDU-Politiker Kiesewetter sieht in „Druschba-Global“ russische Einflussnahme

Der Aalener Bundestagsabgeordnete Roderich Kiesewetter (62, CDU) beschäftigt sich seit längerer Zeit mit russischen Softpowernetzwerken in Deutschland. Softpowernetzwerke sind von Russland eingesetzte Mittel der hybriden Kriegsführung. Es geht also offenbar darum, das Bild Russlands und den Angriffskrieg auf die Ukraine zu legitimieren. „Druschba-Global“ macht sich somit ganz offenbar zum Hilfsgefährten russischer Propaganda. Es soll das Bild des „guten“, harmlosen Russlands gezeichnet werden, russische Kriegsverbrechen sollen verharmlost werden, teilt Kiesewetter mit.

Ähnliche Vereine wie „Druschba-Global“ seien mittlerweile teilweise sanktioniert, weil deutlich erkennbar sei, dass eben kein gemeinnütziger Zweck verfolgt wird, sondern es sich um russische Einflussnahme handele, erklärt Kiesewetter.

Fahne von „Druschba-Global“ wird übergeben

Inge Moser von „Druschba-Global“ war im Jahr 2006 etwa drei Monate Gastdozentin in einer Schule im russischen Dorf Tekos. Dort wurde die Schetinin-Pädagogik entwickelt. Diese ging aus einer neureligiösen Siedlungsbewegung, in der rechtsesoterische, verschwörungsideologische, rassistische und antisemitische Vorstellungen bestehen, hervor. Moser und Reinhold Groß wollten 2010 eine Mehrgenerationensiedlung in Baden-Württemberg gründen. Dazu kam es nicht.

Während der Reise werden die Anhänger von „Druschba-Global“ immer wieder von russischen Fernsehteams begleitet, unter anderem vom Sender „Russia Today“ (RT). 2022 wurde EU-weit die Übertragung von RT-Inhalten untersagt, um die Verbreitung von Lügen zum russischen Überfall auf die Ukraine zu verhindern. In Rathäusern werden die Reise-Teilnehmer von Offiziellen empfangen. Es wird gemeinsam gegessen und am Ende des Treffens übergeben Groß und Moser eine Fahne mit dem Logo von „Druschba-Global“. Zu sehen ist darauf ein Herz, ausgefüllt mit den deutschen und den russischen Nationalfarben, sowie eine Friedenstaube und der Schriftzug „Freundschaft“ in deutscher und russischer Schrift.

Russlandfahne mit aufgemaltem Z

Es ist nicht das einzige Foto, auf dem die Teilnehmer auf ihrer Fahrt durch Russland mit einer Fahne zu sehen sind. Auf einem Foto sind Groß und Moser mit 13 weiteren Teilnehmern abgebildet. Fast alle halten eine Russlandfahne, auf der ein Z aufgemalt ist. Ein weißes Z war auf russischen Militärfahrzeugen aufgemalt, die 2014 die ukrainische Halbinsel Krim völkerrechtswidrig besetzten. Das Z steht auch für die Legitimation des Einmarsches der russischen Armee in die Ukraine.

Dass die Veranstaltung überhaupt im Limes Café stattfindet, war nicht geplant. Ursprünglich sollte der Vortrag in Limbach im Odenwaldkreis stattfinden. Doch Bürgermeister Thorsten Weber (60) bekommt Wind von der Sache und weist den Eigentümer des privaten Gebäudes darauf hin, dass mit einer Protestbewegung zu rechnen sei. „Die Bürger sind aktiv geworden.“

Kritiker der Corona-Maßnahmen zu Gast in Jagsthausen

Jörn Glotzbach hat den neuen Veranstaltungsraum organisiert. Der 64-Jährige ist promovierter Ingenieur und ein Kritiker der Corona-Maßnahmen. Glotzbach ist überaus freundlich. Er interessiere sich generell für andere Länder. „Ich habe den Wunsch, selbst mal nach Russland zu fahren.“ Zu den Kritikern der Corona-Maßnahmen von damals halte er Kontakt. Bei den Reisen finde die Verständigung auf der Ebene von Menschen statt. Ja, man könne die Reisen von „Druschba-Global“ für Propagandazwecke missbrauchen. Sein Argument: „Dass die Politik Deutschland kriegstauglich machen möchte, finde ich ganz schlecht.“

Café-Betreiberin aus Jagsthausen erhält Fahne als Geschenk

Als Glotzbach bei der Betreiberin des Limes Café anfragt, stößt er nicht auf Widerstand. „Warum denn nicht?“, erwidert Betreiberin Martina Mijailovic. Jeder, der sich wie ein normaler Mensch verhalte, bekomme einen Raum. „Wenn morgen jemand kommt, und einen Vortrag über den Klimawandel in die eine oder andere Richtung hält, ist mir das wumpe. Jeder kann sagen, was er will.“ Das tut am Ende des Abends auch Inge Moser. Nachdem Mijailovic eine Druschba-Fahne geschenkt bekommt und Moser von einem Gast befragt wird, spricht sie von einem Konflikt in der Ukraine. Das Wort „Krieg“ bringt sie nicht über die Lippen.

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