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Interview
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"Ich war schon immer ein politischer Mensch"

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Armin Waldbüßer von den Grünen blickt auf 40 Jahre im Gemeinderat Obersulm zurück. Die Kommune voranzubringen und Verantwortung zu übernehmen, sind sein Antrieb. Der Traum vom Bürgermeister blieb jedoch unerfüllt. 

Armin Waldbüßer hat sich für das Foto das Sportgelände in Sülzbach, wo sein Wahlkreisbüro ist, ausgesucht. Hier spenden große, alte Bäume bei der Sommerhitze Schatten.
Armin Waldbüßer hat sich für das Foto das Sportgelände in Sülzbach, wo sein Wahlkreisbüro ist, ausgesucht. Hier spenden große, alte Bäume bei der Sommerhitze Schatten.  Foto: Christiana Kunz

Er ist inzwischen der dienstälteste Gemeinderat in Obersulm. Vor 40 Jahren zog Armin Waldbüßer erstmals ins Gremium ein. Auf Anhieb erreichten die Grünen bei ihrer ersten Kandidatur drei Sitze. Wie wurde die damals noch junge Partei von den Etablierten beäugt? Wie hat sich die kommunalpolitische Arbeit verändert? Darauf gibt der 63-jährige Willsbacher Antworten und begründet auch, warum er unbedingt Bürgermeister seiner Heimatgemeinde werden wollte: "Ich wollte gerne Verantwortung übernehmen."

Herr Waldbüßer: Was war Ihr Antrieb, in die Kommunalpolitik zu gehen?

Armin Waldbüßer: Außer Hermann Hohl gab es vor 40 Jahren keinen jungen Gemeinderat. Einer der Gründe war: Damals wurde die Jugendhausinitiative gegründet, die wir unterstützten. Deshalb haben die Grünen gesagt, wir müssen eine Stimme im Gemeinderat haben.

Erinnern Sie sich noch an die erste Sitzung?

Waldbüßer: Ja. Damals wussten wir gar nicht genau, wie das abläuft. Ich habe im Vorfeld schon ausgerechnet, welche Sitze uns in den Ausschüssen zustehen.

Vor 40 Jahren waren die Grünen in Obersulm doch bestimmt noch "Exoten". Wie sind sie im Gremium aufgenommen worden?

Waldbüßer: Wir waren für die FWV, UBV, CDU und SPD etwas unberechenbar. Wir sind schon auf Ablehnung gestoßen, was wir als Bösartigkeit empfunden haben. Heute sage ich, es war Unsicherheit der anderen uns gegenüber.

Hätten Sie gedacht, dass Sie so lange dabeibleiben?

Waldbüßer: Wenn ich etwas mache, ist das wohlüberlegt, und dann bleibe ich dabei. Ich war schon immer ein politischer Mensch und daran interessiert, mich einzubringen, Themen zu setzen, Leute zu unterstützen und die Gemeinde voranzubringen. Ich mache sehr gerne ehrenamtliche Arbeit.

Was fasziniert Sie an der Kommunalpolitik?

Waldbüßer: Der direkte Bezug zu den Leuten vor Ort. 

Wie hat sich die Gemeinderatstätigkeit verändert?

Waldbüßer: Sie ist professioneller geworden, aus meiner Sicht auch kollegialer. Die Zusammenarbeit mit der Verwaltung ist sehr gut, sie ist vertrauensvoll. 

Der Ton ist rauer geworden in der Gesellschaft. Heutzutage ist man schnell unsachlichen Angriffen ausgesetzt. Wie gehen Sie damit um?

Waldbüßer: Bei mir ist das weniger der Fall, wenn ich daran denke, was andere Grüne abkriegen. Jeder hat sein Thema, und wenn das nicht in seinem Sinne funktioniert, ist er frustriert. Das war früher nicht so. Das ist traurig. Wir sind ein Gemeinwesen, und wir müssen schauen, was für die Allgemeinheit wichtig ist. Am wichtigsten ist mir, die Probleme zu lösen.

Ihr Traum ist geplatzt. Sie wollten unbedingt Bürgermeister werden und sind vier Mal angetreten. Warum?

Waldbüßer: Weil ich gern Verantwortung übernehmen wollte. Ich war mit den Bürgermeistern nicht zufrieden und wollte 1988 eine Alternative zu Horst Finkbeiner sein, 1996 und 2004 zu Harry Murso. Und weil ich 2009 gute Ergebnisse bei den Kommunalwahlen erzielt habe und auch Ortsvorsteher wurde, habe ich mir 2011 gegen Tilman Schmidt schon Chancen ausgerechnet.

Haben Sie es Harry Murso und Tilman Schmidt krumm genommen, dass diese Sie deutlich geschlagen haben? Ihr Verhältnis zu beiden war spürbar angespannt.

Waldbüßer: Umgekehrt. Harry Murso hat es mir krumm genommen. Ich habe beide immer auch unterstützt, wenn es um Investitionen ging. Natürlich bin ich ein kritischer Begleiter. Das ist die Aufgabe eines Gemeinderats. Aber feindlich war das Verhältnis zu beiden nie.

2009 hat es endlich geklappt, Willsbacher Ortsvorsteher zu werden, aber mit deutlich Gegenwind aus Ortschafts- und Gemeinderat. Warum sind Ihnen Ämter so wichtig?

Waldbüßer: Ich möchte Verantwortung übernehmen. Obwohl ich dreimal die meisten Stimmen hatte - die Bürgerschaft wollte, dass ich Ortsvorsteher werde - wurde ich erst im dritten Anlauf gewählt. Das Amt ist ein toller Job direkt vor Ort.

Nach zwei vergeblichen Anläufen sind Sie 2021 in den Landtag eingezogen. Ist damit ein neuer Traum in Erfüllung gegangen?

Waldbüßer: Ja schon. Ich bringe ja eine lange kommunalpolitische Erfahrung mit und mache jetzt auf Landesebene Erfahrungen. Ich arbeite gern als Netzwerker zwischen den Kommunen, den Verbänden und der Landesregierung.

Was hat Obersulm den Grünen zu verdanken?

Waldbüßer: Sehr viel. Zum Beispiel, dass schon in den 1990er Jahren ein Radwegkonzept gemacht wurde, das leider in der Schublade geblieben ist. Jetzt kommt ein neues. Dann die Biotopvernetzung mit großem Engagement der Verwaltung. Und: Dass man grüner denkt.

Welche Entscheidung war im Rückblick falsch?

Waldbüßer: Der Standort des Sportcentrums fernab von der Michael-Beheim-Schule und der Standort des Gewerbegebiets an der Dimbacher Straße. Hier wäre der Standort Breitäcker der bessere gewesen.

Wie gehen Sie damit um, dass jetzt ein AfD-Kreisrat für die neue FBO-Liste im Gemeinderat sitzt?

Waldbüßer: Ich finde das bedenklich, dass so viele Leute die AfD wählen und nicht wissen, wie gefährlich sie ist. Der Verfassungsschutz stuft sie ja als rechtextremistischen Verdachtsfall ein. Das gute Wahlergebnis erschreckt mich.

Wird sich die Diskussionskultur im Gremium verändern?

Waldbüßer: Das wird sich zeigen, im Kreistag haben wir bisher diese Erfahrung nicht gemacht. Man muss streng nach der Geschäftsordnung des Gemeinderats gehen, um Diskussionen im Rahmen zu halten.

Sie sind auch noch Vorsitzender des TSV Willsbach und Bioladen-Inhaber: Wie kriegen Sie alles unter einen Hut?

Waldbüßer: Das ist manchmal nicht einfach.

Haben Sie überhaupt noch Zeit für Entspannung und Hobbys?

Waldbüßer: Politik ist meine Leidenschaft, deshalb habe ich nicht viel Zeit für weitere Hobbys. Trotzdem nehme ich mir Zeit für meinen Sohn, meine Freunde und fürs Radfahren.

Armin Waldbüßer ist 63 Jahre alt und hat einen 29-jährigen Sohn. Ein Jahr nach seinem Beitritt in die Grünen-Partei wurde er 1984 in den Gemeinderat Obersulm gewählt, ist Fraktionsvorsitzender und seit 1986 auch Ortschaftsrat in Willsbach. Von 2009 bis 2024 war er Ortsvorsteher. Waldbüßer sitzt seit 1989 im Heilbronner Kreistag und gehört seit 2004 dem Regionalverband Heilbronn-Franken an. 2021 errang er das Direktmandat im Wahlkreis Neckarsulm für den Landtag. Zudem ist der Willsbacher seit 2009 auch Vorsitzender des örtlichen TSV.  

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