Kneipaurant Hasenrupfer in Ilsfeld wird 30 – was es mit dem Namen auf sich hat
Seit bald 30 Jahren bewirten Alexandra und Gert Wiesner ihre Gäste im Kneipaurant Hasenrupfer in Ilsfeld. Was sich in drei Jahrzehnten verändert hat – und was gleich geblieben ist.
Es gibt Momente, da müssen selbst alte Hasen in der Gastronomie schlucken. Noch heute sind Alexandra und Gert Wiesner gerührt, wenn sie an diesen einen Kunden denken. Es ist die Corona-Zeit, Essen zum Abholen steht auf der Tagesordnung.
Der Kunde hinterlässt deutlich mehr Geld als die Bestellung kostet. Die Gastronomen weisen darauf hin, doch der junge Mann sagt nur: „Das ist schon richtig so. Ich will doch, dass mein Lieblingsrestaurant die Pandemie überlebt.“ Das Kneipaurant Hasenrupfer in Ilsfeld hat nicht nur die Corona-Zeit überlebt. Es besteht seit bald 30 Jahren. Und gerne noch einige Jahr mehr.
Kneipaurant Hasenrupfer entsteht in Ilsfeld im eigenen Garten
Alexandra und Gert Wiesner stammen aus Ilsfeld, kennen sich seit Kindheitstagen. Beide absolvieren Ausbildungen in der Branche, er als Koch, sie als Hotelfachfrau. Anschließend klappern sie gemeinsam mehrere Stationen ab. Seit 42 Jahren sind sie ein Paar, das sich anfangs deutschlandweit nach einem Lokal umsieht. „Unsere Prämisse war: Wir pachten nicht, wir kaufen“, erzählt Gert Wiesner. Doch kein Objekt passt so richtig. Da schlägt ein beratender Architekt vor: Warum nicht in den eigenen Garten bauen?
So entsteht der Hasenrupfer an der Ecke Vorstadtstraße/Auensteiner Straße, wo zuvor eine Scheune steht. 1996, kurz vor Weihnachten, ist Eröffnung. „Es ist vom ersten Tag an gut gelaufen“, sagt Gert Wiesner. Trägt dazu auch die Bezeichnung „Kneipaurant“ bei? Die hat sich das Paar beim Patentamt eintragen lassen.

„Damals gab es mehr gehobene Gastronomie und mehr Beizen, aber wenig dazwischen“, erzählt Gert Wiesner. Aber wohin nach dem Sport oder dem Kinobesuch, wenn es in der Gruppe verschiedene Wünsche gibt? „Im Restaurant ist man fast gezwungen, etwas zu essen. In der Kneipe gibt es oft nichts.“ Die Lösung aus Sicht des Paars damals: ein Zwischending, das Kneipaurant. Und Hasenrupfer gilt als Spitzname der Ilsfelder.
Viele Stammgäste im Kneipaurant Hasenrupfer in Ilsfeld
Inzwischen ist der Hasenrupfer freilich mehr Speiselokal, dass Gäste wie früher „verhocken“, ist selten geworden. Auf ihre Kundschaft lassen Wiesners nichts kommen, der Anteil an Stammgästen liege bei 90 Prozent. „Mich freut’s immer sehr, wenn junge Leute kommen, um hier als Gruppe Schnitzel zu essen“, sagt Alexandra Wiesner. Und anschließend ins Nachtleben starten. Sohn Charles, fast genauso alt wie das Lokal, wird es übrigens nicht übernehmen.
Schwächste Zeit ist im Hasenrupfer der Sommer, in den Sommerferien ist das Lokal mehrere Wochen geschlossen. Biergärten, Seen, Grill- und Weinfeste in der Umgebung – die Konkurrenz sei dann groß. Und womöglich auch die innerörtliche Lage nicht optimal, trotz der überdachten Terrasse, die vor ein paar Jahren als Corona-Projekt entsteht.
Allgemeine Entwicklungen in der Gastronomie bemerkt auch das Ehepaar. Wenn sich mal Job-Interessierte melden, dann häufig mit dem Wunsch nach unangemeldeter Arbeit. Für Wiesners ein Unding. Umso schöner, wenn sich dann doch neue Helfer finden. Apropos: Der Festangestellte Daniel Pelc kocht bereits seit 28 Jahren im Hasenrupfer. Neben der seit Jahrzehnten kaum veränderten Standard- gibt es auch eine Lustkarte – zusammengesetzt aus Gästewünschen. Fast alles sei selbstgemacht, „von Soßen bis zu Salaten“.
30 Jahre Hasenrupfer in Ilsfeld und mehr
In 30 Jahren kommt freilich mal der Gedanke auf, wie es in einem anderen Beruf ohne Selbstständigkeit wäre. „Wenn wir in anderen Branchen schaffen würden, hätten wir vielleicht einen höheren Verdienst. Aber hier sind wir selbstbestimmt, können nach unseren Vorstellungen mit den Gästen umgehen“, sagt Alexandra Wiesner.
„Uns macht unser Geschäft Spaß“, ergänzt ihr Ehemann. „Auch wenn es manchmal nicht so wertgeschätzt wird.“ Der Gastronom denkt an andere Handwerker, die mehr draufschlagen können als Wirte. Aber sei’s drum. Im Hasenrupfer darf es gerne weitergehen, gerne bis zum 40-jährigen Jubiläum.
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