Hoher Krankenstand von Kita-Personal: Forderung ist unrealistisch

  
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Dass Personal in Kindertagesstätten häufiger krank ist als andere Berufsgruppen, dafür gibt es viele Gründe, meint unsere Autorin.

Von Sabine Friedrich
Die Anforderungen an das Personal in Kindertagesstätten ist hoch. Das wirkt sich auf die Gesundheit aus.
Die Anforderungen an das Personal in Kindertagesstätten ist hoch. Das wirkt sich auf die Gesundheit aus.  Foto: Monika Skolimowska

Erzieherin in einer Kindertagesstätte zu sein, ist ein schwerer Beruf. Die Belastungen sind hoch. Viele Eltern überlassen die Erziehung der Betreuungseinrichtung. Kinder mit mangelnden Sprachkenntnissen oder Sprachfähigkeit bedürfen einer besonderen Förderung, ein Wust von bürokratischen Aufgaben will erledigt sein. Und dann sind da noch die Ansprüche, die von den Erziehungsberechtigten, Politik und Gesellschaft in Sachen frühkindlicher Bildung formuliert werden. Zudem sind Kitas ein idealer Ort der Ansteckung. 

Kein Wunder, dass der Krankenstand deutschlandweit um die Hälfte höher ist als in allen anderen Berufsgruppen. Es ist ein Teufelskreis: Je mehr Personal ausfällt, desto mehr werden die gesunden Kräfte belastet, und je knapper die Personalsituation, desto ungünstiger sind die Arbeitsbedingungen, was sich wiederum auf die (psychische) Gesundheit negativ auswirkt. Zwar haben viele Kommunen einen Springerpool, dieser will aber auch erst mal angesichts des Fachkräftemangels gefüllt sein. Und bei Grippewellen ist er schnell erschöpft. Die Folge: Öffnungszeiten müssen reduziert, im schlimmsten Fall können nur Notgruppen betrieben werden.

Das Fachkräfte-Forum aus den Bundesländern präsentiert die vermeintliche Lösung: ein Gesetz, das qualifiziertes Personal für alle Ausfallzeiten finanziert. Das ist fern jeglicher Realität. Denn wer soll bei einem fast leergefegten Markt die bundesweit errechneten 97 000 Vollzeitstellen besetzen? Und wer die jährlichen Kosten von 5,8 Milliarden Euro stemmen? Der schwarze Peter würde wieder den Trägern auf kommunaler Ebene zugeschoben, so wie das beim Rechtsanspruch für Ganztagsbetreuung in der Grundschule, der 2026 kommt, der Fall ist. Auch da werden die Kommunen von einer chaotischen Bundes- und Landespolitik allein gelassen. Die Vorgaben lassen sich in der Praxis gar nicht umsetzen. 

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