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Genossenschaftskellerei Heilbronn

Herbstauftakt in der Region Heilbronn: Genossenschaftskellerei ist gerüstet für die Lese

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Genossenschaftskellerei Heilbronn erwartet einen guten Jahrgang 2025. Die Trauben sind derzeit sehr gesund. Im Drei-Schicht-Betrieb wird in den Annahmestellen gearbeitet.

Die letzten Edelstahl-Gärtanks werden gesäubert. Die Genossenschaftskellerei Heilbronn ist für den Herbstauftakt an diesem Montag gerüstet.
Die letzten Edelstahl-Gärtanks werden gesäubert. Die Genossenschaftskellerei Heilbronn ist für den Herbstauftakt an diesem Montag gerüstet.  Foto: Berger, Mario

Die Abfüllanlage läuft in der Genossenschaftskellerei Heilbronn auf Hochtouren. Parallel sind die Mitarbeiter mit den letzten Vorbereitungen beschäftigt, bis es los geht mit dem großen Ansturm. In dieser Woche startet die Lese, an ein bis zwei Tagen, an denen noch einmal Trauben für Federweißer angenommen und verarbeitet werden und die ersten frühen Sorten Müller-Thurgau, Acolon und Dornfelder eintreffen. „Ab 9. September wird dann täglich gelesen“, sagt Geschäftsführer Daniel Drautz. Sehr gesunde Trauben und mengenmäßig einen guten Jahrgang erwarten er und Tobias Zeller, Betriebsleiter für Technik und Önologie.

„Wir füllen jetzt so viel ab, dass wir die Zeit überbrücken können“, erklärt Drautz. Denn mit Beginn des Herbsts fließt erst mal vier bis sechs Wochen lang kein Wein und Sekt in Flaschen, denn der Focus liegt ganz auf der Einbringung der Lese. „Wir gucken, dass wir das Lager voll bekommen.“

Lagerweine haben Platz in den Gärtanks gemacht

Um Kapazitäten für den neuen Jahrgang zu schaffen, sind jetzt auch die  Gärtanks geleert worden. Die Lagerweine reifen nun in den Lagertanks. Mitarbeiter sind noch mit der Säuberung der Riesen aus Edelstahl beschäftigt. In  Heilbronn reihen sich allein 30 dieser Exemplare. 29.900 Liter fasst jedes Stück. Gigantische 25 Millionen Liter Gesamtlagervermögen summieren sich in den Kellern in Heilbronn, Grantschen und Flein. 

Es stapeln sich noch einige Teile, die montiert werden müssen. Zwei Tage benötige der betriebseigene Schlosser, die komplett auseinander gebaute Traubenpresse wieder zusammen zu montieren. „Alles wird auseinander gebaut“, erklärt Zeller. Und zwar direkt nach dem Herbst. Die ganze Technik wird überprüft, gewartet und repariert. Im Pumpentrichter standen zwei Antriebe zur Revision an. „Es bedarf eines Vorlaufs von Monaten, bis die Ersatzteile geliefert sind“, berichtet der Kellermeister.

Saisonarbeiter unterstützen die Mannschaft

„Hier geht′s nächste Woche rund“, sagt er bei der Traubenannahme. Zwei Linien – meist getrennt nach Rot und Weiß – sorgen dafür, dass die gefüllten Zuber zügig vom Rollband in den Trichter gekippt werden können. 

„Das Kellerteam ist natürlich kribbelig“, weiß Zeller von der Anspannung vor der Hochzeit im Keller. „Dann beginnt eine ganz andere Zeitrechnung.“ Zehn teils langjährige Saisonarbeiter aus Rumänien und vier ehemalige Beschäftigte in Rente werden als Unterstützung für die 85 Mitarbeiter benötigt, schließlich wird rund um die Uhr im Drei-Schicht-Betrieb gearbeitet. 

Jede Woche wird der Reife-Fortschritt für den Leseplan beobachtet

Das Kellerteam ist auch in den Weinbergen unterwegs, sammelt mit den Wengertern und der Verwaltung Informationen über das Mostgewicht und den Gesundheitszustand der Trauben. Danach wird der Leseplan festgelegt. „Für den ersten kriegt man nie Lob“, erzählt Drautz. Der Reife-Fortschritt sei im großen Einzugsgebiet der WG Heilbronn unterschiedlich, so dass sechs bis sieben Lesepläne pro Saison notwendig seien.

„Über den Vegetationsverlauf können wir nicht klagen“, meint Drautz. Der Regen im Sommer kam nach der Trockenheit im Frühjahr gerade rechtzeitig, danach tat die Sonne der Reifung gut. Die Trauben seien sehr gesund, so dass Drautz von einem mengenmäßig guten Jahrgang ausgeht.  „Wir sind in der Natur“, will er jedoch den Tag nicht vor dem Abend loben. 

Der Vollernter ist in den kühlen Nächsten unterwegs

Die derzeit kühlen Nächte seien positiv für den Erhaltungszustand der Trauben. Deshalb sind die Vollernter auch in der Dunkelheit unterwegs. 80 Prozent der Qualität werde im Weinberg bestimmt, sagt Tobias Zeller. Erfahrung, Fingerspitzengefühl und Empathie für das Produkt seien dann von den Experten im Keller gefragt, die mit feinen Parametern die Gärung steuerten. 

„Es wird definitiv eine Reduktion des Traubengelds geben“, hat Drautz keine guten Nachrichten für die Winzer. Weltweit sei die Marktsituation sehr angespannt, die Überproduktion treffe auf einen nachlassenden Weinkonsum. So günstig wie in Südafrika oder Chile könnten die Württemberger wegen der meist kleinparzelligen Weinberge nicht produzieren. „95 Prozent der Weine werden unter fünf Euro die Flasche getrunken. Da spielen wir fast nicht mit“, beschreibt der WG-Geschäftsführer die Problematik.

Die Genossenschaftskellerei Heilbronn mit den Weinkellern in Grantschen und Flein haben rund 1100 Mitglieder. Davon bewirtschaften rund 650 aktive Wengerter 1360 Hektar Rebfläche. Die WG Heilbronn fusionierte in den 1970er Jahre mit den Genossenschaften aus Weinsberg und Erlenbach. 2007 bis 2014 kamen Neckarsulm-Gundelsheim, Flein- Talheim, Lehrensteinsfeld, Unterheinriet und Grantschen dazu. Es werden 65 Prozent Rot- und 35 Prozent Weißwein produziert. Bei der Fläche, so Geschäftsführer Daniel Drautz, habe es bereits einen kleinen Aderlass gegeben. Nach dem Herbst erwartet er einen deutlicheren Rückgang, weil viele der Pächter Rebflächen zurückgeben würden oder alte Stöcke entfernt würden.

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