Heinz Zöller aus Zaberfeld blickt auf 60 Jahre Meisterhandwerk als Bäcker zurück
Heinz Zöller aus Zaberfeld bekommt den Diamantenen Meisterbrief der Handwerkskammer. Er führte von 1964 bis 1992 mit seiner Frau Barbara die dortige Bäckerei Zöller.

Heinz Zöller, Bäckermeister aus Zaberfeld, hat den Diamantenen Meisterbrief der Handwerkskammer Heilbronn-Franken erhalten. Vor 60 Jahren hat der heute 90-Jährige seine Prüfung zum Bäckermeister abgelegt. Von 50-Kilo-Mehlsäcken, die geschleppt werden mussten bis zur Teigmaschine, hat er die Entwicklung des Bäckerhandwerks miterlebt. Von 1964 bis 1992 führte er zusammen mit seiner Frau Barbara die Bäckerei Zöller in Zaberfeld. Ein Rückblick.
Durch das Fenster, vor dem der 90-jährige Heinz Zöller sitzt, ist auch heute noch das gelbe Haus mit Anbau zu sehen. Darin befand sich seine Bäckerei. Bereits mit 14 Jahren, im Jahr 1949, begann er in Stuttgart seine Ausbildung zum Bäcker. Damals sei man froh gewesen, überhaupt einen Ausbildungsplatz zu haben, sagt Heinz Zöller. Er habe sich als Bäcker beworben und es habe geklappt. 1952 wurde er Landessieger im Leistungswettbewerb der deutschen Handwerksjugend. Heinz Zöller war damit Landesbester in seiner Ausbildung.

Ab 1964 übernahm Heinz Zöller die Bäckerei in Zaberfeld
Da er als Kind bei seinen Großeltern in Zaberfeld aufwuchs und dort auch seine Jugendzeit verbrachte, verschlug es ihn 1964 zurück in die alte Heimat. Dort übernahm er die Bäckerei Eple. Neben der eigenen Bäckerei machte Heinz Zöller parallel seinen Meisterkurs in Heilbronn, den er am 15. September 1965 erfolgreich abschloss. Bis zum Februar 1992 führte er diese zusammen mit seiner Frau Barbara Zöller, Nachfolger wurde sein Sohn Peter. Seit März 2022 hat die Bäckerei Keppler den Standort übernommen.
Damals habe es noch zwei Bäckereien in Zaberfeld gegeben, sagt Heinz Zöller. „Und es hat trotzdem funktioniert und gereicht.“ Anfangs sei es nur ein kleiner Laden mit einem Stüble gewesen. Dann wurde erweitert und ausgebaut. Hauptsächlich verkaufte er Brot und Brötchen, doch das Angebot wurde an die Kundschaft angepasst. Hefezöpfe kamen hinzu, ebenso Plätzchen und vieles mehr. Barbara Zöller stand hinter der Theke und verkaufte die Backwaren.
Um 23 Uhr wurde in der Zaberfelder Bäckerei mit der Arbeit begonnen
Früher wurde der Teig noch mit der Hand gemacht, sagt Barbara Zöller. Außer für Brot und Brötchen, dafür habe man bereits eine Teigmaschine gehabt. Die Mehlsäcke für den Teig schleppte Heinz Zöller alleine in die Backstube. Meist wogen sie um die 50 Kilogramm. Bereits um 23 Uhr begann er abends mit seiner Arbeit. Da der Teig mit Hefe gehen musste, benötigte er Ruhezeit, bevor er weiterverarbeitet werden konnte. Um 2 Uhr morgens kam dann seine Frau Barbara dazu, um ihn zu unterstützen. Danach ging es für sie weiter hinter der Verkaufstheke bis zur Mittagsstunde. Gelernt habe sie das Bäckerhandwerk nie offiziell, sagt Barbara. Aber ihr Mann habe ihr alles beigebracht, was sie gebraucht habe.
„Man hat alles in der Hand gehabt“, sagt Heinz Zöller. So wurde auch das Brot von Hand geformt. Gebacken wurde dann im Kohlebackofen, auf zwei Schienen. Da die obere Schiene heißer wurde, musste das Brot oben an- und dann unten fertig gebacken werden. Brezeln beispielsweise habe man direkt auf der Ofenplatte gebacken, damals habe es zudem keine Abziehplatten gegeben. Insgesamt sei es viel Aufwand gewesen, heute gehe alles maschinell, sagt Barbara.
Viele Auszeichnungen bekam Heinz Zöller aus Zaberfeld für sein Brot
Die ersten zehn Jahre arbeiteten Heinz und Barbara Zöller zu zweit in der gemeinsamen Bäckerei, nur eine Aushilfe unterstützte samstags beim Backen in der Stube. Danach habe er Lehrjungen ausgebildet, sagt Heinz Zöller. Unter anderem auch den eigenen Sohn Peter.
Viele Auszeichnungen und Goldmedaillen habe er für seine unterschiedlichen Brote bekommen, sagt Heinz Zöllner. Bei der deutschen Landwirtschaftsgesellschaft habe er regelmäßig sein Brot eingeschickt und bewerten lassen. Einmal habe er ein Dinkelbrot eingeschickt, dafür habe er keine Bewertung bekommen. Dafür einen Brief: So ein Brot kenne man nicht und könne es daher auch nicht bewerten. Es war wohl das erste Dinkelbrot, welches eingeschickt wurde, mutmaßt Heinz Zöller.
1992 erfolgte die Übergabe der Bäckerei in Zaberfeld an Sohn Peter
1992 folgte dann die altersbedingte Übergabe an Sohn Peter Zöller. Trotzdem habe er hin und wieder noch in der Backstube mitgearbeitet und ausgeholfen, ganz konnte er es nicht sein lassen. Aber auch neben seiner Arbeit und dem eigenen Betrieb war er in verschiedenen Vereinen aktiv und pflegte seine Hobbys, wie Angeln gehen.
Heute ist Zöllner auf einen Rollator angewiesen. Seit einem Schlaganfall vor drei Jahren müsse er sich beim Gehen festhalten, sagt er. Seine Frau Barbara kümmere sich um ihn. Nach 62 Jahren Ehe und einem gemeinsam geführten Betrieb meistern sie auch diesen Lebensabschnitt gemeinsam.
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