Ein urbanes Gebiet ist eine Baugebietskategorie, die vor allem dem Wohnen dient, aber auch Gewerbe sowie andere Einrichtungen erlaubt, solange sie das Wohnen nicht wesentlich stören. Im Gegensatz zum Mischgebiet muss die Nutzungsmischung nicht ausgeglichen sein. Die Kategorie wurde 2017 eingeführt, um in städtischen Lagen höhere Dichte und flexible Nutzungsmischung zu ermöglichen, als es mit bisherigen Wohngebietsarten möglich war. Typisch ist, unterschiedliche Nutzungen auch auf einzelnen Geschossen festzulegen, um kurze Wege, Arbeitsplätze und soziale Mischung zu fördern.
Wie das Innovationsquartier in Erlenbach Wohnen, Arbeiten und Natur verbindet
Hohe Dichte, vielfältige Nutzung und naturnahe Grünflächen – das Innovationsquartier Straßenäcker in Erlenbach wird konkreter. Der Gemeinderat hat dem Vorentwurf des Bebauungsplans zugestimmt.

Hohe bauliche Dichte, eine vielfältige Nutzungsmischung sowie naturnahe Frei- und Aufenthaltsräume: All das soll das Innovationsquartier Straßenäcker in Erlenbach (Landkreis Heilbronn) erfüllen. An den Plänen wird bereits seit Jahren gearbeitet. Über 50 Mal stand das Projekt mittlerweile auf den Tagesordnungen des Gemeinderats.
Jetzt ist man einen Schritt weiter: Das Gremium hat dem Vorentwurf des Bebauungsplans und der örtlichen Bauvorschriften für den ersten Abschnitt des Innovationsquartiers zugestimmt und damit den Weg für die frühzeitige Beteiligung von Bürgern sowie Behörden freigemacht.
Die Grünflächen im Erlenbacher Innovationsquartier haben auch praktischen Nutzen
Erste Einblicke in das ambitionierte Vorhaben, das von dem Büro Jott architecture and urbanism sowie dem Landschaftsarchitekturbüro Drei Eins entworfen wurde, gab es bereits, jetzt wird es konkreter. Entstehen soll in einem ersten Abschnitt auf rund vier Hektar ein urbanes Gebiet mit besonders dichter Bebauung und einer engen Mischung aus Wohnen, Arbeiten und Dienstleistungen. „Die Qualität der öffentlichen Räume ist dem Architekten sehr wichtig“, erklärt Ralf Plieninger vom Unternehmen Käser Ingenieure am Beispiel der über das Areal verteilten Grünflächen.
Eine „blaugrüne Fuge“ zwischen den Gebäuden soll allerdings nicht nur zum Verweilen einladen, sondern auch einen ganz praktischen Zweck erfüllen: „Bei Starkregen wird das Wasser nicht abgeleitet, sondern direkt vor Ort aufgenommen“, beschreibt der Bauleitplaner die Idee, die dem Prinzip der sogenannten „Schwammstadt“ folgt. Dabei bleibt Regenwasser im Quartier, wird zwischengespeichert und weiter genutzt. Praktische Nebeneffekte: Die Kanalisation wird damit entlastet, Biodiversität gefördert.
Ein zentrales Parkhaus statt mehrerer Tiefgaragen
Wie auch bei Mischgebieten üblich, wird im Straßenäcker Wohnen und Gewerbe nah beieinander geplant. Ziel sei es, „Produktion, Arbeit und Wohnen enger zusammenzubringen und so kurze Wege im Alltag zu schaffen“, sagt Ralf Plieninger.
Tiefgaragen unter den Gebäuden wird es nicht geben. Stattdessen ist ein Parkhaus mit bis zu 1350 Stellplätzen am Rand des Areals geplant. Einzelgaragen, so Plieninger, seien in dem Plan nicht ausgeschlossen, sondern durchaus zulässig. Der bisherige Plan sei lediglich als Angebot zu verstehen. Ziel sei es laut Architekt allerdings, ein verkehrsarmes Quartier zu schaffen, das entsprechend an das Busnetz angebunden werde.
Passive Schallschutzmaßnahmen und Gewerbeeinheiten sollen Autobahnlärm abhalten
Vorgesehen sind Gebäude mit mindestens sieben und höchstens acht Geschossen bei einer maximalen Höhe von 24 Metern. Die Geräusche der direkt neben dem Baugebiet verlaufenden Autobahn sollen durch passive Schallschutzmaßnahmen, aber vor allem den geplanten Gewerbebauten abgehalten werden.
Allerdings werden darüber hinaus die Unternehmen, die sich dort ansiedeln, Geräusche verursachen. Bestimmte Lärmwerte müsse man daher akzeptieren, sagt Ralf Plieninger. Diese liegen in einem urbanen Gebiet etwas höher als in einem klassischen Mischgebiet: Tagsüber sind bis zu 63 Dezibel zulässig, nachts 45 Dezibel. „Die Gewerbetreibenden sind dafür verantwortlich, dass die Geräusche nicht zu laut bei den Häusern ankommen“, so der Planer. Eine Dampfschmiede, ergänzt Erlenbachs Bürgermeister Uwe Mosthaf, wolle man natürlich nicht.
Härdtner beginnt mit Bau in diesem Jahr
Was bereits jetzt schon feststeht: Angrenzend an das Areal baut die Bäckerei Härdtner einen neuen Unternehmensstandort mit Produktion, Café und Verwaltung. Rund 200 Arbeitsplätze sollen auf der rund zwei Hektar großen Fläche entstehen. Das Grundstück hat die Gemeinde im vergangenen Jahr an das Unternehmen verkauft, die Arbeiten sollen in den kommenden Monaten beginnen. Bis es beim Innovationsquartier los geht, dauert es allerdings noch etwas.
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