Folgen Mandeln und Oliven dem Wein?
Forscher und Züchter arbeiten an Kulturpflanzen, die mit Trockenheit und Wärme besser klarkommen als hiesige Kulturen. Die Mandel ist dabei ein neuer Player. So erfolgversprechend sind die Versuche der LVWO:

Ein Mindestlohn, der von vielen Obstbauern als immer erdrückender empfunden wird, fehlende Pflanzenschutzmittel, dazu das Damoklesschwert der Spätfröste. Im Weinbau kommen Kalamitäten wie unrentables Traubengeld und rückläufiger Weinkonsum dazu. Alles in allem: Betreiber von Gehölzkulturen haben seit einigen Jahren in Deutschland heftig zu knabbern. Doch Obstbauer sind ein zähes Völkchen, so leicht lassen sich die meisten Betriebe nicht unterkriegen. Die Landwirte sind immer auch erfinderisch gewesen. Aktuell lotet die Branche aus, mit welchen Kulturarten Obstbauern die ansteigenden Temperaturen nutzen können.
Die Mandel ist im Prinzip wie ein Pfirsichkern
Auf dem jüngsten Obstbautag in Weinsberg hat Christian König von der Staatlichen Lehr- und Versuchsanstalt für Wein- und Obstbau (LVWO) Erfahrungen aus dem Anbau von Mandeln geteilt. „Die Art wächst hier und trägt auch Früchte“, so der Wissenschaftler. Alles, was man benötige, seien ein stabiles Weinbauklima und lockere Böden.
Ersteres sei zweifelsfrei gegeben, Standorte mit Staunässe müsse man allerdings vermeiden. Wie Christian König darlegte, ist die Mandel ein enger Verwandter des Pfirsichs. „Im Prinzip ein sehr ausgeprägter Kern vom Pfirsich.“ Die Sorte komme besser mit heißen Temperaturen klar, brauche aber viel mehr Licht als unsere heimischen Obstsorten.
Der Mandel-Konsum in Deutschland ist steigend
Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen spielen der Mandel in die Karten, denn in Deutschland ist der Konsum von Mandeln stark steigend, weiß der Züchter. So sei der Mandelverbrauch in Deutschland zwischen 2019 und 2025 um 20 Prozent angewachsen. Aktuell liegt er bei 80 000 Tonnen jährlich.
Die Mandel besitzt in den Weinbaugebieten Deutschlands eine jahrhundertelange Tradition und ist durch regionale Sorten wie die „Perle der Weinstraße“ geprägt. Aufgrund vieler Nachteile, unter anderem der hohen Frostanfälligkeit, hat sie bislang kaum Bedeutung im heimischen Erwerbsanbau erlangt. Durch jahrzehntelange Züchtungsarbeit mit Fokus auf spätblühende und robuste Sorten konnten europäische Forschungsinstitute moderne Mandelsorten mit verbesserter Frosttoleranz entwickeln.
Welche Anbauprobleme es mit der Mandel hier noch gibt
„In Verbindung mit effizienten Anbausystemen und den klimatischen Veränderungen könnten sich dadurch Anbaupotenziale in begünstigten Regionen Baden-Württembergs eröffnen“, hofft Christian König. Pflanzenbaulich von Relevanz sei die Tatsache, dass die Mandel selbstfruchtbar ist. Somit entzieht sich das Gewächs den Unbilden der Spätfröste. Die Selbstfruchtbarkeit sei auch deshalb wichtig, weil die Mandel für die hiesigen Bestäuber zu früh blüht. Die Mandel ist zudem höchst genügsam. So wurden die ersten Versuchsreihen in Heuchlingen 2023 „im schlechtesten unserer Böden“ gepflanzt, berichtet der Projektleiter. Gegossen wurde nur bei der Pflanzung. Die LVWO arbeitet mit modernen Sorten im Bioanbau.
Folgende Schadbilder wurden bisher festgestellt: Monilia, Kernschimmel, pilzliche und bakterielle Erreger sowie tierische Erreger. Auch wurden Früchte angeknabbert, mutmaßlich durch Vögel.
Diese praktischen Fragen sind noch zu klären
Noch keine detaillierten Ergebnisse gibt es laut dem Versuchsleiter zu Sorten und Erträgen oder zu den Anfälligkeiten. Außerdem seien zentrale Anbaufragen zu klären. Dazu zählen Handlungsempfehlungen und Erfahrungen, zu Pflanzenschutz, Erntetechnik und Vermarktung. Christian König zieht ein vorläufiges Fazit: „Die Kultur nicht negieren, sondern als Ergänzung in Erwägung ziehen.“ LVWO-Abteilungsleiter Dr. Franz Ruess ergänzt: „Die Mandel ist eine Chance für aufgelassene Weinberge. Etwas, was kommen könnte.“
Mit welcher subtropischen Kulturpflanze hier schon fleißig experimentiert wird
Während die Mandel als Folgekultur des Weins noch relativ frisch diskutiert wird, ist die Olive schon länger als Kandidat im Gespräch. Einer, der es leidenschaftlich betreibt, ist Hermann Frisch, der früher für die Rebanlagen der Staatlichen Lehr- und Versuchsanstalt in Weinsberg und Burg Wildeck verantwortlich war. Auf seiner rund 70 Jahre alten Riesling-Anlage am Burgberg in Weinsberg, baut er die Ölfrüchte versuchsweise an. „Ich habe über Haselnuss, Mandeln, Granatäpfel nachgedacht und bin bei Oliven hängengeblieben“, berichtet der Experte. Im Zuge des Klimawandels würden solche Exoten inzwischen auch in unseren Breiten gedeihen.
„Die Mandel ist eine Chance für aufgelassene Weinberge. Etwas, was kommen könnte.“Franz Ruess



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