Cornelia-Terezia Neatu ist Internistin, Kardiologin und Intensivmedizinerin. Sie kommt ursprünglich aus Rumänien und ist seit knapp 25 Jahren Ärztin bei den SLK-Kliniken. Seit 15 Jahren ist sie Oberärztin und gehört heute zum Team von Professor Thomas Dengler, Direktor der Kardiologie, Angiologie und Intensivmedizin, das am 13. November den Vortrag „Stärke Dein Herz! Herzschwäche erkennen und behandeln.“ hält. Los geht es um 18.30 Uhr im Klinikum am Plattenwald in Bad Friedrichshall (Raum Neckar 1+2). Abschließend kann Wiederbelegung geübt werden.
Wie eine Herzschwäche entsteht – SLK-Expertin spricht über Ursachen
SLK-Oberärztin Cornelia-Terezia Neatu erklärt, wie eine Herzschwäche entsteht und wie man der Krankheit vorbeugen kann. Alle Infos zu Symptomen und Behandlung.
Ein schwaches Herz ist eine häufige medizinische Diagnose – Tendenz steigend. Gleichzeitig sinkt laut der Deutschen Herzstiftung die Zahl der Todesfälle aufgrund einer solchen Herzinsuffizienz.
Bei den sogenannten Herzwochen im November steht die Krankheit dieses Jahr im Fokus. Wie man sie erkennt, behandelt und warum es nicht nur wichtig ist, regelmäßig zum Arzt zu gehen, erklärt Oberärztin Cornelia-Terezia Neatu im Interview.
Ein schwaches Herz pumpt nicht genug Blut und sorgt für eine geringere Leistungsfähigkeit. Ist diese vereinfachte Zusammenfassung korrekt?
Cornelia-Terezia Neatu: Vereinfacht gesagt, stimmt das, vor allem für die Herzschwäche mit hochgradig eingeschränkter Herzleistung. Es gibt aber verschiedene Formen. Zum Beispiel kann die Pumpfunktion erhalten bleiben, die Herzwände sind aber so verdickt, dass das Herz weniger elastisch ist. Zudem gibt es eine Form mit einer mittelgradig eingeschränkten Pumpfunktion.
Wie entsteht eine Herzschwäche?
Neatu: Es gibt eine lange Liste von Ursachen. Die häufigste ist ein hoher Blutdruck, der nicht gut behandelt ist. Der Herzinfarkt ist auch eine häufige Ursache, also Durchblutungsstörungen am Herz. Diabetes führt indirekt auch zu solchen Durchblutungsstörungen. Manchmal sind es aber auch Infektionen, eine Grippe zum Beispiel.
Es stimmt also, dass eine Grippe aufs Herz gehen kann?
Neatu: Nach einem Infekt sollte man nicht gleich mit intensivem Sport anfangen. Da sollte man schon warten. Aber nicht jede Grippe oder jeder Virusinfekt führen zu einer Herzschwäche. Wenn die Beschwerden länger anhalten, dann ist eine Kontrolle angebracht. Es gibt aber ganz viele Infekte und nur ganz wenige Patienten kriegen als Folge eine Herzschwäche.
Beim Thema Herzschwäche denkt man eher an Personen im Rentenalter. Sind auch Jüngere betroffen?
Neatu: Das hängt von der Ursache ab. Es gibt auch angeborene Herzschwächen, da treten die Probleme schon im jüngeren Alter auf. Ansonsten ist es schon eher eine Erkrankung der Älteren, die eher die genannten Risikofaktoren haben: hoher Blutdruck, Diabetes, hohe Cholesterinwerte, Durchblutungsstörungen der Herzkranzgefäße und Übergewicht.
Ein Herzinfarkt kann zwar zu dauerhaften Einschränkungen führen, tödlich ist er aber immer seltener. Woran liegt das?
Neatu: Das liegt an der immer besser werdenden Technik. Es gibt inzwischen überall Herzkatheter-Plätze. Die meisten Kliniken gewährleisten auch eine 24-Stunden-Bereitschaft. Auch die Stents (Anm. d. Red.: ein Hilfsmittel, das ein verengtes Gefäß offen hält) werden immer besser, so dass immer mehr Patienten Herzinfarkte überleben. In der Folge entwickeln einige aber eine Herzschwäche.
Was ist ein Herzkatheter?
Neatu: Das ist eine interventionelle Darstellung der Herzkranzgefäße. Man geht meistens an der Arterie am Handgelenk mit einem Katheter rein bis zu den Herzkranzgefäßen und stellt diese mit Kontrastmitteln dar. So kann man zum Beispiel gut einen Verschluss oder eine Verengung sehen. Man kann in der gleichen Sitzung einen Stent einsetzen. Dadurch verhindert man, wenn man es frühzeitig macht, dass sich eine Narbe bildet und durch die Narbe eine Herzschwäche entsteht.
Je schneller man also reagiert, desto besser.
Neatu: Ja, Zeit ist Muskel. Je schneller ich das Gefäß aufmache, desto eher kann ich Herzmuskeln retten.
Wie erkennt man einen Herzinfarkt? Das ist bei Männern und Frauen unterschiedlich, oder?
Neatu: Das hat man lange gedacht. Es gibt jetzt aber Daten, die zeigen, dass es nicht unbedingt so ist. Das typische Anzeichen für einen Infarkt ist ein plötzlich auftretender, starker Schmerz im linken Brustkorb, mit Ausstrahlung auf den Hals oder den Rücken, oder im Arm oder im Oberbauch. Manche haben auch Luftnot.
Welche Symptome haben Betroffene mit Herzschwäche?
Neatu: Der Patient hat Beschwerden wie Luftnot bei Belastung, er kann nicht mehr Treppen hochlaufen, kann nicht mehr das machen, was er vorher gemacht hat.
Sollte man auch ohne Symptome regelmäßig sein Herz untersuchen lassen?
Neatu: Check-ups beim Arzt sind auf jeden Fall gut. Viel wichtiger ist aber ein gesunder Lebensstil. Das ist die erste Vorsorge, die ich selber treffen kann. Das heißt gesund essen, mich bewegen, Stress reduzieren zum Beispiel mit Entspannungstechniken. Dafür sorgen, dass man kein Diabetes bekommt, dass man keinen hohen Blutdruck hat, dass die Cholesterinwerte niedrig sind.
Gibt es auch die Chance, eine Herzschwäche vollkommen zu heilen?
Neatu: Das hängt von der Ursache ab. Es gibt Formen von Herzschwäche, die sich tatsächlich wieder komplett verbessern können. Wenn aber zum Beispiel nach einem Herzinfarkt eine Narbe da ist, geht diese nicht mehr weg. Ich kann aber mit Medikamenten die Herzleistung trotzdem verbessern. Zum Glück haben wir ja mittlerweile viele potente Medikamente, mit denen wir das Leben deutlich verlängern und die Lebensqualität verbessern können.

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