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Ilsfelder „Zwiebele“ hört nach 26 Jahren als Ortsobmann auf

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Martin Frank war länger als ein Vierteljahrhundert Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Ortsvereins Ilsfeld mit Schozach. Der Nachfolger steht schon in den Startlöchern.

Martin Frank vor seinem Acker mit Winterzwiebeln. Als junger Mann hat er im Betrieb seiner Eltern mit dem Anbau von Gemüse begonnen.
Martin Frank vor seinem Acker mit Winterzwiebeln. Als junger Mann hat er im Betrieb seiner Eltern mit dem Anbau von Gemüse begonnen.  Foto: Claudia Kostner

 „Wir waren immer eine gute Truppe, das hat mich stets motiviert. Aber im Alter wird man ruhiger“, sagt Martin Frank. Seit 26 Jahren ist er Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Ortsvereins Ilsfeld mit Schozach. Bei der Hauptversammlung im März werden er und sein Stellvertreter Martin Conrad nicht mehr zur Wahl antreten. Gleichzeitig steht die Fusion mit dem Ortsverein Auenstein an. Die Nachfolger stehen zum Glück schon in den Startlöchern. „Sie sind noch jung, aber in so ein Amt wächst man rein“, weiß Frank aus Erfahrung und hofft auf neue Impulse.

Er war 35 Jahre alt, als er nach sechs Jahren als Stellvertreter zum Ortsobmann der Ilsfelder Bauern gewählt wurde. „Alle Junglandwirte sollten sich im Ehrenamt engagieren: einer im Weinbau, der andere bei der Feuerwehr, der nächste im Gemeinderat. Für mich war der Part im Ortbauernverein übrig“, erinnert sich Martin Frank schmunzelnd. „Mein Vorgänger Hermann Conrad war mein Vorbild.“

Gemeinsame Unternehmungen und Veranstaltungen haben den Zusammenhalt gestärkt

Der Verein sei damals wie heute immer aktiv gewesen. Und auch den Zusammenhalt nennt Frank vorbildlich. Wie überall gebe es zwar Konkurrenzdenken. „Aber wenn wir was initiieren, sind alle dabei.“ Sei es bei den regelmäßigen gemeinsamen Busfahrten zum Landwirtschaftlichen Hauptfest auf dem Cannstatter Wasen oder zur Agritechnica in Hannover. Sei es früher beim Kelterfest oder seit 14 Jahren bei der Herbstparty – vor allem solche publikumswirksamen Veranstaltungen im Ort würden dazu beitragen, sich bei Bürgern, die keinen direkten Bezug zur Landwirtschaft haben, ins Bewusstsein zu rücken. Auch der Austausch von Anbauflächen für eine bessere Fruchtfolge sei unter Ilsfelder Bauern eine Selbstverständlichkeit. 

Dass Martin Frank einmal in den Gemischtbetrieb seiner Eltern mit Fleckvieh, Acker- und Weinbau einsteigen sollte, zeichnete sich schon mit deren Entscheidung ab, 1974 in den Bottwarer Weg auszusiedeln. Als es soweit war, wollte er eigene Akzente setzen. „Ich habe mit Gemüse angefangen. Da hat man auch mehr Geld verdient“, erzählt der 61-Jährige. „Mit 30 Ar Gurken konnte ich mir einen Golf GTI für 10.000 Mark finanzieren.“ 1995 sei die Leitung für die Bewässerung gelegt worden. Ein Gurkenflieger wurde angeschafft. Im Lauf der Jahre stieg die Anbaufläche bis auf acht Hektar, Abnehmer war die Firma Hengstenberg. Von 2007 bis 2022 war Kohl das Hauptanbauprodukt. „Mein Sohn Christian hat sogar einen Kohl-Vollernter gebaut.“

Martin Frank musste früh Verantwortung übernehmen

Der ältere seiner beiden Söhne wird auch einmal den Hof weiterführen. Als  Martin Frank so alt war wie er – mit 31 und frisch verheiratet – hatte er überraschend die Verantwortung für den Betrieb übernehmen müssen, weil sein Vater Gerhard schwerkrank wurde. „Das war wie ein Berg vor mir“, denkt er zurück. „Zum Glück hatten wir damals schon gute Saisonarbeiter aus Polen und Portugal, die haben uns gerettet.“

Vielen Herausforderungen musste sich Frank, der außer im Ortsbauernverein auch als Laienschauspieler bei der Landjugend und bei „D’Flammebattscher“ der Ilsfelder Feuerwehr ehrenamtlich engagiert ist, seitdem stellen. Sinkende Preise für Erzeuger, steigende Löhne, immer mehr Auflagen seitens der Politik. „Nichts ist mehr planbar heutzutage, aber es gibt immer wieder einen Weg.“ Die Landwirtschaft sei nie sein einziges Standbein gewesen. „Wir hatten immer einen Zuerwerb als Zuckerrübenfahrer, durch die Entnahme von Bodenproben und den Winterdienst.“ Ohne könne kein Betrieb mehr überleben: „Es braucht immer eine Nische. Sei es mit einem Besen, mit Ferienwohnungen oder als Party-Location. In Zukunft noch mehr, weil der Weinbau wegbrechen wird“, weiß der Opa eines einjährigen Mädchens. 

Dauerthemen sind die Umgehungsstraße Ilsfeld und der Rasthof Wunnenstein

Dauerthema für ihn als Ortsobmann sind die Umgehungsstraße und die Erweiterung des Rasthofs Wunnenstein: Hier gelte es stets, so viel wie möglich der fruchtbaren Lößlehmböden für die Landwirtschaft zu erhalten. Auf ihnen gedeihen auch die Zwiebeln gut, die auf den Äckern der Familie zwar schon seit 1986 angebaut werden, auf die sich Vater und Sohn aber mittlerweile konzentrieren. Von Schalotten über Winterzwiebeln bis zu roten Zwiebeln. „Früher gab es fünf Zwiebelerzeuger in Ilsfeld, mittlerweile sind wir die einzigen“, sagt Martin Frank, der im Ort besser bekannt ist als „Zwiebele“: „Das ist Marketing, sage ich immer.“

Kinder und Landwirtschaft

„Der Bauer war schon immer der Bauer. Mobbing gab es schon damals“, blickt Martin Frank, der eine Schwester hat, auf seine Kindheit zurück. „Wenn Du in die Schule gekommen bist, hast Du nach Stall gerochen.“ Die Eltern seiner Klassenkameraden hätten den Landwirtsberuf mehr wertgeschätzt – viele kamen selbst noch aus landwirtschaftlichen Betrieben. „Das fehlt heute ganz: Der Bezug zu Pflanzen, Tieren, zur Landwirtschaft. Das ist innerhalb einer Generation total verschwunden“, bedauert der 61-Jährige. Deshalb war es ihm auch immer wichtig, dass der Landwirtschaftliche Ortsverein sich für den Nachwuchs engagiert – im Kinderferienprogramm, in der Schule oder mit speziellen Projekten wie zur Kartoffel. „Da ist mir immer das Herz aufgegangen, wenn die Kinder dreckige Finger hatten.“ Besondere Aufmerksamkeit auch über Ilsfeld hinaus bekam die Broschüre „Ortsnahe Versorgung“, die Schüler der Steinbeis-Gemeinschaftsschule in Kooperation mit dem Heimatverein und den Bauern erstellt haben. 

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