Vino 1851 in Güglingen: Ehepaar hat alte Pfarrscheune in Vinothek umgewandelt
Aus einer alten Scheune wird ein Ort der Begegnung: In der Kirchgasse in Güglingen ist mit „Vino 1851“ eine Vinothek entstanden, die Geschichte, Genuss und Regionalität vereint. Hinter dem Projekt steht ein Ehepaar mit einer klaren Vision.
Ein altes Gebäude vor dem Verfall bewahren und ihm eine sinnvolle Nachnutzung zuführen – das war die Intention von Petra Suchanek-Henrich und ihrem Mann Johannes Henrich, als sie vor einigen Jahren die alte Pfarrscheune in der Kirchgasse 3 in Güglingen (Landkreis Heilbronn) erworben haben. Das Ergebnis der Überlegungen: eine Vinothek mit dem Namen „Vino 1851“, in der auch regionale Feinkostprodukte von dienstags bis samstags von 13 Uhr bis 22 Uhr angeboten werden.
Pfarrscheune – das klingt imposant, das klingt prächtig, vor allem klingt es nach einem großen, eher repräsentativen Gebäude. Es klingt so, doch in der Realität ist die ehemalige Scheune, die zum gegenüberliegenden Pfarrhaus gehört, mehr hoch als breit und fügt sich harmonisch in die Umgebung ein. Der helle Fassadenanstrich und die großen, einladend geöffneten Türen, gepaart mit dem vor dem Eingang stehenden Olivenbaum, versprühen schon beim Hinsehen Leichtigkeit und südländisches Lebensgefühl.
Aus Pfarrscheune wird Vinothek – Traum von Weinlokal wird für Ehepaar wahr
„Die Scheune wurde nach dem letzten großen Stadtbrand 1848 errichtet“, erzählt Johannes Suchanek, „bis in die 20er-Jahre stand sie im Eigentum der Kirche und wurde danach an eine Privatperson verkauft. Die neuen Eigentümer haben die Scheune landwirtschaftlich genutzt.“ Dort, wo heute das Treppenhaus und das WC untergebracht sind, „war der Stall für das Vieh.“

Vor einigen Jahren wurde ein Käufer gesucht und das einheimische Ehepaar schlug zu. „Ich hatte schon lange die Idee, etwas zu schaffen, wo man regionale Produkte vorstellen und probieren kann“, verrät Suchanek, „wo die Menschen ein Glas Wein trinken und sich austauschen, wo sie gesellig beieinandersitzen und genießen können.“ Vor drei Jahren begann seine Frau, Architektin von Beruf, mit den Planungen. „Mein Mann hatte schon immer die Idee mit einem Weinlokal“, so die Fachfrau.
Altes Güglinger Pfarrhaus musste entkernt werden
Doch bevor mit dem Wiederaufbau begonnen werden konnte, musste das Gebäude quasi entkernt werden. „Der Zimmermann hat festgestellt, dass das Fachwerk und das Tragwerk gut sind, ebenso der Sandstein. Allerdings waren die Gefache sehr beschädigt und durch die Nutzung als Stall in Mitleidenschaft gezogen, sodass sie neu ausgemauert werden mussten“, erzählt Petra Suchanek-Henrich.
Mit den Balken des alten Tragwerks wurde die Decke des Erdgeschosses neu ausgebildet, allerdings nicht über den ganzen Raum. Auf diese Art ist für die obere Etage eine Art Galerie entstanden, die den Blick auf den Eingangsbereich freilässt und gleichzeitig dafür sorgt, dass auch der Gastraum im Obergeschoss lichtdurchflutet ist.
„Neben den Arbeiten im Inneren haben wir den Giebel abtragen lassen und das Gebäude in Holzständerbauweise aufgestockt“, ergänzt Johannes Suchanek. „So sind im zweiten Obergeschoss Büroräume und unter dem Dach ein Lager entstanden.“ Gefördert wurde das Projekt durch das Entwicklungsprogramm Ländlicher Raum (ELR).
Güglingen: Fördermittel aus Entwicklungsprogramm Ländlicher Raum (ELR)
„Dadurch, dass wir in den Genuss dieser Fördermittel gekommen sind, haben wir die Verpflichtung, regionale Produkte anzubieten“, erläutert Johannes Suchanek, der jedoch betont: „Unser Konzept sah von Anfang an vor, auf ausländische Weine und Produkte zu verzichten.“ Ausgenommen sind kleine Ausnahmen wie beispielsweise die Oliven, die zum Wein gereicht werden können. „Die gedeihen leider im Zabergäu noch nicht“, merkt der Geschäftsmann mit einem Grinsen an.
Dauerhaft verzichtet er auf ausländische Weine, doch im Rahmen von Veranstaltungen könnte er sich den Ausschank durchaus vorstellen. „Wir planen Verkostungen. Da könnte durchaus auch mal eine unter dem Motto ‚Zabergäu trifft Toskana‘ stehen. Bei so etwas gibt es natürlich die zur Landschaft passenden Weine, zumal wir gute Beziehungen nach Frankreich und Italien haben.“
Mit „wir“ meint Johannes Suchanek seinen Partner Denis Kragović. „Wir kennen uns schon seit vielen Jahren“, erzählt Johannes Suchanek, „Denis ist schon lange in der Gastronomie tätig und hat unter anderem auch in der Herzogskelter gearbeitet. Da wir beide sehr weinaffin sind, haben wir beschlossen, das gemeinsam zu machen.“
Gemeinsam betreiben sie nun das Vino 1851, wobei die Jahreszahl auf das vermutliche Baujahr des Gebäudes hinweist. „Da es keine Pläne mehr gibt, können wir es nur vermuten“, so Johannes Suchanek.
Vinothek in Güglingen: Feinkostbereich soll ausgebaut werden
Die Vinothek bietet auf zwei Etagen rund 40 Sitzplätze. Der obere Bereich ist mit normalen Esstischen und Stühlen ausgestattet, während im unteren Bereich hohe Tische mit bequemen Barhockern stehen. „Wir haben auch eine kleine Speisenauswahl, die von einer kleinen Vesperplatte über Käsewürfel bis hin zu Oliven reicht“, so Johannes Suchanek, „mehr ist einfach nicht machbar. Für Festlichkeiten, die man bei uns ebenfalls durchführen kann, arbeiten wir mit einem Caterer zusammen.“
In Sachen Wein ist man bereits sehr gut aufgestellt: „Wir haben alle Weingüter, die im Zabergäu Rang und Namen haben“, sagt Johannes Suchanek. Künftig soll vor allem der Feinkostbereich noch weiter ausgebaut werden.
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