Die Freilichtspiele Neuenstadt sind auf der Suche nach Unterstützung. Vor allem im Bereich Technik und Bühnenbau. Wer sich die Arbeit einmal ansehen und mit Mitwirkenden in Kontakt kommen möchte, ist am 12. April herzlich eingeladen. An diesem Samstag wird ab 9 Uhr das Dach über der Zuschauertribüne aufgebaut. Wer mit anpacken möchte, sollte festes Schuhwerk, Arbeitskleidung und Handschuhe mitbringen. Für Kaffee und andere Verpflegung ist gesorgt. Eine Anmeldung ist unter mitmachen@freilichtspiele-neuenstadt.de möglich. Kurzentschlossene können spontan vorbeikommen. Tickets gibt es unter www.freilichtspiele-neuenstadt.de.
Freilichtspiele gehen neue Wege und zeigen „Dracula“
Ab 13. Juni wird’s düster im Schlossgraben in Neuenstadt. Bühnenbau, Ticketverkauf und Proben sind gestartet.


Grusel, Angst, Entsetzen, Verzweiflung: Mit „Dracula“ sind auf der Freilichtbühne in Neuenstadt dieses Jahr Emotionen zu sehen, die es so noch nie gegeben hat, sagt Regisseur Lars Tönnies. „Es ist nicht mehr das gewohnte Feel-Good-Theater“, beschreibt es Antje Leverenz-Bätz aus dem Team für Öffentlichkeitsarbeit. Die Freilichtspiele hätten zwar schon viele Genres gespielt, es sei aber meistens ein Charakter dabei gewesen, mit dem man sich herzlich amüsiert habe. „Das wird es dieses Jahr nicht geben.“ Der Verein will seinen Zuschauern mal etwas anderes bieten und sie auf neue Art begeistern, erklärt Vorstandssprecher Andreas Großkopf.
Theaterabend soll Festival-Charakter bekommen
In Zeiten, in denen die Besucher nicht mehr lange im Voraus buchen und die Konkurrenz groß ist, hinterfragen sich die Freilichtspiele und haben zum Beispiel das Presseteam vergrößert. Es wird auch ein neues Programmheft geben. Das Catering und das Drumherum am Vorstellungsabend soll zudem für Event-Charakter sorgen. Beim Familienstück im vergangenen Jahr war zu den Vorstellungen von „Pippi Langstrumpf“ zum Beispiel ein Jahrmarkt in der Lindenanlage aufgebaut. „Wir wollen die Linde wieder mit einbeziehen“, sagt Großkopf. „Es wird nicht mehr einfach nur Theater sein, sondern Festival-Charakter haben“, sagt Leverenz-Bätz. Dafür seien mehr Kreativität, mehr Aufwand und mehr Leute notwendig. „Aber wir freuen uns.“
Das Stück „Dracula“ bietet außerdem viele Besonderheiten. Lars Tönnies hat es nicht nur auf die Freilichtbühne angepasst, sondern eine ganz eigene Theaterfassung geschrieben. „Ich habe mich nah am Roman orientiert“, sagt der Regisseur. Das Buch von Bram Stoker sei aber rund 130 Jahre alt und es gebe keine Dialoge. Es bestehe aus Briefen. „Den Erzählstrang musste ich also selbst bauen.“ Auch habe er Figuren dazu genommen, die es im Roman nicht gebe, und habe angesichts einer Spielzeit von 90 Minuten Schwerpunkte setzen müssen.
Ungewohnte Emotionen sind eine Herausforderung für die Darsteller
Nicht nur das Freilichtspiele-Publikum, auch die Schauspieler bewegen sich dieses Jahr auf ungewohntem Terrain. Die Emotionen, die bei „Dracula“ gefragt sind, haben sie noch nie gespielt, sagt Lars Tönnies. Das sei derzeit in den Proben, die noch drinnen stattfinden, die größte Herausforderung. Wie stellt man zum Beispiel einen Vampirbiss dar? Das müssten die Darsteller erst einmal erarbeiten. Insgesamt ist Dracula ein personalintensives Stück. Insgesamt werden auf der Bühne rund 20 Personen zu sehen sein.
Am komplexesten ist die Rolle Draculas angelegt. Ihn spielt Jörg Schönbeck, der bei den Freilichtspielen ein alter Bekannter ist, aber seit Längerem nicht mehr in einer Hauptrolle zu sehen war. „Er ist ein Stück weit Neuenstadter Lokalkolorit“, berichtet Leverenz-Bätz. Schönbeck hat mit der Rolle auch eine schwierige Aufgabe übernommen. „Dracula ist ein Gentleman, ein Charmeur und ein Krieger aus früheren Zeiten“, erläutert Lars Tönnies. Gleichzeitig habe er übernatürliche Kräfte und könne ein Raubtier sein. „Die Bandbreite ist groß“. Auch eine andere Rolle lässt mit Spannung auf die Saison Blicken. Van Helsing ist mit Corina Deininger weiblich besetzt.
„Dracula“ spielt in London um die Jahrhundertwende
Der Hauptspielort ist London um die Jahrhundertwende. Der Rechtsanwalt Jonathan Harker wird in Lars Tönnies Fassung von seiner Kanzlei beauftragt, in die Karpaten zu reisen, um dort einen Adligen beim Immobilienkauf zu beraten. Dort angekommen, erscheint ihm sein Klient, ein gewisser Graf Dracula, als mysteriöser und sehr geheimnisvoller Zeitgenosse, dessen anfängliche Freundlichkeit plötzlich ins Gegenteil umschlägt: Er sperrt seinen Besucher im gräflichen Schloss ein und reist selbst nach London ab. Dort entfaltet sich der Schrecken weiter. Es beginnt eine gefährliche Jagd mit dem Ziel, Dracula zu besiegen und endgültig zu vernichten.
Und wie bekommt man an einem lauen Sommerabend Gruselstimmung in den Schlossgraben? „Solange es noch hell ist, wird uns das mit Effekten, wie Nebel gelingen, sagt Lars Tönnies. Die Stimmung solle sich langsam aufbauen – und am Höhepunkt werde es dunkel sein. Die Freilichtspiele wollen ein Erlebnis bieten, das auch den Besucher begeistert, der im ersten Moment nichts mit „Dracula“ anfangen kann, sagt Großkopf. Dafür werde auch das Bühnenbild und das Event drumherum sorgen.

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