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Flugshows auf Burg Guttenberg – Greifenwarte startet in Saison 2026

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Vor Kurzem sind die Flugshows auf Burg Guttenberg wieder gestartet, ab dem 28. März gibt es sogar zwei Vorführungen am Tag. Was die Besucher in Haßmersheim erwartet und welche besondere Neuheit es ab dieser Saison gibt. 


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„Dieser Moment, wenn ein Greifvogel auf dich zufliegt, ist mit nichts zu vergleichen. Ich kriege jedes Mal wieder Gänsehaut“, sagt Nathalie Denolf. Ein besonderes Gefühl sei es auch, so die Oberfalknerin der Deutschen Greifenwarte auf Burg Guttenberg, wenn ein Tier auf ihrem Handschuh Platz nimmt. So wie Steinadler Valar, der Denolf immer wieder interessiert mustert.

„Das ist mein Terzel“, so lautet in der Jäger- und Falknersprache die Bezeichnung für das Männchen bei bestimmten Greifvögeln. Sie habe mit den Tieren einen engen Partnerbund. „Es ist wie eine Familie.“

Oberfalknerin Nathalie Denolf und Steinadler Valar sind ein eingespieltes Team.
Oberfalknerin Nathalie Denolf und Steinadler Valar sind ein eingespieltes Team.  Foto: Ralf Seidel

Flugshows auf Burg Guttenberg: Falknerin erlebt Gänsehaut-Momente hautnah

Mit dieser Familie ist die Falknerin kürzlich in die neue Flugsaison gestartet. „Nicht nur das Team freut sich, wenn die Besucher wieder kommen, auch viele der Tiere“, sagt Denolf. In dem 800 Jahre alten Gemäuer aus der Stauferzeit  in Haßmersheim findet aktuell eine einstündige Flugshow pro Tag statt, ab April sind es zwei.

„Es fliegen nicht immer die gleichen Vögel, es lohnt sich also, öfter eine Show zu besuchen“, so die Falknerin. Was bei einer Vorführung passiert, sei auch wetterabhängig. Bei Ostwind fliegen die Tiere weiter raus und kommen im Sturzflug wieder zurück. Wenn kein Wind geht, bleiben sie eher auf der Anlage, fliegen dafür öfter nah übers Publikum. „Ein neuer Haarschnitt ist immer im Preis inbegriffen“, sagt Denolf und lacht.

Flugshows auf Burg Guttenberg: Eine besondere Neuheit

55 Tiere hat die Greifenwarte aktuell, darunter Adler, Bussarde, Geier, Eulen und Falken. Besonders ist beispielsweise ein Kampfadler. „Wir sind bislang europaweit die einzigen, die einen solchen Vogel im Flug haben“, sagt die Falknerin.

Bartgeier Oberon ist im Februar 2025 geschlüpft und mittlerweile ein fester Bestandteil der Flugvorführungen.
Bartgeier Oberon ist im Februar 2025 geschlüpft und mittlerweile ein fester Bestandteil der Flugvorführungen.  Foto: Ralf Seidel

„Wir sind vor allem spezialisiert auf große Geierarten wie Mönchs-, Bart-, Gänse- oder Schneegeier“, erzählt die belgische Falknerin, die dann auch mit einigen Vorurteilen aufräumen möchte. „Geier haben einen schlechten Ruf, werden in Medien oder Filmen oft als unsauber oder Bösewichte dargestellt. Das Gegenteil ist der Fall. Es sind schlaue, liebevolle und vor allem saubere Vögel. Wir wollen dem Publikum zeigen, wie toll sie sind.“ Die Population vieler Geierarten sei in den vergangenen Jahren  drastisch zurückgegangen. Hauptverantwortlich dafür? Der Mensch.

Neu ist auf Burg Guttenberg in dieser Saison, dass ein Besucher oder eine Besucherin die Möglichkeit hat, aktiver Teil der Flugvorführung zu werden und den jungen Weißkopfseeadler Nio fliegen zu lassen. Pro Show gibt es nur eine Karte zum Preis von 50 Euro. Wer zuerst kommt, kriegt das Ticket. Nach wie vor kann man nach der Show Fotos mit einigen Tieren machen.

Falkner und Ehrenamtliche wollen Aufklärungsarbeit leisten

Generell möchte die 41-Jährige, die seit fünf Jahren bei der Greifenwarte arbeitet, mit den Flugshows Aufklärungsarbeit leisten. „Wir wollen neugierig machen, dafür sorgen, dass die Besucher eine Bindung zu den Vögeln kriegen.“ Man wolle die Wichtigkeit von Naturschutz vermitteln, aufzeigen, dass viele Artenbestände zurückgehen. Und den Besuchern mitgeben, wie man Vögel richtig behandelt sowie Missverständnisse ansprechen.

Ein Beispiel? „Viele Menschen, die einen Jungvogel finden, der hechelt und den Schnabel öffnet, denken, dass er Durst hat. Dabei ist es Stress. Das Wasser geht in Luftröhre und Lungen, und das Tier kann dabei sterben“, so Denolf.

Preise und Infos

Seit dem 7. März ist die Anlage der Greifenwarte auf Burg Guttenberg wieder täglich ab 12 Uhr mittags geöffnet, mit je einer Flugvorführungen um 15 Uhr. Ab Samstag, 28. März, gelten die regulären Öffnungszeiten von 10 bis 18 Uhr mit täglichen Flugvorführungen um 11 und 15 Uhr. Erwachsene zahlen für eine Flugvorführung 15 Euro (Kombiticket mit Burgmuseum 18 Euro), Kinder von fünf bis 16 Jahren elf Euro (14 Euro). Es gibt Angebote für Familien und Gruppen. Mehr Infos unter www.burg-guttenberg.de.

Finanzielle Schwierigkeiten und Gefahr durch Vogelgrippe

Bekommen Falknereien Kritik von Tierschützern? „Ja“, sagt Denolf, „und ich habe dafür Verständnis. Es gibt noch zu viele Falkner, die ihre Vögel dauerhaft angebunden halten. Das ist wirklich nicht nötig.“ Fünf Falkner und einige Ehrenamtliche gehören zum Team auf Burg Guttenberg. Die Bindung zu den Tieren sei groß. „Manche männliche Tiere machen Balzflüge für mich oder bringen mir Futter. Für die Weibchen bringe ich das Futter. Für Jungvögel bin ich die Mama“, so die Falknerin.

Das Team müsse sich auch mit dem „gefährlichen Dauerthema“ Vogelgrippe beschäftigen, „und zwar ganzjährig“, sagt die Falknerin. Passiert sei bislang noch nichts, zur Sicherheit werden die Landeplätze der Flugshow aber mit Plastikplanen abgedeckt. Auch die finanzielle Lage sei, so Denolf, schwierig, vor allem wegen astronomisch hoher Futterrechnungen.

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