Haftbefehl in den Lehrplan? Das sagen Schulen in der Region Heilbronn
Die Netflix-Doku über den Rapper Haftbefehl schlägt hohe Wellen. Schüler aus Offenbach hatten mit ihrer Forderung Haftbefehl in den Lehrplan aufzunehmen, eine bundesweite Diskussion ausgelöst. Das sagen Schulen in der Region dazu.
Am 28. Oktober erschien auf Netflix die Doku „Babo – die Haftbefehl-Story“ über den Rapper Haftbefehl, der mit bürgerlichem Namen Aykut Anhan heißt. Innerhalb kürzester Zeit landete die Dokumentation in Deutschland, Österreich und der Schweiz auf Platz eins der Netflix-Charts. „Ich hätte nicht gedacht, dass es so krass wird“, sagt auch Elyas M’Barek, der den Film produziert hat.
Netflix-Doku über Haftbefehl schlägt Wellen – Schüler wollen Texte im Unterricht
Die Doku hat hohe Wellen geschlagen und sorgt für verschiedene Diskussionen im Netz sowie in den Medien. Eines der zentralen Themen der Reportage ist die jahrzehntelange Kokainabhängigkeit des Rappers und die damit einhergehenden Abgründe.

Infolgedessen hatten Schüler aus Offenbach (dem Geburtsort des Rappers) gefordert, Haftbefehl in den Lehrplan mit aufzunehmen. Neben Goethe und Schiller müssten auch solche Texte Platz haben, da sie die Lebensrealität der Schüler abbilden, so die Schüler. Luca Dobrita, Stadtschulsprecher von Offenbach, sagt, Haftbefehl „sendet einfach eine krasse Message, die Jugendliche verstehen“. Die Offenbacher Schüler haben damit zwar eine bundesweite Debatte ausgelöst, vom Kultusministerium in Hessen haben sie aber bereits eine Absage erhalten.
„Weder die Texte des Rappers noch sein kontroverses Auftreten in der Öffentlichkeit stehen im Einklang mit dem Bildungs- und Erziehungsauftrag, den die Schulen erfüllen“, sagte das Ministerium gegenüber dem „Hessischen Rundfunk“. Der Rapper beziehe „politisch fragwürdige Positionen“. Tatsächlich werden in vielen Songs von Haftbefehl Gewalt, Drogenkonsum und Sexismus verherrlicht.
Haftbefehl-Inhalte im Schulunterricht? Das sagen Schulen in der Region
Die Forderungen der Schüler gibt es trotzdem – wie sieht es an Schulen in der Region aus? „Zu mir kam noch niemand“, sagt Frank Schuhmacher, Schulleiter am Hohenlohe-Gymnasium Öhringen. „Wir sind ganz weit weg von der Lebensrealität unserer Schüler“, räumt er aber ein. „Da müsste und könnte man viel mehr tun.“ Trotzdem seien die Inhalte des Lehrplans sinnvoll zusammengestellt und auf Forderungen wie Haftbefehl im Unterricht zu behandeln, einzugehen, sei sicher kein Allheilmittel. Er gibt auch zu bedenken, dass die Möglichkeit der einzelnen Schulen begrenzt sei und solange man auf ein Ziel wie das Abitur hinarbeite, „gibt es einfach Rahmenbedingungen“.
Martin Mutz ist Schulleiter am Eduard-Mörike-Gymnasium in Neuenstadt und sagt, dass vonseiten der Schüler das Thema nicht an seiner Schule angekommen sei. Grundsätzlich könne er sich vorstellen, dass auch entsprechende Texte „in ein Unterrichtsgespräch reinkommen“. Einen verankerten Platz im Lehrplan hält er dagegen für „sehr diskutabel“.
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