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Bauarbeiten in Weinsberg
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Hirschbergstraße in Weinsberg bekommt Auffangbecken, das bei Starkregen hilft

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Ein neuer Stauraumkanal speichert Ab- und Oberflächenwasser und gibt es gedrosselt ab. Projekt kostet die Stadt Weinsberg 1,5 Millionen Euro. Die Arbeiten starten am 27. August.

Stadtbaumeister Nicolas Rautenberg mit der Detailplanung für den Stauraumkanal, der in der Hirschbergstraße nach der Tiefgarageneinfahrt Traubenplatz gebaut wird.
Stadtbaumeister Nicolas Rautenberg mit der Detailplanung für den Stauraumkanal, der in der Hirschbergstraße nach der Tiefgarageneinfahrt Traubenplatz gebaut wird.  Foto: Sabine Friedrich

Bei der Luftbildauswertung wurden Bombentrichter entdeckt. Der Verdacht hat sich aber nicht bestätigt. In der Hirschbergstraße befinden sich keine Kampfmittel aus dem Zweiten Weltkrieg. Am 12. April 1945 war fast die gesamte Altstadt Weinsbergs durch einen Luftangriff, der zu einem Großbrand führte, zerstört worden. Dass bei Bohrungen keine Altlasten gefunden wurden, ist eine gute Nachricht für die Stadt, kann sie doch nun damit beginnen, in der Hirschbergstaße einen Stauraumkanal einzubauen.

Wegen der Kampfmittelverdachtsfläche, so berichtet Stadtbaumeister Nicolas Rautenberg, habe die Stadt vom Kampfmittelbeseitigungsdienst die Auflage erhalten, eine Tiefensondierung vornehmen zu lassen. Dafür musste die Stadt 44.000 Euro berappen. „Bei jeder Baumaßnahme mit einem Eingriff in den Untergrund muss man eine Verdachtsforschung machen“, klärt Rautenberg auf.  „Sie würden hier längst ein großes Loch sehen“, wenn die Sondierung der Fachfirma, die im Frühjahr 2024 erfolgte, etwas entdeckt hätte, meint Rautenberg. 

Wenn Kanal überläuft, gelangt Abwasser ungefiltert in den Bach

Warum braucht die Hirschbergstraße einen Stauraumkanal? Es gibt zwar einen Regenüberlauf, wenn aber bei Starkregen der Kanal ausgelastet ist, läuft das Abwasser ungefiltert in den Vorfluter, den Stadtseebach. „Das ist nicht mehr zulässig“, beschreibt Rautenberg die Notwendigkeit. Im historischen Ortskern habe Weinsberg ein Mischwassersystem. Daran lasse sich nichts ändern.

Folglich muss Weinsberg ein Volumen schaffen, um denn Kanal zu entlasten. Das neue Bauwerk wird 375 Kubikmeter fassen können. Darin eingerechnet ist das Rückstauvolumen für die Weinbauschule, die auf ihrem Grundstück keine Auffangmöglichkeit realisieren könne.

In einem kleinen Abschnitt ist Vollsperrung notwendig

Die Baumaßnahme startet am Mittwoch, 27. August, so dass die Hirschberg-,  Urban- und Hildtstraße von der Vollsperrung betroffen sind in einem etwa 100 Meter langen Abschnitt zwischen der Ausfahrt der Tiefgarage Traubenplatz und der Einfahrt zu einer privaten Tiefgarage des Gebäudes Hirschstraße 10. Die Anlieger-Parkplätze können im Baustellenbereich nicht benutzt werden.

Die Zufahrt zur städtischen Tiefgarage sei teilweise möglich und werde über eine Ampel geregelt, gibt Rautenberg Auskunft. Allerdings sind die Parkflächen vom 22. bis 26. September nicht anfahrbar, wenn der Kanal in diesem Bereich erneuert werden muss. Rautenberg weist auf die Parkmöglichkeiten in der Kernerstraße und am Grasigen Hag als Ausweichmöglichkeit hin. 

Fertigstellung ist im Februar 2026 vogesehen

Voraussichtlich Mitte Oktober, äußert sich der Stadtbaumeister zum Zeitplan, könne die Hirschbergstraße wieder frei gegeben werden. Ein ehrgeiziges Ziel, gibt er zu. Die Baufertigstellung mit Erneuerung der Fahrbahn erstrecke sich bis Februar 2026. 

Für den Stauraumkanal muss 4,50 Meter tief gegraben werden. Der Innendurchmesser beträgt drei Meter. Im Eingangsbereich der Tiefgarage wird ein Drosselbauwerk erstellt. Dieses misst den Zulauf und steuert, ob Wasser gestaut wird oder nicht. Ab einer gewissen Überschreitung geht der Stauraumkanal dann in den Einstau. 

Ein riesiger Kran ist nicht notwendig, um die tonnenschweren Betonteile einzupassen. Die Firma Uhrig, Straßen- und Tiefbau aus Geisingen, wende ein Spezialverfahren an, sagt Rautenberg, und arbeite mit einem Großbagger.

Land übernimmt Kostenanteil für die Weinbauschule

„Aus unserer Sicht wird es keine große Beeinträchtigung für den Verkehr geben“, sagt Rautenberg. Die Hirschbergstraße, einer der längeren in der Stadt, sei keine Durchfahrtsstraße.  

Auf 1,5 Millionen Euro beläuft sich die Baumaßnahme. Das Land Baden-Württemberg beteiligt sich an den Kosten  für das Volumen des Stauraumkanals, das für die Weinbauschule benötigt wird, rund 26,7 Prozent.

STICHWORT

Eigentlich hätte die Stadt gerne die Komplettsanierung der Hirschberg- und Urbanstraße gleich an die jetzt anstehende Baumaßnahme angeschlossen. Durch das Spezialverfahren für den Stauraumkanal benötigt die Firma jedoch keine sieben, sondern nur zwei Monate. So schnell schafft die Stadt die Planung nicht. Kanal-, Wasser- und Stromleitungen werden 2026, so denn der Gemeinderat zustimmt, erneuert ebenso wie die marode Fahrbahn, die Schlaglöcher oder abgesackte Schächte aufweist. Die Pflasterzeilen brechen aus und werden nicht erneuert. Die Gehwege werden saniert, die Straßenbeleuchtung ersetzt, es ist eine Grünflächengestaltung mit Neuordnung des Parkens vorgesehen. Der Trampelpfad von der Hirschbergstraße ins Stadtseebachtal soll auf Wunsch von Einwohnern zu einem Fußweg ausgebaut werden. Ein Regenwasserkanal wird geschaffen, Hausanschlüsse neu verlegt, zählt Rautenberg auf und schätzt die Kosten auf rund zwei Millionen Euro. 

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