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Erntebilanz 2025

Erst Dürre, dann Regen – Bauern in der Region teils enttäuscht von Qualitäten

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Erst fehlte der Regen, dann hörte der Niederschlag tagelang kaum auf. Die Ernte 2025 war für die Landwirte in der Region nicht einfach.


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Jürgen Maurer, Landwirt aus Kupferzell, ist mit der Ernte 2025 nicht sehr zufrieden: „Wir haben teils nur Futterweizen vom Feld geholt“, bedauert Maurer, Vorstand des Bauernverbands Hall Hohenlohe Rems. Der Trockenheit im Frühsommer folgten Tage mit mächtigen Niederschlägen. Ausgerechnet dann, als das Korn reif war.

„Wir hätten ernten sollen und hatten eine Zwangspause“, erinnert sich Maurer. Wie geht man damit um, wenn man vor dem erntereifen Feld steht und nicht reinfahren kann? „Das ist schon hart“, weiß Maurer. Er sagt aber auch: „Da muss man sich in Geduld üben und das Positive darin sehen, dass der Regen für andere Kulturen ganz gut sein kann.“

Je nach Erntezeitpunkt waren die Landwirte mit dem Ertrag sehr zufrieden - oder eben auch nicht. Konnte erst nach dem Regen gedroschen werden, kam teils nur Futterweizen vom Feld.
Je nach Erntezeitpunkt waren die Landwirte mit dem Ertrag sehr zufrieden - oder eben auch nicht. Konnte erst nach dem Regen gedroschen werden, kam teils nur Futterweizen vom Feld.  Foto: Jens Büttner

Getreide leidet teils unter Regen, Mais und Rüben profitieren

Mais und Zuckerrüben haben von den Niederschlägen noch profitieren können, auch der Obst- und Weinbau hat sich gefreut. Für den Getreideanbau allerdings war der heftige Niederschlag schwierig: „Wir haben teils nur Futterweizen statt Qualitätsweizen vom Feld geholt“, bedauert Maurer. Das spürt der betroffene Landwirt sofort: Getreide, das im Futtertrog endet, bringt deutlich weniger Geld als Weizen, das zu Brot wird.

Getreideanbau braucht Flexibilität

„Deshalb ist es so wichtig, dass wir Landwirte nicht nach dem Kalender, sondern nach der Witterung arbeiten können“, wehrt sich Maurer einmal mehr gegen die Reglementierungen in der Landwirtschaft. Jeder Landwirt gebe sein Bestes, um möglichst gut mit den Rahmenbedingungen wirtschaften zu können.

Aktuelles Beispiel: Eigentlich ist Anfang August die Getreideernte in den Silos. Durch den Niederschlag hat sich das aber verzögert. Deshalb gilt für viele Landwirte: „Wir haben gerade den Mähdrescher geputzt und in die Scheune gestellt, da geht es durch die Ernteverzögerung schon wieder los mit der Bodenbearbeitung für die Zwischenfrüchte und die Aussaat von Winterraps läuft gerade noch“, schildert Maurer den Alltag seiner Berufskollegen.  Wintergerste werde ab 20. September ausgesät.

Getreideernte kaum vorbei, wird schon wieder ausgesät

Ganz krass: „Wir haben Anfang August den Raps gedroschen und im August den neuen ausgesät.“ Das zeige auch, dass Landwirte neun bis zwölf Monate für ihren Lohn arbeiten und dabei von vielen nicht steuerbaren Komponenten beeinflusst werden. Froh ist Maurer um neue Züchtungen beim Raps: „Die Schoten springen nun nicht mehr auf, wenn der Raps reif ist“, verweist Maurer auf einen etwas längeren Erntekorridor bei der Hülsenfrucht. Wintergerste werde ab 20. September ausgesät.

BAG mit Getreideernte zufrieden

Sven Schneider ist dagegen weitgehend zufrieden: „Wir haben in der Region mengenmäßig eine gute Ernte was den Weizen und die Gerste angeht“, sagt der Geschäftsführer der BAG Hohenlohe. Rund 1000 Landwirte zwischen dem östlichen Teil des Landkreises Heilbronn und der Ostalb füllen die Silos der BAG. „Es war für uns eine Herausforderung, die angelieferten Mengen am Markt unterzubringen“, berichtet Schneider. Die Qualitäten seien regional unterschiedlich: „Wo vor dem Regen geerntet wurde, kam gute Qualität vom Feld“, sagt Schneider. Wurde nach dem Regen geerntet, war die Qualität beeinträchtigt, beim Weizen und der Sommergerste so um die 40 bis 50 Prozent.

Bis zu drei Wochen unterscheidet sich die Anlieferzeiträume zwischen dem Unterland und der Ostalb. Dort wurde erst Sonntag vor einer Woche das letzte Korn eingelagert.

Nach Getreideernte folgt Mostobstannahme

Doch kaum ist die eine Ernte unter Dach und Fach, kommt die nächste: „Wir haben am heutigen Montag mit der Mostobstannahme angefangen“, sagt Schneider. Auch hier rechnet er mit einer guten Erfassung: „Wenn man so durch die Gegend fährt, dann sieht man Bäume, die hängen so voll, dass sie gestützt werden müssen“, schildert Schneider. Der Regen habe dem Obst gut getan. Dazu sei man in diesem Jahr von Hagel verschont geblieben.

Bauernpräsident zur Getreideernte

Auch der Landesbauernverband hat am Montag die Erntebilanz präsentiert. Der Verband rechnet demnach mit einer Gesamt-Erntemenge von drei Millionen Tonnen Getreide. Damit liegt die diesjährige Ernte über dem langjährigen Mittelwert. Nach den aktuellen Zahlen liegt die Erntemenge der wichtigsten Kultur, dem Winterweizen, bei 1,6 Millionen Tonnen und einem Ertrag von 77 Dezitonnen je Hektar.

Was wirtschaftlichen Ackerbau stört

Die überdurchschnittlichen Hektarerträge sind das eine. Auf der anderen Seite blicken die Landwirte in Baden-Württemberg auf ein herausforderndes Anbaujahr voller Gegensätze zurück. „Unsere Bauernfamilien standen in diesem Jahr erneut zwischen den Extremen – erst Trockenstress, dann langanhaltende Niederschläge zur Erntezeit“, erklärte Joachim Rukwied, Präsident des Landesbauernverbandes in Baden-Württemberg, im Rahmen der diesjährigen Ernte-Pressekonferenz die Hintergründe.

Auch die angespannte Marktlage habe den Druck auf die landwirtschaftlichen Betriebe in Baden-Württemberg erhöht, so der Landwirt aus Eberstadt, der auch Präsident des Deutschen Bauernverbands ist. „Aktuell befinden wir uns auf einem sehr niedrigen Preisniveau. Im Zusammenspiel mit steigenden Betriebsmittelkosten ist ein wirtschaftlicher Ackerbau so nicht mehr möglich“, macht Rukwied deutlich.

Getreideanbau trotzt Wetterextremen

Um Wetterextreme abzufangen, ergreifen landwirtschaftliche Betriebe verschiedene Maßnahmen: „Unsere Anpassungsstrategien an den Klimawandel wie zum Beispiel erweiterte Fruchtfolgen, Humusaufbau und bodenschonende Bewirtschaftung, zeigen das wir auf dem richtigen Weg sind. Trotz einem herausfordernden Anbaujahr konnten wir so eine ertragsmäßig zufriedenstellende Ernte 2025 einfahren“, stellt Joachim Rukwied fest.

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