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Waldorfpädagogik

Freie Johannesschule Flein: Profi-Werkzeug eröffnet neue Möglichkeiten

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Die Holzwerkstatt der Freien Johannesschule Flein ist dank einer Spende der Firma Würth Leasing GmbH & Co. KG jetzt deutlich besser ausgestattet. Schüler und Lehrer profitieren.

Heute sind ganz banale Arbeiten angesagt: Bufdi Nils Jauß (Mitte) entfernt gemeinsam mit Matthias (links) und Max Schrauben und Nägel aus Holzlatten. Dabei kommt auch der Akkuschrauber zum Einsatz.
Heute sind ganz banale Arbeiten angesagt: Bufdi Nils Jauß (Mitte) entfernt gemeinsam mit Matthias (links) und Max Schrauben und Nägel aus Holzlatten. Dabei kommt auch der Akkuschrauber zum Einsatz.  Foto: Claudia Kostner

Akku-Bohrschrauber, eine Kapp- und Tischkreissäge, ein Holzfräser-Sortiment, Universal-Schrauben in unterschiedlichsten Ausführungen, Zangen, Spiralbohrer und Diamantscheiben: Dieses professionelle neue Equipment, gespendet von der Würth Leasing GmbH & Co. KG, eröffnet Thomas Bauer und seinen Schülern im Werkunterricht an der Freien Johannesschule ganz neue Möglichkeiten. „Das Tolle daran ist, dass wir das in vielen Klassenstufen einsetzen können“, sagt der Technische Lehrer und Schreinermeister.

Schon mit den Viert- und Fünftklässlern des Sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentrums (SBBZ) übe er den Umgang mit Akkuschrauber und -bohrer, „damit sie ein Handling kriegen“, so Bauer. Zum Beispiel beim Besenbinden. „Da werden die Löcher im Besenstiel vorgebohrt.“

Kanthölzer für großes Insektenhotel 

Die älteren Schüler aus der Berufsschulstufe sind in diesen Tagen dabei, im Außenbereich der Schule zusammen mit ihrer Lehrerin für Biologie, Naturphänomene und Technik, Gabriele Schlesiger, ein 1,50 mal zwei Meter großes Insektenhotel zu bauen. „Da müssen größere Kanthölzer verarbeitet und im Boden verankert werden. Bohrer und Schrauben kommen zum Einsatz. Das ist fast schon die Sparte Holzbau“, erklärt Thomas Bauer. „Es geht um berufspraktische Tätigkeiten, die angelegt werden.“

Die Kanthölzer für das Insektenhotel hat Thomas Bauer als Vorbereitung auf das Projekt mit der neuen Kappsäge zugeschnitten. „Für mich sind die Geräte sehr wertvoll, weil ich nicht nur wie bisher prozess-, sondern auch ergebnisorientiert arbeiten kann“, beschreibt der Sonderpädagoge. Das heißt: „Ich kann Material vorbereiten, das die Schüler dann weiterbearbeiten und zusammenfügen können. Sie müssen nicht erst lange an einem Stück Holz schleifen oder fräsen, bis sie ein Ergebnis sehen.“

Nutzung von Kapp- und Tischkreissäge ist den Lehrern vorbehalten

So auch beim Bau von Sitzbänken. „Ich schneide die Leisten vorher grob zu, die Schüler müssen sie dann auf Maß weiterverarbeiten und lernen dabei Abmessen, Anzeichnen mit rechtem Winkel und das Ablängen mit einer Handsäge.“ Der Umgang mit Kapp- und Tischkreissäge obliegt wegen der Verletzungsgefahr ausschließlich den Lehrkräften . „Nur im Einzelfall nehme ich einen Schüler in 1:1-Betreuung dazu“, betont Bauer.

Den Jugendlichen aus der Berufsschulstufe sollen „Arbeitstugenden vermittelt und Einblicke gegeben werden, was Arbeit bedeutet“, sagt der 45-Jährige. Im Rahmen einer Schülerfirma werde dann immer im Herbst anhand eines Produkts der Auftragscharakter durchexerziert: ein Bilderrahmen hergestellt, Angebote und Rechnungen geschrieben. Andere in der Schule hergestellte Produkte aus Holz, Ton oder Papier werden auch beim Tag der offenen Tür oder beim Wintermärktle verkauft.

Schüler sind stolz auf das Produkt und auf sich selbst

Gerade für die Schüler des SBBZ mit verschiedensten Defiziten beim Lernen oder in der geistigen Entwicklung sei der Werkunterricht „etwas sehr Dankbares“, findet Thomas Bauer. „Weil sie bei der Arbeit mit dem Material eine gewisse Selbstwirksamkeit erfahren: Ich kann was. Ich produziere was, das ich verschenken oder verkaufen kann. Darauf kann ich stolz sein.“Motorisch und feinmotorisch gebe es große Unterschiede bei den Jugendlichen. „Die Differenzierung ist eine Herausforderung“, weiß Bauer. Wenn er mit seiner Klasse ein Vogelhäuschen bauen wolle, müsse er das auf zehn verschiedene Arten machen. „Weil jeder unterschiedliche Voraussetzungen mitbringt und unterschiedlichen Förderbedarf hat“, so der Schreinermeister.

„Unvoreingenommen jedes Kind so annehmen, wie es ist“: Diesen Grundsatz der Waldorfpädagogik, nach der an den Johannesschulen unterrichtet wird, hat auch Nils Jauß, der hier zurzeit seinen Bundesfreiwilligendienst absolviert, schon verinnerlicht. Mit viel Einfühlungsvermögen geht der 19-Jährige den Mädchen und Jungen, die teilweise gleich alt sind wie er, auch beim Arbeiten mit Holz zur Hand.

„Wir geben den Jugendlichen die Chance, sich produktiv ins Berufsleben zu integrieren, nicht unbedingt in der Lebenswerkstatt“, sagt Geschäftsführer Stefan Przibilla. Ermöglichen sollen das auch die Praktika an zwei Tagen in der Woche, etwa in der Pflege, im Garten- und Landschaftsbau, in der Logistik, der Spielberger Mühle oder im Web-Atelier in Brackenheim sowie Betriebsbesichtigungen. Es gebe Schüler, die Jobs als Beikoch finden oder eine Ausbildung in der Hauswirtschaft machen, ist Stefan Przibilla stolz.

Großen Wunsch erfüllt

Die Würth Leasing GmbH & Co. KG hat die Freie Johannesschule Flein mit einer Spende unterstützt: Anstatt der üblichen Kundengeschenke zu Weihnachten hat das Unternehmen in diesem Jahr das SBBZ bedacht. Es gab nicht nur Werkzeug für die Holzwerkstatt, sondern auch 477 Euro von der Belegschaft. Ein Herzenswunsch der Schule geht damit in Erfüllung: neues, hochwertiges Werkzeug, um Kinder und Jugendliche künftig noch besser fördern und fordern zu können. Torsten Zörner aus dem Vertrieb Asset Finance übergab die Spende an den Geschäftsführer der Schule, Stefan Przibilla. Begleitet wurde er von seiner Ehefrau Eleonore Zörner, die sich im Vorstand der Schule engagiert, sowie von Tochter Lucy, die die Schule besucht. „Uns war wichtig, dass unsere Weihnachtsspende dort ankommt, wo sie konkret etwas bewirkt. Die Holzwerkstatt ist ein großartiger Ort, an dem Kinder und Jugendliche handwerklich lernen, Selbstvertrauen entwickeln und ihre Fähigkeiten entdecken können“, so Torsten Zörner. 

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