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Wer kümmert sich um Kinder?

Ganztagsbetreuung in der Grundschule: Städte haben Fragen zur Finanzierung

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Viele Mädchen und Jungen bleiben nach dem Unterricht in der Grundschule, werden dort über die Schulzeit hinaus betreut. Ab Herbst 2026 haben Familien einen Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung. Manches ist offen, zumindest aus Sicht der Städte und Gemeinden in der Region Heilbronn.

Viele Erst- bis Viertklässler bleiben nach dem Unterricht in der Schule, ab Herbst 2026 haben Familien von Grundschülern einen Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung - im ersten Schuljahr gilt es nur für Erstklässler.
Viele Erst- bis Viertklässler bleiben nach dem Unterricht in der Schule, ab Herbst 2026 haben Familien von Grundschülern einen Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung - im ersten Schuljahr gilt es nur für Erstklässler.  Foto: Arne Dedert

Ab Herbst 2026 haben Familien von Erstklässlern einen Rechtsanspruch darauf, dass ihre Kinder ganztags in der Grundschule betreut werden. Jedes Schuljahr kommt eine weitere Klassenstufe hinzu, so dass nach vier Jahren alle Grundschüler ganztags in den Schulen betreut werden können. Für den Unterricht ist das Land zuständig, für die Betreuung sind es die Schulträger, also die Städte und Gemeinden. Und die haben weiterhin ungeklärte Fragen in Richtung Kultusministerium.

„Mit den Kommunen und den freien Trägern verbindet uns das gemeinsame Ziel: Wir wollen eine gute Qualität beim Ganztag“, so eine Sprecherin des Kultusministeriums auf Anfrage von stimme.de. Das Land habe bewährte Strukturen, sagt sie. „Wir als Land sind für den Schulbetrieb und die Lehrkräfte zuständig, während die Betreuungsangebote in der Verantwortung der kommunalen und freien Träger liegen – darum sind es natürlich auch die Träger, die über die Auswahl und den Einsatz ihres Personals entscheiden.“

Ein Qualitätsmerkmal für Ganztagsschulen sei im Übrigen auch die Einbeziehung außerschulischer Partner. „Wir haben im Land viele engagierte Sportvereine, Musikvereine oder Musikschulen, Jugendkunstschulen und viele andere Akteure, die für ihre Bereiche qualitativ sehr gute Angebote machen“, ergänzt die Sprecherin des Ministeriums.

Ganztagsbetreuung in Grundschulen: Diese Voraussetzungen muss das Personal mitbringen

Pädagogische Fachkräfte seien in der Ganztagsbetreuung nötig, weiß Bad Friedrichshalls Bürgermeister Timo Frey. Allerdings würden derzeit in der Betreuung auch Zusatzkräfte eingesetzt, denen diese formale Voraussetzung fehlt. Welche zusätzlichen Fortbildungen seien also nötig?, fragt sich Bürgermeister Timo Frey. Es gebe verschiedene Anbieter in der Region, die unterschiedliche Fortbildungen im Programm hätten. Dass dieses Detail noch vom Land ungeklärt ist, ist für Timo Frey kein großes Problem. Er rechnet mit Antworten, die zeitnah kommen.

Bad Friedrichshall baut gerade unter anderem die Betreuung an der Grundschule Duttenberg aus. Denkbar ist für den Bürgermeister, dass in den Randzeiten dort auch Grundschüler aus dem Teilort Untergriesheim betreut werden. „Das stimmen wir mit den Schulleitungen ab.“ Und zwar dann, sobald der benötigte Betreuungsumfang durch die Familien bekannt ist.

Pädagogischer Tag von Lehrern: Wie werden dieses Tage für die Betreuung gezählt?

Kinder können zukünftig bis zu fünf Mal acht Stunden in den Schulen sein, Unterricht und Betreuung inklusive. An maximal 20 Tagen pro Jahr dürfen die Einrichtungen geschlossen sein. Ebenfalls noch offen: Wie zählen beispielsweise pädagogische Tage der Lehrer, wenn es da keine Betreuung geben sollte? Timo Frey geht davon aus, dass es um insgesamt 20 Schließtage im Jahr geht – egal ob in den Ferien oder nicht.

„Eine Schulkindbetreuung mit bestmöglicher Förderung im Grundschulalter mit gleichzeitiger Vereinbarkeit von Bedarfen der Eltern hat in Eppingen nicht erst seit dem Rechtsanspruch einen hohen Stellenwert“, so Vanessa Heitz, die in der Stadtverwaltung für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist. Ganztagsbetreuung von 7 bis 17 Uhr gebe es schon in drei Schulen, in der Grundschule im Rot, der Grundschule Hellbergschule sowie der Kraichgauschule.

Betreuung der Grundschüler in Eppingen: Die Stadt investiert in die Grundschule im Rot

In der Grundschule im Rot seien bereits 2022 entsprechende Räumlichkeiten geschaffen worden. „Derzeit laufen die Baumaßnahmen in der Hellbergschule an“, so Vanessa Heitz.

Die Stadt Eppingen wartet ebenfalls noch auf Informationen. „Immer noch hängt es an der Geschwindigkeit, den Rahmenbedingungen und der Konnexität seitens Bund und Land“, betont Rathausmitarbeiterin Vanessa Heitz. „Der Rechtsanspruch wurde bereits 2021 beschlossen, soll 2026 greifen – vier Jahre später bleiben Finanzierung und laufende Kosten immer noch ungeklärt.“ Sie betont: „Trotz ersten Fördermitteln für den Ausbau brauchen wir als Schulträger heute schon Klarheit über die Voraussetzungen für die aufwachsenden Betriebskosten ab dem Jahr 2026.“

Ausbau der Ganztagsbetreuung in Eppingen: Stadt braucht mehr Personal

Für den schulischen Bereich müssen zusätzliche Fachkräfte gefunden werden, die Voraussetzungen an das Personal sind laut Rathaus geklärt. „Eppingen rechnet mit einem notwendigen Mehrbedarf an Betreuungskräften“, so Vanessa Heitz. „Hierbei könnten Kooperationen zwischen Kommune und Vereinslandschaft die Personalfrage entspannen: Die Zusammenarbeit der Kommunen mit niveauvollen und verlässlichen Partnern aus allen gesellschaftlichen Bereichen ist für die Erfüllung des Rechtsanspruchs von herausragender Bedeutung.“ Dies erweitere die Zahl der Angebote und sorge für Themenvielfalt und Qualität.

Ein kürzlich verabschiedetes Dokument des Kultusministeriums setzt „Leitplanken und sieht sowohl Personalqualifizierung als auch Voraussetzungen des Personals je nach Einsatzbereich als wichtige Gelingensfaktoren“, so Karin Schüttler, die im Rathaus Heilbronn das Schul-, Kultur- und Sportamt leitet. „Dies setzen wir bereits in Heilbronn um und entwickeln unsere Strukturen vor Ort stetig weiter.“

Betreuung der Grundschüler in Heilbronn: Das tut sich in der Stadt

Heilbronn hat eine offene Frage: Im Kern geht es laut Karin Schüttler um die „Finanzierbarkeit von wachsenden Personalbedarfen, fortlaufenden Qualifizierungen und nachhaltigen Strukturen“. Im Fokus steht hier auch die Koordination, die Weiterentwicklung und die Finanzierung von außerschulischen Partnern, „die für Lern- und Freizeitangebote im Ganztage gewonnen und ausreichend bezahlt werden sollen“. Karin Schüttler: „Da uns die Sicherstellung der Qualität der Angebote sehr wichtig ist, erwarten die Kommunen eine deutlich bessere finanzielle Unterstützung durch das Land.“

In Heilbronn gibt es 121 Stellen in der Ganztagsbetreuung, ohne die Betreuung in der Paul-Meyle-Schule mitzurechnen. „Da wir mit Start des Rechtsanspruchs mit einer steigenden Inanspruchnahme von zirka zehn Prozent rechnen, werden selbstverständlich auch die Personalstellen entsprechend angepasst“, so Karin Schüttler. 

Mit der Ganztagsbetreuung befasst sich der Gemeinderat Zaberfeld in seiner Sitzung am Dienstag, 27. Mai. An der Grundschule können Kinder bis 14.30 Uhr betreut werden. Die Gemeinde schlägt vor, die Betreuungszeit im Schuljahr 2025/2026 von 14.30 Uhr auf 15 Uhr auszuweiten. „So kann geprüft werden, in welchem Umfang das Angebot benötigt wird“, schreibt die Gemeindeverwaltung. In den Ferien soll die Betreuung von 7.30 bis 14.30 Uhr stattfinden. 

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