Ilsfelder Kita-Leiterinnen sind überlastet

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Die Gemeinde Ilsfeld muss für das Land mit 178.000 Euro in Vorleistung für die Freistellungszeit von Kita-Leitungen gehen. In Schnakennest, Wunderland und Regenbogen gibt es künftig ständige stellvertretende Leitungen.

Der Alltag in Kitas wird immer herausfordernder. Deshalb benötigen die Leitungen Zeit außerhalb ihrer Arbeit in den Gruppen.
Der Alltag in Kitas wird immer herausfordernder. Deshalb benötigen die Leitungen Zeit außerhalb ihrer Arbeit in den Gruppen.  Foto: dpa/Bernd Thissen

"Die Belastungsgrenze ist längst überschritten", machte die Leiterin des Fachbereichs Kinder-Jugend-Bildung, Nicole Friedrich, im Ilsfelder Gemeinderat die Herausforderungen im Alltag von Kindertageseinrichtungen deutlich. Die Organisation von Dienstplänen bei großer Fluktuation und vielen Krankmeldungen oder die intensivere Zusammenarbeit mit den Eltern bei zunehmend verhaltensauffälligen Kindern sind nur zwei von vielen Gründe, weshalb sie es auch künftig für notwendig erachtet, die Kita-Leitungen für einen bestimmten prozentualen Stellenanteil für pädagogische Leitungsarbeit freizustellen und darüber hinaus in den Kitas Schnakennest, Wunderland und Regenbogen ständige stellvertretende Leitungen einzuführen.

Kommunen müssen Geld vorschießen

Die Freistellungszeit wurde im Rahmen des Gute-Kita-Gesetzes des Landes Baden-Württemberg gesetzlich fixiert und wird bezuschusst. Allerdings verschiebt sich durch die neue Kita-Verordnung die Finanzierungsregelung. "Die Kommunen werden gebeten, bis zu einer rechtlichen Verankerung in Vorleistung zu gehen", erläuterte Nicole Friedrich. Für Ilsfeld bedeutet dies für 2025 eine Summe von 178.000 Euro. 

Aktuell sind die Leiterinnen in acht von elf Kindergärten zwischen 5,9 und 19,9 Stunden freigestellt. Dies sei für die qualitative Weiterentwicklung der Einrichtungen essenziell, so Friedrich. In den vergangenen Jahren habe sich herausgestellt, dass insbesondere die Themenfelder Personalführung und -entwicklung wie auch die Zusammenarbeit mit den Eltern in den größeren Kitas einen sehr großen Teil der Freistellungszeit einnehmen und diese oftmals überschreiten.

Erhöhter Beratungsbedarf in Erziehungsfragen

Ein zentrales Problem sei die Fluktuation durch Schwangerschaften, Verrentung, Arbeitgeberwechsel oder Arbeitszeitreduzierung. Auch die Zusammenarbeit mit den Eltern ist laut Friedrich intensiver als je zuvor. Der Beratungsbedarf in Erziehungsfragen und Paarkonflikten sei erhöht, die Beschwerdementalität nehme deutlich zu. Außerdem gebe es immer mehr Kinder mit herausforderndem Verhalten - "teilweise drei bis sechs Kinder pro Gruppe - ohne Diagnose".

All das mache es erforderlich, künftig in den Kitas Schnakennest (fünfgruppig), Wunderland (viergruppig) und Regenbogen (dreigruppig) ständige Stellvertretungen mit einem Freistellungsumfang zwischen 5,8 bis 7,8 Wochenstunden einzusetzen. Und dies müsse durch eine Erhöhung des Personalschlüssels in der Gruppenzeit ausgeglichen werden. Das hat auch finanzielle Auswirkungen: Die Verwaltung rechnet mit Mehrkosten von rund 51.600 Euro. 

Gemeinderat Andreas Golter (CDU) kritisierte den Vorstoß angesichts der prekären Finanzsituation der Gemeinde. "Wo können wir das Geld wieder einsparen? Ich habe nicht gesehen, dass Ihr Fachbereich im Rahmen der Haushaltsstrukturkommission seinen Beitrag leistet", wandte er sich an Nicole Friedrich. Einsparpotenzial sehe sie beispielsweise in der Mittagsversorgung von VÖ-Kindern. "Das ist eine Freiwilligkeitsleistung, aber über Personal werde ich nicht diskutieren", entgegnete Friedrich. "Wir müssen um jede einzelne Person täglich kämpfen." Als Kooperationslehrerin habe sie Einblick in die Arbeit der Erzieherinnen, betonte Kerstin Mächtig (BWV): "Bildung ist das, wo wir am wenigsten sparen sollten."

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