Frisch gepresster Apfelsaft: Vom Baum fast direkt ins Glas
Armin Englert hat die Saison mit seiner mobilen Presse eröffnet. Termine ab kommende Woche in Gundelsheim und zum Teil auch in Ruchsen. Die Abrechnung erfolgt ganz modern per App mit dem „MostManager“.

Armin Englert ist seit 2009 mit seiner mobilen Apfelpresse unterwegs. 30 000 Euro hat er damals in die Presse und die Abfüllanlage mit Pasteurisierung investiert.
78 Grad Wärme und luftdichte Plastik-Bags machen den Saft haltbar. Mathias Rickert und sein Sohn Malte (10) schauen zu, wie ihre „vielleicht 50 Kilo Äpfel von zwei Bäumen“ gepresst werden. Sohn Malte darf dann auch schon gleich ans Kartonfalten und freut sich über die knapp 20 Liter rotfarbenen Saft, die am Ende rauskommen. „Man will halt nichts kaputt gehen lassen“, meint der Vater. „Und schön ist es allemal, wenn es Saft von den eigenen Bäumen gibt.“
Säckeweise Äpfel geben am Ende etliche Boxen leckeren Saft
Familie Nohe aus Neckargerach hat gut 300 Kilo Äpfel gesammelt und nimmt am Ende etliche Boxen Saft wieder mit nach Hause. Der Familienvater darf, während der Saft von der Presse in die großen Kanister umgefüllt wird, den Schlauch halten und den Saft aussieben.
Auch Englerts groß gewachsener Sohn Benjamin hilft kräftig und leert locker säckeweise Äpfel in die Saftpresse. Später bedient er dann die Pasteurisieranlage, während der Vater die Schläuche an die Kanister mit dem frisch gepressten Saft anschließt.
Gerade bei kleineren Mengen könne es passieren, dass zu Beginn noch Saft vom Vorgänger aus den großen Kanistern mit rauskommt. „Ein bisschen bleibt immer unten drin.“ Normalerweise hat da niemand ein Problem mit, meint Englert.
Pflücken, sammeln und pressen ist ein Knochenjob – doch die Mühe lohnt sich
Armin Englert organisiert sich inzwischen digital. Sein „MostManager“ rechnet alles für ihn aus und behält für ihn den Überblick. „Früher habe ich alles noch auf einen Zettel aufgeschrieben und musste dann nochmals alles in eine Excel Tabelle eintragen. Mittlerweile muss ich Abends die Daten nur noch exportieren und das war’s.“ Für ihn ist das Apfelsaftpressen ein Saisonaler Vollzeitjob. Allerdings ging die Saison früher länger. Damals war er ungefähr Anfang November fertig mit Pressen, mittlerweile geht die Saison bis spätestens 20. Oktober, meint Englert.
Die pasteurisierten und vakuumierten Apfelsaftboxen sind auch bei Kindergärten und Schulklassen beliebt. „Das gefällt mir am besten, wenn ich bei den Schulen zu Gast bin“, sagt Englert. Die mobile Saftpresse passt gut auf den Anhänger. Praktisch sind da die gelben Bänder an Streuobstwiesen, die signalisieren: „Hier darf gepflückt werden.“
Vor allem freut sich Armin Englert, wenn ihn Schülerfirmen anfragen, weil er dann weiß, dass das Einkommen in die Klassenkasse kommt, oder es Apfelsaft für die ganze Schule gibt.
„Wenn’s dann am Ende mehr wird, sind die Leute lieber positiv überrascht.“
100 Kilo Äpfel geben ungefähr 60 Liter Saft. Diese Information gibt Englert immer an seine Erst-Kunden raus. „Damit niemand enttäuscht ist. Wenn’s dann am Ende mehr wird, sind die Leute „lieber positiv überrascht.“
In der Regel müssen am Saft-Mobil vorab Termine vereinbart werden. „Für 500 Kilo brauche ich ungefähr eine halbe Stunde.“ Kleinst-Mengen kann er aber schon auch spontan dazwischen schieben. Ab nächster Woche wird immer dienstags und freitags in der Burghalde in Gundelsheim gepresst. Am 27.09., 11.10. und 18.10. ist Englert in Möckmühl-Ruchsen zu finden.
Sorgen bereiten ihm höchstens der Trester, also die Pressrückstände. Vor Ort in Gundelsheim freuen sich die Hühner über die ausgepressten Apfelstücke. Es gebe immer weniger Jäger und Bauern, die Tiere damit füttern.
Susanne und Gerhard Singer aus Öhringen sind den weiten Weg gekommen, um ihre Äpfel zu Saft verarbeiten zu lassen. „Warum bückt man sich für’s Obst? Weil man gerne Apfelsaft trinkt.“
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