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Gärtnerei Münch in Güglingen schließt: „Wandel, der nicht aufzuhalten ist“

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Altersbedingt werden Dieter und Susanne Münch ihr Blumengeschäft mit Gärtnerei in Güglingen Ende des Jahres schließen. Einen Nachfolger gibt es nicht. Schon jetzt fehlt das Personal. 


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Die friedliche Ruhe ist das erste, das einem in den Gewächshäusern von Dieter Münch auffällt. Vögel zwitschern, Wasser tropft in stetigem Rhythmus aus einer der Leitungen, die zwischen den Blumen verlegt sind und sie mit Feuchtigkeit versorgen. Manchmal hört Münch Musik bei der Arbeit, aber „ich genieße auch mal die Stille“, sagt er.

Während in vielen Beeten die Pflanzen gedeihen und bunte Blüten treiben, sind andere leer. Es lohnt sich nicht mehr, in der Erde noch neue Jungpflanzen anzusetzen.

Inhaber Dieter Münch geht in Kürze mit 65 Jahren in Rente, einen Nachfolger gibt es nicht. Ende des Jahres werden die gleichnamige Gärtnerei und das zugehörige Blumengeschäft in Güglingen schließen.

Gärtnerei Münch in Güglingen schließt nach fast 50 Jahren

Fast fünfzig Jahre war der Laden in der Heilbronner Straße in der Hand der Familie Münch. 1976 begann Dieter Münch als Lehrling bei seinen Eltern, die das Gebäude gemietet hatten. 1985 wurde er Gärtner-Meister. Damals kam seine erste Auszubildende, die vierzig Jahre später immer noch für ihn arbeitet.

Heute führt das Ehepaar Münch die letzte Gärtnerei in Güglingen und damit das einzige Blumengeschäft im Ort, das seine Schnittblumen noch selbst anbaut. Ehefrau Susanne ist gelernte Verkäuferin und kam 1995 in den Betrieb.

Sie bedient Kunden und bindet im Hinterzimmer die bunten Sträuße. „Es sollte vor allem farblich harmonieren“, erklärt Dieter Münch und deutet auf Exemplare, die in einem orangefarbenen Ensemble angeordnet sind. Die Lisianthus ist seine Lieblingsblume. „Ich finde sie einfach von der Art her klasse“, meint er.

In seiner Gärtnerei in Güglingen: Dieter Münch liebt die Arbeit mit Pflanzen

Der Laden hat nur halbtags geöffnet, weil Münch kein Personal findet, das eine Floristik-Ausbildung hat. Münch selbst ist Gärtner – das heißt, er ist eher für die Produktion statt die Verarbeitung zuständig. Täglich fährt er zu den Gewächshäusern, schaut nach dem Rechten und schneidet frische Blumen für den Laden.

Auf 70 Ar wachsen hier Rosen, Dahlien, Sonnenblumen, Geranien und vieles mehr. „Wir richten uns immer nach dem letzten Jahr und der Mode“, erklärt Dieter Münch. Er bezieht seine Jungpflanzen aus Holland und kultiviert sie. „Züchten ist eine aufwändige Sache, das machen Spezialisten.“ Saisonbedingt baut er auch Balkon- und Herbstpflanzen an.

Heutzutage sei die Tätigkeit aber lange nicht mehr so körperlich anstrengend wie früher. Vieles, wie das Eintopfen, geht heute maschinell. „Es ist ein schöner Beruf“, findet der gebürtige Güglinger. „Aber man muss schon einen grünen Daumen haben und dafür geboren sein.“ 

„Man muss einen grünen Daumen haben und dafür geboren sein.“

Dieter Münch

Gärtnerei-Schließung in Güglingen: Discounter machen Gärtnereien Konkurrenz

Den Laden dicht zu machen, sei ein großer Schritt. Grund dafür ist nicht nur die schwere Suche nach einem Nachfolger, sondern auch ein Wandel im Konsumverhalten, sagt Dieter Münch. „Die jungen Leute bauen nicht mehr so viel Gemüse an“, und auch Balkonpflanzen seien nicht so stark gefragt.

Außerdem machen Supermärkte Konkurrenz: Um einen Strauß für das Wochenende zu besorgen, gingen viele Käufer einfach in den Discounter. Supermärkte hätten jedoch längere Transportwege, weil es sich oft um Importware handele. Insgesamt gehe der Trend in der Branche hin zu größeren Betrieben. „Es wird immer weniger Gärtnereien geben“, prophezeit er. „Das ist der Wandel, der nicht aufzuhalten ist.“

Zabergäurose

Im Blumengeschäft von Dieter Münch gibt es eine besonders exklusive Ware im Sortiment: die cremefarbene Duftrose „Paula“. Die Züchterin Andrea Braun hat sie extra für Güglingen gezüchtet, Dieter Münch kultiviert sie. „Aktuell gibt es die nur bei mir“, sagt er stolz.Die Zabergäurose setzt mit ihrem Namen ein Denkmal für Paula Warschawska, eine Jüdin aus Zaberfeld, die im Vernichtungslager Treblinka ermordet wurde.

Trotz der Wehmut freut sich Dieter Münch auf die Freizeit, die mit der Rente einhergeht. Bislang arbeite er etwa 70 Stunden in der Woche. Künftig will er nur noch die Grabpflege weitermachen, die er aktuell zusätzlich betreibt.

„Nichts tun will ich nicht“, betont er. Seine Frau freue sich vor allem darauf, mehr Zeit mit dem Enkelkind zu verbringen. Was mit der Ladenfläche und den Gewächshäusern passiert, weiß er noch nicht. 

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