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Gemeinde Ilsfeld hat mehr Schulden als der Landkreis Heilbronn

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Am Dienstagabend wurde in Ilsfeld der Haushaltsplan 2026 in den Gemeinderat eingebracht. 4,6 Millionen Euro Investitionen sind eingeplant. Gewerbesteuersondereffekte bedeuten Freud und Leid zugleich.

2,5 Millionen Euro wird die Sanierung der Gemeindehalle Ilsfeld mindestens kosten. 500.000 Euro muss die Gemeinde 2026 in die Hand nehmen.
2,5 Millionen Euro wird die Sanierung der Gemeindehalle Ilsfeld mindestens kosten. 500.000 Euro muss die Gemeinde 2026 in die Hand nehmen.  Foto: Archiv/Seidel

Wir als Gemeinde Ilsfeld haben mehr Schulden als der ganze Landkreis Heilbronn“, ist sich Bürgermeister Bernd Bordon bewusst. Ende 2026 wird die 9850-Einwohner-Gemeinde mit ihrem Kernhaushalt und den vier Eigenbetrieben rote Zahlen von voraussichtlich 57,2 Millionen Euro schreiben, der Landkreis Heilbronn 53 Millionen Euro. Perspektivisch werde sich der kommunale Haushalt aber ins Positive entwickeln, ist Bordon optimistisch – vorausgesetzt, die Konjunktur in Deutschland bricht nicht weiter ein.

Freud und Leid liegen nah beieinander. „Die Haushaltsjahre 2024/2025 haben sich besser entwickelt als geplant“, berichtet der Rathauschef. 2024 habe es „einen Sondereffekt bei der Gewerbesteuer in Millionenhöhe gegeben“. Das werde Ilsfeld jedoch 2026 durch weniger Schlüsselzuweisungen und höhere Umlagezahlungen im kommunalen Finanzausgleich „das Leben erschweren“.

Dieselbe Gewerbesteuer-Thematik habe es 2023 gegeben, ergänzt Kämmerer Steffen Heber. Trotzdem werde der Haushalt 2025 deutlich besser abschließen als geplant. Seine „vorsichtige Hochrechnung“: Das prognostizierte negative Ergebnis von 4,5 Millionen Euro wird bei „nur noch“ minus 2,3 Millionen Euro liegen. „2026 werden wir unsere Rücklagen etwas aufbrauchen, trotzdem reichen diese noch aus, um das Defizit von 4,3 Millionen Euro auszugleichen“, sagt Heber.

In den vergangenen Jahren hat Ilsfeld klare Maßnahmen ergriffen

Dass der Finanzhaushalt (die liquiden Mittel) zum Jahresende 2025 mit 7,1 Millionen Euro „sehr gut“ dastehe, sei kein Zufall. „Dahinter stehen klare Maßnahmen“, betont Bordon. Es wurden Rückstellungen in den Jahren 2023 und 2024 gebildet, um die Defizite in den Jahren 2025 und 2026 ausgleichen zu können. Weitere Effekte ergeben sich durch die Erhöhung der Grund- und Gewerbesteuersätze in 2025, die Kürzung von Betreuungszeiten und eine Wiederbesetzungssperre von Stellen, zählt er auf. Zudem werde die gesamte Verwaltung zu wirtschaftlichem Denken angehalten. Neuaufträge über 2500 Euro müssen von Bürgermeister oder Kämmerer genehmigt werden. „Bis 30. Juni waren 50 Prozent des Budgets freigegeben, bis Ende 2025 nochmal 25 Prozent“, sagt Bordon.

Zwar rechnet Kämmerer Heber für 2026 mit 11,2 Millionen Euro Gewerbesteuern. Diese werden jedoch von höheren Zahlungen für den Finanzausgleich (4,9 Millionen Euro) und die Kreisumlage 6,2 Millionen Euro) fast komplett aufgefressen. „Wobei wir nur mit 30 Hebesatzpunkten bei der Kreisumlage gerechnet haben, so der Finanzexperte. Der Landkreis hat eine Erhöhung um drei auf 31 Punkte vorgeschlagen, der Beschluss im Kreistag steht noch aus.

Investitionspaket von 4,6 Millionen Euro: alles Pflichtaufgaben

Trotzdem müssen 4,6 Millionen Euro investiert werden. „Wir haben einen Haushalt geschnürt, der allein schon durch die Entscheidungen des Gemeinderats aus 2025 Kernthemen hat“, sagt Bernd Bordon. Für die 1,35 Millionen teure Sanierung der Brücke in der Robert-Mayer-Straße sind im laufenden Jahr 500.000 Euro eingeplant. Für die marode Gemeindehalle schlägt die Verwaltung vor, mindestens 2,5 Millionen Euro in die Hand zu nehmen – 500.000 Euro davon 2026. Die Sanierung der Brücke Oettinger Mühle schlägt mit 420.000 Euro zu Buche, die Notstromversorgung fürs Feuerwehrhaus mit 110.000 Euro.

Heber hat Kreditaufnahmen von 500.000 Euro eingeplant. Die Pro-Kopf-Verschuldung liegt bei 1256 Euro im Kernhaushalt. „Es wird aber nie dargestellt, was wir mit dem Geld machen“, so Bordon. Die Pro-Kopf-Investition liege bei 471 Euro sowie bei 243 Euro Pro-Kopf für Sanierungen. „Jahr für Jahr investieren wir auch Geld in die Infrastruktur. Es ist nichts dabei, was nice-to-have ist.“

Sechs Stellen weniger im Betreuungsbereich

Im Ergebnishaushalt liegen die Personalausgaben mit 13,5 Millionen Euro trotz Tariferhöhung nur 0,72 Prozent über dem Ansatz des Vorjahres, betont Bordon. „Im Betreuungsbereich entfallen knapp sechs Stellen.“ Auf der Einnahmeseite beschert das Sondervermögen des Bundes der Gemeinde bis 2036 insgesamt 5,8 Millionen Euro. Ein Teil davon könnte 2026 in die Sanierungen von Robert-Mayer-Brücke und Gemeindehalle fließen.

Die ganz großen Investitionen stehen in den Folgejahren erst noch bevor: Ins Steinbeis-Schulzentrum muss ein zweistelliger Millionenbetrag gesteckt werden. Auch die Schule in Auenstein wird Thema sein. Die energetische Sanierung von sieben Kitas steht an. „Eigentlich ist jedes einzelne kommunale Gebäude nach wie vor ein Thema“, so der Bürgermeister. „Wir müssen perspektivisch darüber nachdenken, wie wir Erträge generieren. Aus Sicht der Verwaltung funktioniert das nur durch die Ausweisung eines neuen Gewerbegebiets.“

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