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Lauffener Grundschulen: Widerstand gegen getrennte Schulsysteme

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Die Grundschulpläne der Stadt Lauffen sorgten zuletzt für Unmut bei Eltern. Nun hat die Stadt die Entscheidung bis auf Weiteres auf Eis gelegt. Beteiligte fordern nun Gespräche, um die offenen Fragen zu klären. 

Auf dieser Fläche soll der Hort der Hölderlin-Grundschule Lauffen gebaut werden und damit in direkter Nachbarschaft zur Grundschule, die im Hintergrund zu sehen ist.
Auf dieser Fläche soll der Hort der Hölderlin-Grundschule Lauffen gebaut werden und damit in direkter Nachbarschaft zur Grundschule, die im Hintergrund zu sehen ist.  Foto: Friedhelm Römer

In den vergangenen Wochen herrschte Aufregung unter Lauffener Eltern: Grund dafür war der Wunsch der Stadt, die beiden Grundschulen im Ort nach Schulform aufzuteilen. Konkret bedeutet das: Die Herzog-Ulrich-Grundschule sollte zu einer Halbtagsschule werden und die Hölderlin-Grundschule zu einer Ganztagsschule. Vielen Eltern hat das nicht gefallen. Nun hat die Stadt das Thema erstmal auf Eis gelegt, wie Bürgermeisterin Sarina Pfründer gegenüber der Heilbronner Stimme verkündet. 

Darum will die Stadt Lauffen getrennte Schulformen einführen

Die Schulform-Trennung wird seit Jahren in Lauffen diskutiert, so wie es etwa bereits in Brackenheim praktiziert wird. Aufhänger für den neuen Vorstoß war der geplante Hort-Neubau an der Hölderlin-Grundschule, für den im Dezember der Förderbescheid kam. „Wir würden gern zum Jahresende mit den Bauarbeiten starten“, sagt Sarina Pfründer. Zum Schuljahr 2027/2028 wäre das Gebäude beziehbar. Zeitgleich hätte die Stadt gern die getrennten Schulformen eingeführt. Das ist nun vom Tisch. 

Eine Trennung hätte finanzielle Vorteile für Lauffen, aber auch für die Eltern, meint Pfründer. Die Stadt wäre als Träger von der kommunalen Aufgabe der Nachmittagsbetreuung entbunden. Aktuell besteht an der Herzog-Ulrich-Schule ein Flexi-Angebot, das pro Tag gebucht werden kann und sich am individuellen Bedarf der Familien orientiert. Dafür wird eine Gebühr fällig, die bei einer verpflichtenden Ganztagsschule nicht mehr zu leisten wäre.

Lauffener Eltern gegen Konzept: Lange Schulwege und wenig Flexibilität

Aber: „Viele Eltern sind bereit zu bezahlen, weil sie die Flexibilität schätzen“, erklärt Elternvertreter Daniel Schäfers. Angenommen, die private Situation eines Kindes würde sich in einem neuen Schuljahr ändern – etwa weil ein Elternteil wieder arbeiten geht –, dann müsste das Kind im neuen Modell von der Halbtagsschule auf die Ganztagsschule wechseln und würde damit sein vertrautes Umfeld verlieren.

Dazu kämen die langen Schulwege: Statt nach räumlicher Nähe würde die Einrichtung künftig nach Betreuungsbedarf gewählt werden. Damit müssten Schüler aus dem Einzugsgebiet der Herzog-Ulrich-Grundschule den Weg zur Hölderlin-Grundschule auf sich nehmen und umgekehrt. Ein weiter Marsch für Sechs- oder Siebenjährige, kritisieren Eltern.

Das erkennt auch die Rathauschefin an, erklärt aber, dass jedes Modell Vor- und Nachteile habe. Die Aufregung kann Pfründer nicht nachvollziehen: Am Ende habe die Stadt es den Eltern überlassen, sich gegen das Modell zu entscheiden. „Mehr Beteiligung kann man ja gar nicht machen.“ Sie betont, dass es zunächst um den Grundsatz gegangen sei und Verwaltung und Gemeinderat noch nicht in die Tiefe der Umsetzung eingestiegen seien.

Diskussion um Grundschulen in Lauffen: Beteiligte fordern weitere Geespräche

Genau darin liegt wohl der Ursprung für die Unsicherheit vieler Eltern. Zu viele entscheidende Fragen sind offen. Elternvertreter Schäfers bleibt unzufrieden zurück. „Ein Sieg ist das nicht wirklich“, betont er. „Dass es aktuell vom Tisch ist, heißt nur, dass wir in zwei Jahren wieder in der Situation sind.“

Das befürchtet auch Markus Saier, Schulleiter der Hölderlin-Grundschule. „Wir machen das jetzt seit zehn Jahren in Lauffen“, meint er. Auf kurz oder lang, so seine Vermutung, werde kein Weg an dem getrennten Modell vorbeiführen. Gerne sähe er den Ganztag an beiden Schulen, das sei aber nicht realistisch. An der Herzog-Ulrich-Schule scheitert es am Platz.

Die Hölderlin-Grundschule hingegen ist bereits eine offene Ganztagsschule. Eltern können entscheiden, ob sie ihr Kind ganztägig oder halbtägig einschulen wollen. Ein System, von dem derzeit alle profitieren, erklärt Saier. Würde die Stadt eine verbindliche Ganztagsschule auf den Standort verlagern, müssten die Halbtagskinder abgehen. Die daraus resultierenden langen Schulwege „sehe ich auch als großes Problem“, sagt Saier. Doch in dem frühen Stadium sei die Frage nach der Verbindlichkeit noch gar nicht geklärt gewesen, so der Rektor. Hier wünsche er sich eine klare Position der Stadt. Nur mit konkretem Auftrag würde es sich lohnen, in der nun gewonnenen Zeit ein Konzept auszuarbeiten. 

Das fordert auch Daniel Schäfers. Elternvertreter, Stadt und Schulamt sollten gemeinsam konkrete Lösungen erarbeiten. Das wünsche er sich seit Jahren, doch die Zeit sei ungenutzt verstrichen. Ein Muster, das sich zu wiederholen droht, befürchtet er: „Das Thema ist für uns noch nicht abgehakt.“

Bestandsschutz

Die Eltern trieb in der Diskussion besonders die Sorge um den Bestandsschutz um. In einer Informationsveranstaltung vor wenigen Wochen betonte Bürgermeisterin Sarina Pfründer, dass ein neues Modell nur für frisch eingeschulte Kinder gegriffen hätte. Für die älteren Schüler hätte weiterhin das gewohnte Konzept gegolten, bis der letzte betroffene Jahrgang von der Grundschule abgegangen ist.Mit der Entscheidung, die Trennung erstmal nicht einzuführen, werden auch die Erstklässler des Jahrgangs 2027/2028 in das bestehende System eingeschult. 

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